Nach Abpfiff waren sich alle – namentlich Fribourg-Trainer Petar Aleksic (der zudem auch als Nationalcoach fungiert) und Starwings-Übungsleiter Roland Pavloski - einig: «Der Sieg von Fribourg ist verdient». Dieser Erfolg basierte primär auf der Tatsache, dass Olympic über ein grosses, ausgeglichenes Kader verfügt, das Breite wie Tiefe aufweist.

Obwohl mit Westher Molteni ein Nationalspieler verletzt fehlte, konnte Aleksic als sechsten Mann den 203 Zentimetern grossen Arnaud Cotture und als 8. Spieler einen gewissen Jonathan Kazadi bringen. Dieser musste in der Saison 2014/15 wegen einer Knieverletzung passen, ist aber der Aufbauer der Schweizer Nationalmannschaft. Beide Eigengewächse gehören zur nationalen «Crème de la Crème».

Nach 13 Sekunden gingen der Gastgeber durch einen Korbleger von Lorenza Ross mit 2:0 in Führung. Dieser Vorsprung hielt genau zehn Sekunden, dann konterte Roberto Kovac, auch er ein Nationalspieler, mit einem Dreier. Und von diesem Augenblick an gab «FO» die Führung nie mehr ab. Nach fünf Minuten leuchtete ein 4:15 von der Anzeigetafel auf. Wer aber dachte, dass der Match damit bereits «gegessen» war, irrte. Denn ein jeder der Starwings kämpfte um jeden Ball und es gab Phasen, in denen dem Aussenseiter gute Basket-Kost gelang.

Natürlich hatte man stets das Gefühl, dass die Freiburger sowohl den Druck (angegangen von einem unglaublichen Pressing) wie die Kadenz erhöhen könnten – so mussten die treuen Matchbesucher nach dem ersten Viertel (das 19:23 geendet hatte) vier lange Minuten warten, bis den Unterbaselbietern die ersten Punkte gelangten. Die Gäste waren in der Zwischenzeit aber bereits bei 30 Zählern.

Fulminante Aufholjagd

Die allerbeste Periode hatten die «Wings» gleich zu Beginn der zweiten Hälfte. Innert 90 Sekunden schafften Lorenza Ross (stark am Ball und gute Defense), Alessandro Verga (er fand zu keinem Zeitpunkt ins Spiel hinein), Joël Fuchs (der Captain war ein sicherer Wert und wies sehr gute Wurfquoten auf), Murphy Burnatowski (wären die Distanzwürfe noch in den Korb gegangen, hätte der Kanadier wohl 50 Punkte erzielt…) und Demonte Upson (seine Erkältung und seine starken Antipoden, von Andre Williamson über Arnaud Cotture und Slobodan Miljanic bis «Shootingstar» Natan Jurkovitz machten ihm gar schwer zu schaffen) ein 8:0 und den Wiederanschluss (42:46).

Aber Fribourg führt nicht durch Zufall die Rangliste an. Die Equipe, welche zu jeder Zeit mit neun Akteuren rotieren konnte und nie an Qualität einbüsste, beantworte diesen 8:0-Run der Gastgeber seinerseits mit einem 10:0 – nach 24 Minuten hatten alle das Gefühl, der Match sei nun beim 42:56 gelaufen.

Entscheidung fiel nach 37 Minuten

Aber über einen immensen Kampfgeist, einen nonstop punktenden Burnatowski und einem Branislav Kostic, der Ross im Aufbau entlastete und selber gut Regie führte, liessen sich die «kleinen Sternenflügel» vom Schweizer Rekordmeister nie endgültig abschütteln. Zu Beginn des letzten Viertels, beim Stande von 61:65, tanzte ein Dreier von Burnatowski auf dem Ring – das 64:65 hätte wohl für viel Dramatik und noch mehr Nervosität beim Gast gesorgt.

Selbst nach 36. Minuten, beim Stand von 67:72, hatten die Blau-Gelben weiterhin die Option, für ein Hitchcock-Finale zu sorgen. Doch die zunehmende Müdigkeit und das foulbedingte Ausscheiden von Upson waren zuviel, so dass Fribourg – im Stile einer Klassemannschaft, welche genau ihr Potenzial kennt – in den letzten 200 Sekunden das Skore noch auf ein finales 71:84 schraubte.

Es gibt Niederlagen, die bitter und unnötig sind. Und darum sehr schmerzen. Es gibt Niederlagen, auf die man aufbauen kann, soll, ja muss. Fribourg hatte die beiden letzten Matches, wenn auch zuhause, gegen Luzern mit 109:57 und SAM Massagno mit 100:57 gewonnen. Auch im Schweizer Cup waren die Freiburger gegen den Zweitligisten Sarine Basket mit 139:36 «hinweg gefahren».

«Fribourg ist von jenen Mannschaften, welche ich bis dato gesehen habe, jenes Team, das am besten zusammen spielt und als Kollektiv am stärksten wirkt», so Pavloski. Auch Antipode Aleksic lobte die «hervorragende Arbeit, die mein Kollege Roland in Birsfelden leistet. Er holt das Maximum aus den beschränkten Möglichkeiten heraus», sagte er vielsagend.

Mit der «ehrenvollen» Niederlage blieb die Hierarchie gewahrt und die Logik siegte. Wichtiger als das finale Resultat wird es sein, dass sich Team und vor allem die ein-zelnen Akteure (primär denken wir da an Verga, den Aargauer Philippe Sager und Kleinbasler Niels Matter) weiter steigern. Denn Luft nach oben haben alle. Bereits in einer Woche gastieren die Starwings in Luzern – das Derby gegen den bis dato punktelosen, aber keck aufspielenden Aufsteiger Swiss Central wird zeigen, ob man die guten Phasen aus dem Fribourg-Match weiter ausbauen kann. Dies wird jedenfalls vonnöten sein, wenn man in der Innerschweiz erfolgreich sein will.