Die Strecke des IWB Basel Marathon ist anspruchsvoll. Scharfe Kurven wechseln sich auf den 42 Kilometern mit knackigen Steigungen – Stichwort Kohlenberg – ab. Deswegen sind absolute Top-Zeiten nicht möglich, deswegen fehlen absolute Top-Leute in der Startliste. Nur wenige Läufer werden die 3-Stunden-Marke unterbieten können.

Marathons in Städten auf der ganzen Welt

Einer der könnte, darf nicht. Sven Schär aus Basel ist als Tempomacher angestellt. Der Ausdauerathlet hat in diesem Jahr schon mehrere Marathons absolviert. Im März in Barcelona hat er eine Zeit von 2:55,38 Stunden erreicht. Dort ist er bereits zum zweiten Mal gestartet. Eine Premiere war für ihn der Start am Phuket-Marathon im Juni. «Die klimatischen Bedingungen waren extrem. Auf den letzten Kilometern hatte ich starke Krämpfe, aber ich hatte das Gefühl, dass es allen Teilnehmern so ging», sagt der 38-jährige Informatiker, der gerne Laufen und Ferien verbindet. Sein persönliches Highlight ist der Chicago-Marathon, weil dort die Zuschauer nicht nur zahlreich, sondern besonders frenetisch sind. Aber auch Städte wie Berlin oder Paris hat er schon von der Laufstrecke aus erkundet.

Weniger Rennen im nächsten Jahr

Neben Barcelona war in diesem Jahr der Swiss Alpine Marathon im Juni Schärs grosses Ziel. Auf der Marathonstrecke von Davos nach Bergün wurde er Dritter. «Das Podest war mein Ziel. Im nächsten Jahr würde ich gerne gewinnen», sagt Schär, der vor zwei Wochen auch noch am Powerman in Zofingen gestartet ist. Um im nächsten Jahr beim Alpin-Marathon ganz vorne zu sein, will er zum einen mit einem Coach zusammenarbeiten und zum anderen weniger Rennen bestreiten, um ausgeruhter zu sein.

Der Spitzenläufer als Orientierungshilfe

Morgen in Basel wird Sven Schär wohl nicht zuvorderst sein. «Ich denke, dass zwei, drei Läufer unter drei Stunden bleiben werden. Mein Job ist es, diese Marke genau zu treffen», sagt er. Gekennzeichnet mit einem speziellen Pacemaker-Shirt dient er Läufern, die sich die drei Stunden als Ziel gesetzt haben, als Orientierung. Diese soll Schär in einem möglichst regelmässigen Tempo über die Distanz führen.

«Der Marathon führt ja in zwei Runden quer durch die Stadt. Ich denke, dass wir die erste etwas schneller laufen werden», sagt der Basler, der diese Rolle zum zweiten Mal einnimmt. Unterwegs ist es auch seine Aufgabe die Mitläufer zu motivieren oder, falls ihm niemand folgen kann, zu entscheiden, ob er das Tempo allenfalls etwas nach hinten anpasst. Ganz alleine wird Schär bestimmt nicht sein. Ausser ihm hat auch noch Rainer Hauch aus Bottmingen die Aufgabe erhalten, das 3-Stunden-Tempo vorzugeben.

Optimale Vorbereitung als Tempomacher nötig

Dass die drei Stunden auch für Schär nicht nur eine Trainingseinheit sind, merkt man, wenn er über seine Vorbereitung spricht. Gestern war er in der Physiotherapie, heute stehen ein Spaziergang und ein 30-minütiges Footing auf dem Programm. Ansonsten geht er nur noch seine Startnummer abholen und ruht sich aus.

Ein Schlussspurt sei den Tempomachern übrigens verboten, sagt OK-Präsident Adrian Schlatter. Ihre Aufgabe sei es, die Zeit genau zu treffen. «Ich würde mitsprinten, das hilft ja auch dem anderen Läufer zu einer besseren Zeit», sagt Schär. Ein Angriff will also wohl überlegt sein.