Basketball

Starwings-Topskorer JaCori Payne will via Birsfelden in die NBA

JaCori Payne kann den Basketball ohne Probleme auf dem Finger kreisen lassen.

JaCori Payne kann den Basketball ohne Probleme auf dem Finger kreisen lassen.

JaCori Payne spielt seit Sommer für die Starwings und ist bereits Liga-Topskorer. Sein Weg soll in dereinst in die beste Liga der Welt führen.

Die Skorerliste der Basketball-NLA verblüfft derzeit. Nach neun Runden führt diese ein Spieler der momentan neuntplatzierten Starwings an. Unglaubliche fünfzig Punkte Vorsprung hat der Akteur der Birsfelder auf seinen nächsten Verfolger, der selbst stolze 161 Punkte warf. Der Überflieger heisst JaCori Payne, kommt aus den USA und entpuppte sich als Königstransfer für die Baselbieter. Woche für Woche macht er den Unterschied aus und hat massgeblichen Anteil daran, dass das Team von Neo-Headcoach Dragan Andrejevic im Vergleich zur letzten Saison einen veritablen Traumstart hingelegt hat. Vor einem Jahr noch punktlos, haben die Starwings jetzt bereits drei Siege auf dem Konto und dürfen von den Playoffs träumen. JaCori Payne sei Dank.

Starallüren zeigt der 23-jährige Amerikaner deswegen aber nicht: «Es geht mir einfach darum, meine Rolle wahrzunehmen und alles dafür zu geben, ein Leader zu sein und das Team besser zu machen.» Die Starwings haben ihn im Sommer als Leistungsträger und Anführer verpflichtet, wie man es stets mit US-Importprofis zu tun pflegt. Für Payne, der sich neben dem Platz als «ruhigen, entspannten Typen» beschreibt, bedeutet das eine Umstellung: «Auf dem Court muss ich lauter, aggressiver und direkter sein als im Alltag.» Weil er seit jeher auf der Position des Point Guards spielt, ist er sich diese Umstellung jedoch bestens gewöhnt. Es ist eine der anspruchsvollsten Positionen im Basketball, erfordert Präsenz unter beiden Körben, Wurfsicherheit und hohes Spielverständnis. Point Guards müssen nicht so gross gewachsen sein, was dem nur 1,78 Meter grossen Payne zugute kommt. «Der Point Guard ist so etwas wie der Coach auf dem Feld, er muss das Team anführen wie der Quarterback im Football. Ich denke, das passt gut zu meiner Art, wie ich gemacht bin und wo ich her komme», erklärt Payne.

Mit NFL-Stars in einer Kleinstadt aufgewachsen

Der Ort, aus dem Payne stammt, heisst Dublin und liegt im Bundesstaat Georgia. Eine Kleinstadt, in der fast dreissig Prozent der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze leben. Payne stammt jedoch aus einer guten Familie und kann sich stets auf seine sportlichen Ambitionen konzentrieren. «Dublin ist eine Stadt, in der man nichts geschenkt bekommt, man muss für seinen Erfolg alles geben. Das prägt auch die Art und Weise, wie wir dort Basketball spielen. Nämlich taff und kompetitiv», sagt Payne. Diese Mentalität scheint Dublins Sportler zu beflügeln. Mehrere Athleten der grossen nordamerikanischen Ligen stammen aus dem 16000-Seelen-Ort. Beachtlich. Das bekannteste Aushängeschild ist Footballer Demaryus Thomas, Super-Bowl-Sieger mit den Denver Broncos. Mit ihm hat Payne schon einige Körbe geworfen. «Wir hatten denselben Basketball-Coach an der High School», erzählt er.

Ein Kulturschock in Armenien

In Dublin macht Payne seine ersten Schritte auf dem Court. «Etwa mit 13 habe ich realisiert, dass ich Profi werden könnte, wenn ich alles gebe und täglich hart arbeite.» Diesem Credo ist er bis heute treu geblieben, spielte erst im College und machte dann den Schritt nach Europa. Seine erste Station führte ihn ins armenische Aragats. «Das war ein ziemlicher Kulturschock», sagt er lachend. «Die Leute dort sind sich nicht unbedingt Touristen gewohnt und sprechen nur selten Englisch. Mit meiner Herkunft und meiner Hautfarbe fühlte ich mich manchmal wie ein Exot. Die Zeit war herausfordernd, aber auch spannend. Und letztlich habe ich es ja gut überstanden.»

Gut überstanden hat er das Abenteuer auch sportlich: Payne glänzt als bester Assistgeber der Meisterschaft und wird mit Aragats Meister. Als das Angebot aus der Schweiz kommt, sagt Payne sofort zu. «Die Schweiz ist ein grandioser Ort, um meine Karriere voranzubringen. Ich will hier weiter an mir arbeiten und mich für höhere Aufgaben empfehlen. Schritt für Schritt.» Paynes grosser Traum ist es, irgendwann wie seine Idole Allen Iverson, Steve Nash oder Kobe Bryant in der NBA zu spielen. «Man kann sich auch über starke Leistungen in Europa dafür empfehlen. Ich fokussiere mich aber voll auf das Hier und Jetzt.»

Die Starwings wissen, was sie am flinken US-Profi haben: «Er ist ein grossartiger Typ. So einen will jeder Coach in seinem Team. Natürlich hat er noch viel zu lernen. Aber er arbeitet hart und hat auf und neben dem Platz eine top Attitüde. Damit wird er es noch weit bringen», sagt Coach Andrejevic. Dass die Starwings Payne über die Saison hinaus halten können, scheint unwahrscheinlich. Eher dürfte es ihn in eine grössere Liga ziehen, wo er weiter wachsen kann. Schritt für Schritt. Deshalb gilt es für die Zuschauer, sich - so lange es noch geht - ob dem bescheidenen Ballkünstler verblüfft die Augen zu reiben.

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