Zeitweise führte Boncourt, das in seiner Stammfünf – trotz vier hochkarätiger Ausländer - drei Schweizer Akteure nomierte (darunter das Birsfelder Eigengewächs Branislav Kostic), mit 15 Punkten Vorsprung (33:18) und wurde vorerst seiner Favoritenrolle vollauf gerecht. Winterthur, arg dezimiert und nur mit sieben Spielern nach Birsfelden gereist, schien bloss ein besserer Sparringpartner zu sein. In Vollbesetzung wird Winterthur heuer jedoch zu beachten sein.

Showtime mit Rashad Whack

Aber die Zürcher, letztes Jahr der «Prügelknabe der Nationalliga A», haben aus ihrem letztjährigen, ersten Nationalliga-A-Jahr gelernt. Und werden nun von einem Mann angeführt, der grandios aufspielte. Was der Amerikaner Rashad Whack (25, 190cm) zeigte, war ganz grosses Kino.

Obwohl er sich im ersten Viertel (nach fünf Minuten) den Fuss verdrehte und erst ab der 12. Minute wieder – leicht hinkend – zum Einsatz gelangte, zelebrierte er Basket. Seine Bilanz: 37 Punkte (mehr als seine restlichen Teamkollegen zusammen), 13 von 15 Freiwürfen im Korb, kaum ein Ballverlust, viele Assists – und Körbe nach Auswahl. Ob Distanzwürfe, Penetrationen zum Korb, Korbleger mit Handwechsel auf links – da ist ein Mann im «Züribiet» gelandet, der bereits letztes Jahr in einer (starken) kanadischen Profiliga für Aufsehen gesorgt hatte.

Als Kuriosum sei erwähnt, dass Winterthur-Cheftrainer Danijel Rasljic in der 32. Minute die Sporthalle verliess. Nicht, weil er bereits genug gesehen (und sich oft geärgert hatte), sondern weil der «Mister Winterthurer Basketball» mit seiner Frauenmannschaft ins Wallis zum Spiel gegen den Schweizer Meister Hélios Sion weiterreisen musste… Auch das ist Schweizer Basket.

«Wings» mit starker Reaktion

Im zweiten Turniermatch nahmen die Starwings Revanche für die 52:75-Niederlage vor zehn Tagen in der Innerschweiz gegen Central Luzern. Nach flottem Beginn (10:2 nach drei Minuten) fiel der Gastgeber in den bisherigen, gezeigten Trott zurück. Wenig bis keine Bewegung im Angriffsspiel, gar lasche Defensearbeit und forcierte Würfe, welche die Zentralschweizer, nach gesichertem Defense-Rebound, mit schnellen Gegenstössen zu leichten Punkten ausnutzten.

Und die Equipe von Danijel Eric zeigte, dass sie über eine Gruppe von Schweizer Akteuren besitzt, die nicht nur Statisten (wie in der letzten Saison) sind, sondern nun zu Protagonisten mutiert haben.

In den zweiten 20 Minuten konzentrierte Starwings-Cheftrainer Roland Pavloski sein Personal auf sieben Spieler – und der erstmals mitspielende Björn Schoo (35, 214 cm!) liess erkennen, dass er dem Birstaler Kombinat noch sehr viel helfen kann. Natürlich kann der Deutsche den fehlenden Rhythmus nicht kaschieren; der Center hat eine komplizierte Fuss-Operation hinter sich und benötigt Wochen (vielleicht sogar Monate), um Intensität, Spritzigkeit und Tempo wieder zu erlangen. Aber Routine und viele Centimeter sind da.

Chris Jones überzeugte

Während der «Schlaks» Octavius Brown (23, 206cm) weiterhin seine Rolle sucht (und nicht findet), ist Chris Jones (24, 188cm) nahezu im Unterbaselbiet angekommen. Der athletische Spielmacher war der Mannschaft ein würdiger Leader und skorte sowohl mit Würfen wie auch mit entschlossenen Durchbrüchen zum Korb.

Man muss kein Prophet sein, um dem Final-Duell zwischen Jones und Whack mit Spannung, aber auch mit Freude, entgegen zu blicken. Da werden sich zwei Aufbauer und Spielmacher wie auch Skorer gegenüber stehen, die beide eine grosse Bereicherung für die Nationalliga A sein dürften.

Chilbi nicht nur im Dorf…

In Birsfelden ist an diesem Wochenende Dorf-»Chilbi». Immer am letzten September-Wochenende – von Freitag bis Sonntag. Und dies bereits zum 45. Male. Beim Spiel der beiden Erzrivalen Starwings und Luzern war Abdelouahead Chalbi der dritte Ref. Ein durchaus talentierter (junger) Unparteiischer. Was der Romand aber, zusammen mit dem Hauptref Fabrizio Sani, zwischen der 30. und 35. Minute pfiff, war skurrile «Chilbi».

Zwei absichtliche Fouls gegen den Gastgeber (Schoo, Vinson), die nur Chalbi gesehen hatte, während sich Starwings-Center Darell Vinson zurecht über Schläge, Stösse und sonstige «versteckte» Fouls seiner nicht zimperlichen Gegenspieler (hier sei Klub-Ikone Michael Plüss erwähnt) beschwerte. Erfolglos.

Und dass Central-Center Rhamel Brown aus den USA bei jedem Ballbesitz Schrittfehler beging (die nicht ein einziges Mal geahndet wurden), beweist, dass das Duo Chalbi/Sani eine seltsame Schwäche, oder grosszügige Nachsicht, für die Luzerner hatte. Gastrainer Eric und sein Team werden sich dieses Duo für die Meisterschaft sehnlichst wünschen… und wahrscheinlich dieses Trio heute Sonntag im Spiel um Platz 3 gegen Boncourt wieder begrüssen dürfen.