Die Hüfte und der Kopf würden schmerzen, sagt er. Doch auch wenn die körperlichen Schmerzen zu sehen sind, sind es wohl doch eher die Geister in seinem Kopf, die mehr schmerzen. Denn Stocker weiss, was er in diesem Spitzenspiel geschafft hat. Oder besser nicht geschafft hat. Zwei Mal hatte er den Siegtreffer auf dem Fuss. Zwei Mal war er unfähig, diese hochkarätige Chance zu nutzen.

Es passt in das Bild, das Valentin Stocker seit seiner Rückkehr zum FC Basel in diesem Winter abgibt. Erst Ende letzter Woche sagte er in einem Interview selbstkritisch, dass er «zu viele falsche Entscheidungen» treffe. «Jetzt kommen mindestens noch zwei weitere dazu. Ganz klar», reflektiert er auch im Anschluss an dieses 2:2 des FC Basel gegen YB kritisch. Der Blick noch immer auf den Boden gerichtet. Nicht ein einziges Mal mag er aufschauen. Er weiss, wie bedeutend seine Aktionen sind. Sie hätten der letzte Strohhalm werden können in einer schier unmöglichen Aufholjagd, die spätestens jetzt als unmöglich erachtet werden kann.

Stocker ist enttäuscht von seiner Leistung

Stocker ist enttäuscht von seiner Leistung

Valentin Stocker hätte so etwas wie der Held werden können, der verantwortlich zeichnet für die Initialzündung in der Mission «YB abfangen». Bereits nach gut 50 Minuten hat er die Möglichkeit, ein Tor zu erzielen. Es wäre das 3:1 für die Basler und die Vorentscheidung gewesen. Sein Kopfball segelt jedoch am Tor vorbei. Aber es ist nicht diese Szene, die ihm Kopfschmerzen bereitet. Sondern die beiden Chancen in der 60. und der 82. Minute. «Bei der ersten muss ich es alleine versuchen, statt rüberzupassen. Bei der zweiten ist es eine technisch schlechte Annahme von mir.»

So ist Valentin Stocker der Depp dieses Spiels, nicht der Held. Auch das ahnte er, sprach in genanntem Interview davon, dass es logisch sei, dass bei einem Spieler mit seinem Namen und seiner Geschichte Druck auf ihm laste. Genau das ist einer der zentralen Punkte. In Basel ist man anderes von Valentin Stocker gewohnt. Man erinnert sich an diesen Spieler, der 2014 den FC Basel verlassen hat. Diesen Akteur, der die wichtigsten Partien für sich und seine Mannschaft entscheiden kann. Der immer dann kaltschnäuzig ist, wenn es am dringendsten gebraucht wird. Auch deshalb wird er in der ganzen Restschweiz gehasst.

Bern hat Stocker nicht vergessen

Vor allem in Bern, wo er auch an diesem Ostermontag bei jeder einzelnen Ballberührung lautstark ausgepfiffen wird. In der Hauptstadt haben sie nicht vergessen, was dieser Stocker einst angerichtet hat. 2008 erzielte er in der Finalissima gegen YB ein Tor, zwei Jahre später erzielte er nicht nur das 1:0, sondern bereitete auch noch das 2:0 vor und beendete erneut die Berner Titelträume.

Doch von diesem Valentin Stocker ist die heutige Ausgabe weit entfernt. Es ist bezeichnend, dass YB-Keeper Marco Wölfli, der 2008 und 2010 in den Duellen mit Stocker der Geschlagene war, nicht einmal einzugreifen braucht. Stocker schlägt sich an diesem Montag selbst. Sein Freund Fabian Frei will «dieses Unentschieden nicht an den beiden Szenen von Vali festmachen. Es ist absolut menschlich», sagt er. Stocker aber weiss genau, wie bedeutend diese beiden neu dazugekommenen falschen Entscheidungen auf einer immer länger werdenden Liste ebendieser Fehler sind. Sonst würde er kaum sagen, dass «es mir leidtut. Für die Mannschaft, die Fans, und alle, die mitgereist sind.»