Der legendäre holländische Showmaster Rudi Carrell liess einst in seinen Sendungen Zuschauer Lieder und Kunststücke zum Besten geben. Er kündigte die «Künstler» jeweils mit dem bekannten Spruch an: «Eben noch in der Werkstatt, jetzt auf unserer Showbühne!» Ähnlich könnte man dieser Tage Olivier Schäublin präsentieren: «Eben noch in der NLB, jetzt im NLA-Final!».

Der Anruf von Gottéron-Trainer Kossman

Der Captain des EHC Basel hat verrückte Wochen hinter sich. Im Januar war er mit den Baslern noch mitten in dem Kampf um die Playoff-Qualifikation involviert, als sich die Klubführung plötzlich entschied, die Saison frühzeitig abzuhaken und damit begann, die besten Spieler aus Kostengründen an andere Teams auszuleihen.

Schäublin hatte bald einmal Fribourg-Gottéron-Trainer Hans Kossmann am Telefon. Bei den Freiburgern herrschte Personalnot in der Abwehr. Schäublin packte seine Koffer und zügelte in die Saanestadt, wo er eine die schöne 4-Zimmer-Wohnung bezog, in welcher vorher NHL-Lockout-Gast David Desharnais gehaust hatte. Schäublin, der sonst in Basel wohnt, machte seine Zusage bei Fribourg auch davon abhängig, dass er vor Ort eine Bleibe erhält: «Ich wollte auf keinen Fall hin- und herfahren.»

«Ein super Erlebnis»

Mit «rauf und runter» liesse sich die aktuelle Gefühlslage des 35-Jährigen dafür am besten beschreiben. Den Wechsel vom absichtlich ambitionslosen B-Ligisten zum A-Ligisten, der ab kommendem Donnerstag um den Schweizer-Meister-Titel kämpfen wird, bezeichnet Olivier Schäublin als «surreal». Er hätte nicht gedacht, dass er in dieser Saison noch in der NLA zum Einsatz komme, «geschweige denn im Playoff-Final».

Die Stimmung in vollen Zügen geniessen

Nun geniesst er die Euphorie rund um den HC Fribourg-Gottéron in vollen Zügen. «Es ist ein super Erlebnis. Wir werden oft angesprochen, wenn wir uns in der Stadt bewegen. Zu den Trainings kommen oft 150 Leute, die Spiele sind immer ausverkauft, die Stimmung ist fantastisch.»

Hilfreich war für den Routinier, der in seiner langen Karriere mit dem EHC Basel auch schon zwei Saisons NLA-Luft geschnuppert hat, dass die Integration in die Mannschaft des Qualifikationssiegers problemlos verlief. «Ich fühle mich überhaupt nicht so, als ob ich erst frisch zum Team gestossen bin.»

Schnell an das höhere Niveau angepasst

Optimal war für Schäublin, dass er in den letzten fünf Quali-Spielen regelmässig zum Einsatz kam und sich somit schneller an das beträchtlich höhere Niveau anpassen konnte. «Es ist so, wie wenn man mit 200 km/h auf der Autobahn fahren würde. Am Anfang hat man das Gefühl, es sei wahnsinnig schnell. Aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran.» Er sagt aber auch: «Es ist mental eine rechte Belastung. Bei Basel bin ich ein Leistungsträger mit viel Eiszeit und Verantwortung. Bei Fribourg muss ich in den wenigen Einsätzen, die ich pro Spiel habe, meine Leistung bringen.»

Die Schowbühne ist reizvoller

Gut möglich, dass Olivier Schäublin Ende April, wenn beim EHC Basel das Sommertraining wieder beginnen wird, als frischgebackener Meisterspieler zu seinem normalen Arbeitgeber zurückkehren wird. Aber der EHCB hat, wie er zugibt, momentan in Schäublins Gedanken keinen Platz: «Ich bin voll auf Fribourg konzentriert.» Die Showbühne ist verständlicherweise reizvoller als die Werkstatt.