Schwer zu finden ist Cédric Tschanz im Trainingsort in Muttenz wahrlich nicht. Wenn man die Ohren spitzt, hört man die Tischtennisbälle hin und her hüpfen. So schnell, dass das blosse Auge fast nicht mitkommt. Dass Cédric eine spezielle Schlagtechnik hat, fällt sofort auf. Schnell gewöhnt man sich an das Ping-Pong-Geräusch der Bälle.

«Kalt, nicht?», sagt der 18-jährige Cédric zur Begrüssung. Tatsächlich ist es auch im Trainingsraum sehr kühl. Das hindere ihn aber nicht beim Trainieren: «Man muss sich eben mehr aufwärmen», sagt Tschanz scherzend. Ihm beim Spielen zuzuschauen, hat etwas Lebendiges. «Es ist ein schneller Sport, der viel mehr braucht, als es scheint», erklärt Tschanz. Zum Beispiel braucht man sehr viel Training. «20 Stunden die Woche», zählt er auf.

Das könne aber auch variieren. Es hänge davon ab, ob er am Wochenende einen Wettkampf habe oder nicht. Da Tschanz mit seinem Team TTC Rio-Star Muttenz in der höchsten Spielklasse NLA antritt, finden die Matches an sieben Wochenenden im Jahr statt.

Nur zufällig zum Sport gefunden

Obwohl Tischtennis in erster Linie ein Einzelsport ist, spielt man doch in einem Team. Es sind immer drei Spieler, die in drei Partien gegen ihre Gegner antreten. Ebenso wird ein Doppel gespielt. Wer zuerst sechs Punkte erreicht, gewinnt als Team. Es ist Tschanz’ erste Saison in der NLA, glänzen konnte er bereits: Er heimste als Neuling zehn Siege ein und verlor nur sechs Mal. «Momentan stehen wir auf Rang 3», sagt Tschanz. Als Einzelspieler ist er sogar die Nummer 7 im Ranking der Schweizer Spieler, von denen immerhin 2000 lizenziert sind.

Seine Erfolge betrachtend, könnte man meinen, dass er nie etwas anderes gemacht hat. In Wahrheit ist Tschanz jedoch spät und nur durch einen Zufall zum Tischtennis gekommen. «Eigentlich habe ich Tennis gespielt», erklärt er. Dann habe er im Alter von 11 Jahren eine Dokumentation über Tischtennis gesehen, was ihn so sehr faszinierte, dass er eine Probewoche startete. «Ich war sofort angefressen», schwärmt er.

Danach ging es Schlag auf Schlag. «Früh fing ich an, viel zu trainieren, um alles Verpasste nachzuholen», sagt Tschanz. Bald war er auch schon im Regionalkader: Gut zu werden sei der wenigen Konkurrenz wegen zwar leichter als in anderen Sportarten, jedoch habe er auch «erst Leute besiegen müssen» um dort zu stehen, wo er heute ist. Mit 15 Jahren kam der nächste wichtige Schritt: das Sportgymnasium.

«Der Sport bleibt Nummer eins»

Cédric Tschanz geht auf das Sportgymnasium in Liestal. Das sei ein «Riesen-Vorteil», da es ihm als Sportler sehr viel ermögliche: Training wie auch Absenzen. «Als Sportler muss man viel reisen und das bedeutet, dass man nicht immer in den Unterricht gehen kann», erklärt Tschanz. Die Liebe zum Reisen sei auch der Grund, warum er sich für den schulischen Schwerpunkt Spanisch entschieden habe.

Was die Zukunft anbelangt, wolle er sich zunächst komplett auf das Tischtennis konzentrieren, um dann davon leben zu können. Ein Sportstudium könne er sich aber durchaus vorstellen. «Mal sehen, was die Zukunft bringt. Der Sport bleibt aber Nummer eins», betont Tschanz.
Schulabsenzen sind für den jungen Sportler Alltag: «Ich war drei Monate in China», sagt er. Das habe ihm sehr viel gebracht, da er dort mit den «allerbesten» Trainern arbeiten konnte.

Immerhin ist China die Nummer 1 im Tischtennis: «Die chinesischen Spieler trainieren von klein auf 6 bis 8 Stunden am Tag». Das sei ein erheblicher Unterschied zu Europa, auch was die Schule anbelange: «Wenn in China die sportlichen Leistungen stimmen», sagt Tschanz, «muss man in der Schule nicht unbedingt viel machen.»

Viel machen musste er auch, um das zu erreichen, was er erreicht hat. Wozu unter anderem der dritte Platz an der Schweizer U18-Meisterschaft zählt, wie auch diverse Teilnahmen an Europameisterschaften. Aber der Weg soll noch lange nicht enden: «Mein grösstes Ziel sind natürlich die Olympischen Spiele», sagt Tschanz. Tokio 2020 sei unrealistisch, weil er noch nicht zu den Allerbesten der Schweiz zähle. Die Olympischen Spiele 2024 in Paris seien aber machbar: «Ich muss nur genauso weitermachen wie bis jetzt, dann klappt das auf jeden Fall».