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Tim Katnawatos – Trotz Übergewicht ist der Mann eine Macht im Fussball

So gross der Fan-Widerstand gegen das E-Sports-Engagement des FCB, so erfolgreich sind seine Profis. Gar bald zu erfolgreich, um sie halten zu können?

Sébastian Lavoyer
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Tim Katnawatos überzeugt mit dem Kontroller in der Hand.

Tim Katnawatos überzeugt mit dem Kontroller in der Hand.

HO

Ein Vorbild?, das dürften sich viele FCB-Fans fragen, wenn sie Tim Katnawatos zu Gesicht bekommen. Bei einer Grösse von 1,82 Meter bringt er 102 Kilogramm auf die Waage. Das findet heraus, so steht es auf der FCB-Homepage unter «Persönlich». Nebst der Info, dass der 19-Jährige aus dem knapp 300 Kilometer nördlich gelegenen Wiesbaden kommt. Nein, ein Modellathlet ist er nicht, der Mann, der bei seinen Fans bloss als «The StrXnger» bekannt ist. Aber wer, bitte schön, ist perfekt?

Trotz Übergewicht ist der Mann eine Macht im Fussball. Wohl gemerkt im virtuellen Fussball. Im «Fifa 18» hat er im Frühling die virtuelle Bundesliga für sich entschieden, im vergangenen Dezember die ESL-Meisterschaft. Und unlängst hat er sich als einer von 32 Spieler für den Final des Fifa eWorld Cup 2018 qualifiziert. Mehr als 20 Millionen Zocker haben sich daran versucht, Katnawatos hats gepackt. Und auf dem Weg dahin auch gleich noch seinen FCB-Klubkollegen, Florian «Cody der Finisher» Müller, ausgeschaltet. FCB-Präsident Bernhard Burgener wird, sobald das Gespräch auf das heiss diskutierte Thema E-Sports kommt, nicht müde, die Erfolge seiner Spieler zu betonen. Erfolge freilich, die in der Szene nicht unbemerkt bleiben.

Fliessen bald Millionen?

Schon heute seien rund 100 Fussballklubs im E-Sports aktiv, schätzt E-Sports-Experte Daniel Luther. Zwischen 15 und 30 Spieler anständig leben, sagt er ausserdem. Dazu gehören auch die beiden Basler Vollprofis Müller und Katnawatos. Wie viel diese Spieler verdienen, dazu schweigt man sich aus. Richtig dicke Löhne gibts im «Fifa» noch nicht. Wo es hingehen könnte, sieht man bei Spielen wie «League of Legends» oder «Counterstrike»: Dort kassieren die Besten zwischen 25 000 und 30 000 Euro im Monat. Für Topspieler werden Ablösesummen zwischen einer halben und einer ganzen Million bezahlt.

Klar ist, dass auch im «Fifa» immer mehr Geld fliesst. Bei der WM strich der Sieger letztes Jahr 200 000 US-Dollar. Schon bald könnte das Preisgeld die Millionen-Grenze knacken, so Experten. Denn E-Sports boomt. Immer mehr Ligen verlangen von ihren Klubs, dass sie auch ein virtuelles Team stellen und koppeln an die realen Meisterschaften digitale Pendants. So professionalisiert sich alles, die Löhne der Besten werden steigen, irgendwann werden wohl auch Ablösen bezahlt.

Keine Infos zum Verhandlungsstand

Wie es mit Topshot Katnawatos weitergeht, ist noch nicht klar. Auf Anfrage der «Schweiz am Wochenende» lässt Joachim Reuter, Leiter E-Sports beim FCB, mitteilen: «Wir planen mit Tim und mit Florian in die neue Saison zu gehen.» Wie weit die Verhandlungen sind, dazu gibt es keine Informationen. Auch nicht, ob man sie nun vor der absehbaren weiteren Entwicklung und der abgeschlossenen Testphase längerfristig binden will.

Das kann Sinn machen, birgt aber auch Risiken. Denn mit jeder neuen «Fifa»-Version werden die Karten neu gemischt. Wobei klar bessere Karten hat, wer sich täglich intensiv damit beschäftigen kann. Und letztlich spielt auch im E-Sport der Kopf eine wichtige Rolle. Vergangene Erfolge geben Selbstvertrauen. So gesehen, haben sowohl Katnawatos als auch Müller gewichtige Argumente in den Verhandlungen mit dem FCB.

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