Leichtathletik
Tabubruch auf der Schützenmatte

47 Mal war das Susanne Meier Memorial des LC Basel ein reines Frauenmeeting, am gestrigen Pfingstmontag waren erstmals auch Männer am Start. Und die sorgten gleich für einen Paukenschlag, denn der 100-Meter-Lauf war erstklassig besetzt.

Rolf Spriessler-Brander
Merken
Drucken
Teilen
Pfingstmeeting: Tabubruch auf der Schützenmatte
5 Bilder
400 Meter der Frauen, vorne Siegerin Martins Dessica von Stade Geneve
1500-Meter-Lauf der Maenner
Sven Tanowski vom LC Basel
800-Meter-Lauf der Maenner

Pfingstmeeting: Tabubruch auf der Schützenmatte

Juri Junkov

Im zweiten Lauf Mitte Nachmittag traf beinahe die gesamte Schweizer Sprintelite aufeinander. Es siegte bei Gegenwind der Saisonbeste Reto Amaru Schenkel (LC Zürich), der Anfang Nachmittag bei besserem Wind 10,46 Sekunden gelaufen war, vor dem Genfer Pascal Mancini und dem 200-Meter-Saisonbesten Alex Wilson (Old Boys), der auf 10,68 Sekunden kam. Wilson, der die Schweiz am kommenden Wochenende an der Team-Europameisterschaft in Izmir (Türkei) über 200 Meter vertreten wird, war mit seinem Auftritt gar nicht zufrieden. Auf den ersten Metern habe er das Rennen verloren, das sei ganz schlecht gewesen. Trainer Christian Oberer nahm es gelassen: «Wir haben diesen Wettkampf nicht speziell vorbereitet. Über 200 Meter bist du stärker», beruhigte er seinen Schützling. Der für den LC Basel startende Deutsche Sven Tanowski gewann mit 2,15 Metern die Hochsprungkonkurrenz.

Schweizer Rekord

Für die ganz grossen Höhepunkte des Meetings sorgten trotz allem die Frauen. Die Luzernerin Nicole Zihlmann verbesserte den Hammerwurf-Schweizer-Rekord von Céline Neuenschwander um fast einen Meter auf 59,98 Meter. Einen Wurf deutlich über 60 Meter traut sie sich zu – was durchaus realistisch ist, denn ihr Rekordwurf war technisch noch nicht perfekt. Einen zweiten Schweizer Rekord verpasste die Stabhochspringerin Nicole Büchler (ST Bern) nur knapp. Nachdem sie mit 4,40 Metern die B-Limite für die WM in Daegu geschafft hatte, liess sie sich die Rekordhöhe von 4,51 Metern auflegen und scheiterte im dritten Versuch nur hauchdünn. Ihr nächstes Ziel sind nun die 4,50 Meter. Das entspricht der WM-A-Limite und das würde bedeuten, dass ihre Berner Klubkameradin Anna Katharina Schmid, die in Basel bei ihrem Saisondebüt mit 4,20 Metern die Limiten für die U23-EM und die Universiade erfüllte, für die WM nur die B-Limite erfüllen müsste. Bei den Männern gewann der für den ST Bern startende Amerikaner Mitch Greeley mit starken 5,30 Metern vor dem Arlesheimer Marquis Richards, der 5,00 Meter meisterte.

Meetingchef Bruno Marelli war mit der Premiere als gemischtes Meeting zufrieden. «Wir haben seit Jahren beobachtet, dass die Beteiligung zurückging und das Niveau in der Frauenleichtathletik sank. Deshalb sind wir aktiv geworden und haben in Zusammenarbeit mit Swiss Athletics und in Partnerschaft mit dem Meeting in Zofingen, das bisher den Männern vorbehalten war, eine neue Lösung gefunden», sagte er. Er habe einen stimmungsvollen Wettkampf mit mehr Höhepunkten als bisher gesehen und sei deshalb sehr zufrieden.