Nach sieben Minuten stand es 19:2 (!) für die Starwings. Sie spielten beschwingt auf, kombinierten schön, trafen ausserordentlich gut, während die Gäste aus Lugano jenseits von «Gut und Böse» spielten.

Doch mit jeder weiteren Spielminute änderte sich das Szenario. Und bereits zur Pause hatte man das Gefühl, dass der Vergleich zwischen den Tabellennachbarn längst nicht entschieden war. Und hätte Devonte Upson nicht mit der Endsirene einen Verzweiflungs-Wurf aus der Ecke wundersam in den Korb gesetzt – den Zuschauern wären weitere fünf peinliche Minuten erspart geblieben. Wer zuhause gegen SAM in 38 Minuten, mit einem Profi-Ausländer mehr, mit 65:91 verliert, hat keine Argumente. Auch nicht die Refs, die sich dem tiefen Spielniveau anpassten, in den entscheidenden Phasen stets gegen die Heim-Equipe pfiffen, wobei Madame Bovard nicht erkennen liess, dass sie Basket auch nur im Ansatz versteht.

Denn die Kost, welche das Birstaler Kombinat den Treusten der Allertreusten ab der 7. Minute vorsetzte, war nicht einfach schlecht. Die Darbietung war schlicht ungeniessbar und sollte alle, von der Klubleitung über den Technikerstab bis zu den Spielern, Anlass geben, vieles zu überdenken.

Massagno ohne Top-Duo…

Denn eines sei in aller Deutlichkeit gesagt: Massagno spielte ohne den Schweizer Nationalspieler Christophe Varidel, der im Heimspiel gegen die Starwings beim 87:83 die Kleinigkeit von 36 (!) Punkten erzielt hatte. Der Romand wird bis Saisonende ausfallen. Und gegen die Starwings fehlte mit Pape Badji (23, 209 cm) der Top-Reboun- der der Nationalliga A. Der senegalesische Profispieler fällt mir einer Handverletzung für die nächsten vier bis sechs Wochen aus. Kein Wunder, dass Massagno-Präsident Luigi Bruschetti bereits in der Pause vielsagend sagte: «Wir können das Spiel noch kehren. Und könnten wir in Bestbesetzung spielen…» – und aus Respekt beendete der profunde Kenner (einst auch ein passabler Spieler) den Satz nicht.

Sicher, mit Quinton Day und dem an Weihnachten neuverpflichteten Jeffrey Crockett verfügen die Tessiner über zwei US-Spieler, welche um Klassen besser, vor allem aber basketball-intelligenter, als das Starwings-Profi-Trio sind. Aber selbstverständlich sind Day und Crockett auch in einer Lohnklasse, welche gut 50 Prozent über jenem Gehalt von Lorenzo Ross (selten hat man in Birsfelden in den letzten 30 Jahren einen derartig orientierungslosen Spielmacher gesehen), Murphy Burnatowski (der Kanadier ist sich nicht bewusst, welche Rolle er eigentlich innehat) und Devonte Upson, der darunter leidet, dass Ross «wildert» und die restlichen Mitspielern «hühnern» (oder umgekehrt), liegt.

Peinliche Wurfquote

Das Budget der Starwings ist bescheiden. Um konkurrenzfähiger zu sein, müsste man neue Mittel generieren. Aber man könnte auch Kosten sparen, denn was die vermeintlichen Schweizer Leistungsträger zeigten, war beschämend, zuletzt sogar peinlich. Ein Ex-U20-Nationalspieler wies eine Wurfquote von 1 zu 11 auf (davon sieben offene Dreier, von denen keiner auch nur im Ansatz erfolgreich war) – in keinem Land dieser Welt dürfte man mit dieser Quote (bei einer Spielzeit von notabene 42 Minuten) in der 1. Division spielen. Nicht in Gibraltar (die auch eine Stadtmeisterschaft austragen), nicht in Malta (wo Basket nur Freizeitbeschäftigung ist) und nicht im fernen Kirgisien, das erst vor wenigen Jahren mit dem Basket-Betrieb angefangen hat. Ein aktueller U20-Nationalspieler, der zu Saisonbeginn noch im Stammquintett auflief, war derart indisponiert, dass man wohl lieber zu viert gespielt hätte, als dieser sein «Können» zeigen durfte. Zu viert hätte es weniger Unheil gegeben…

Dass einige dieser Akteure aber noch mehr Spielzeit verlangen und schon jetzt (höhere) Forderungen, der finanziellen Art, an den Klub stellen, ist surreal. Und macht das Ganze grotesk. Vielleicht werden die «Wings» Achter bleiben und somit die Playoffs erreichen – die Vorstellung hiefür ist nach solchen Auftritten wie gegen Massag- no jedoch absurd. Je früher die Saison 2015/16 zu Ende geht, desto besser für alle. Für den Cheftrainer, der machtlos zusehen muss, wie eine gegnerische Equipe ohne Zweimeter-Mann sagenhafte 18 Offensivrebounds (Crockett liess sich alleine acht Offensivrebound notieren) holt. Für die Klubleitung, welche – ohne Playoffs – einen Monat mehr Zeit hat, die viel wichtigere Spielzeit 2016/17 vorzubereiten. Und dabei einen fünfstelligen Betrag an Gehältern spart… für Spieler, die ihren Beruf verfehlt haben oder nicht die Fähigkeiten mitbringen, um in der obersten Spielklasse zu spielen. Selbst in der bescheidenen Schweiz nicht! 

Starwings – SAM Massagno 84:93 (75:75; 42:34) nach Verlängerung

Sporthalle Birsfelden. – 392 Zuschauer. – SR: Michaelides/Hüsler/Bovard.

Starwings: Ross (20), Kostic (2), Fuchs (5), Burnatowski (25), Upson (31); Sager (1), Verga, Lutz; Malisanovic, Pavlovic.

Massagno: Magnani (9), Day (31), Bracelli, Andjelkovic (10), Crockett (33); Ishidou, Grüninger (8), Appavou, Savon (2), Kraljevic; Martino.

Bemerkungen : Starwings ohne Duspara (rekonvaleszent), Matter (Kreuzbandriss) und Wachsmuth (Auslandsaufenthalt). – Massagno ohne den Senegalesen Badji (Handverletzung) und Nationalspieler Varidel (verletzt). – Viertelsresultate: 25:13, 17:21 (42:34); 13:25 (55:59), 20:16 (75:75); 9:18 (84:93). – Mit fünf Fouls ausgeschieden: 36. Burnatowski, 45. Ross und 45. Upson! – Fouls: Starwings 23, Massagno 19.