Sm'Aesch Pfeffingen

Statt Titel zu holen, musste Tarah Wylie ausreisen und sich in Quarantäne begeben

Tarah Wylie am Rhein vor dem Basler Münster. Die Amerikanerin wird in die Schweiz zurück kommen.

Tarah Wylie am Rhein vor dem Basler Münster. Die Amerikanerin wird in die Schweiz zurück kommen.

Die 22-jährige Tarah Wylie berichtet aus der Isolation in Amerika über ihre kurze Zeit bei Sm’Aesch Pfeffingen und fehlende Geschenke für Freunde und Familie.

Am vergangenen Samstag hätte der Cupfinal stattfinden sollen. Und auch in der Liga wäre jetzt eigentlich Playoff-Final-Zeit. Nach zahlreichen zweiten Plätzen in der Vergangenheit, wollte sich Sm’Aesch Pfeffingen in diesem Jahr den ersten Titel der Vereinshistorie holen. Die Chancen waren besser denn je, auch dank Tarah Wylie. Die 22-jährige US-Amerikanerin wurde im Februar als Verstärkung verpflichtet. Doch aktuell befindet sie sich in Kalifornien in Quarantäne. Wegen dem Coronavirus heisst es für die Volleyballerin: Isolation statt Finals. Per E-Mail berichtet Tarah Wylie von ihren turbulenten letzten Tagen.

Das Team von Sm’Aesch Pfeffingen trainierte noch ganz normal, als die Gerüchte eines möglichen Saisonabbruchs immer lauter wurden. Doch dann kam der Entscheid, dass die Saison per sofort abgebrochen wird. «Es gab eine letzte Trainingseinheit und das wars», erinnert sich Tarah Wylie. «Es war enttäuschend, weil wir die Hoffnungen hatten, alles zu gewinnen. Aber wir wussten, dass es das Beste für die Gesundheit unserer Fans und des Teams ist.»

Da der Rückflug bereits zu Beginn ihres Aufenthalts für Anfang Mai gebucht war, wollte Tarah die übrige Zeit in der Schweiz noch geniessen. «Ich hatte noch die Möglichkeit, lange Spaziergänge zu machen und Schlösser zu besichtigen.» Doch als die USA und kurz darauf auch die Schweiz Reisebeschränkungen erliessen, entschied der Verein zusammen mit den Spielerinnen aus dem Ausland, dass sie so schnell wie möglich nach Hause sollen. «Dann ging alles sehr schnell. Nur das mit dem Flugbuchen war etwas kompliziert und brauchte etwas mehr Zeit als gedacht», sagt Wylie.

Auch die Verabschiedung fiel relativ kurz und knapp aus. «Alle, die nicht in der Schweiz wohnen, versuchten so schnell wie möglich nach Hause zu kommen», so die 22-Jährige. Obwohl Tarah Wylie nur ein paar Wochen da war, fühlte sie sich sichtlich wohl hier: «Das Team ist sehr besonders. Die Mädels sind wunderbar. Sie waren so einladend und haben mich auch immer gefragt, ob ich mit ihnen abhängen möchte», sagt die Volleyballerin bei einem persönlichen Treffen im März. Dadurch fühlte sich Wylie schneller als erhofft in der Schweiz zu Hause.

Durch ihre unkomplizierte, ein wenig tollpatschige Art wurde sie auch im Team direkt warm aufgenommen und war bestens integriert. «Manchmal bin ich ein kleiner Goofy. Mir passieren Dinge im Training, wie beispielsweise ein Stolpern beim Aufschlag. Dinge, die einer guten Volleyballerin nicht passieren sollten. Aber dann lachen wir alle darüber.»

Fast alleine im Flugzeug zurück in die Heimat

Kurz nach der Verabschiedung trat Tarah Wylie auch schon ihre Rückreise an. «Die Rückreise verlief problemlos. Ausser, dass ich den ersten Anschlussflug nach Los Angeles verpasst habe.» Wylie berichtet, dass nur der erste Flug aus der Schweiz noch voll besetzt war. Der nächste sei praktisch leer gewesen. Auch die Flughäfen waren sehr leer, nur wenige Läden hätten noch geöffnet gehabt.
Ein Versprechen konnte Tarah Wylie wegen der abrupten Abreise nicht einhalten. Eigentlich wollte die Schokoladen-Liebhaberin ihrer Familie und ihren Freunden einen Koffer voll Schweizer Schokolade mitbringen. «Zuhause in Amerika meinten alle, ich müsse ihnen unbedingt Schokolade bringen, wenn ich zurückkomme», sagte Wylie. Doch statt Schokolade gab es jetzt Quarantäne. Die Sportlerin entschied sich zum Schutz ihrer Familie und Freunde selbst für diese Massnahme.

Erst kurz an die Uni und dann zurück in die Schweiz

In Kalifornien herrschen zurzeit ähnliche Bedingungen wie in der Schweiz. «Wir bleiben zu Hause und können raus, um zu spazieren oder um einkaufen zu gehen», schreibt Tarah Wylie in ihrer E-Mail. Die ganze Situation beschäftigt die Volleyballerin sehr: «Wir sind alle involviert. Wir alle müssen uns an die Regeln halten und dabei helfen, der globalen Pandemie ein Ende zu setzen», sagt sie. Momentan bleibt Wylie die ganze Zeit zu Hause bei ihrer Familie in Kalifornien. «Hoffentlich wird der Lockdown bald beendet sein, dann werde ich im Sommer an meiner alten Universität Volleyballcamps für die Jungen leiten», sagt sie.

Dieser Universität hat Wylie nämlich Einiges zu verdanken. Ihr Weg zur professionellen Athletin begann an der religiösen Pepperdine University in Malibu Los-Angeles. Erst vor kurzem hatte sie dort ihren Bachelorabschluss in Sports Administration und Graphik Design gemacht. Einen Master kommt für die Volleyballerin aber nicht in Frage: «In der Schule war ich jetzt lange genug», meint Wylie. Nach der Coronazeit hat sie ganz andere Pläne: «Nach den Camps werde ich mich auf nächste Saison vorbereiten.» Diese wird sie zurück nach Aesch führen. Denn kurz vor ihrer Abreise aus der Schweiz unterschrieb Wylie einen Vertrag für die nächste Saison. Somit war der kurze und nervenaufreibende Aufenthalt in Aesch nicht der letzte. «Ich bin sehr glücklich und voller Erwartungen. Ich denke, die nächste Saison wird für den Klub sehr erfolgreich und für die Fans sehr spannend werden.»

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