Mit Beeindruckendem, Faszinierendem wartet Triathletin Daniela Ryf weiter auf. Letztes Jahr hatte die als exzellente Halbironman-Spezialistin (70.3) auf der ganzen Ironman-Distanz (3,9 km Schwimmen, 180 km Velo und 42,2 km Laufen) für Furore gesorgt: als Spontansiegerin – am Tag vor dem Rennen meldete sie sich an – des Ironman Switzerland und drei Monate danach zur Beinahe-Hawaii-Königin – erst auf den letzten Kilometern musste sie als Hawaii-Rookie Mirinda Carfrae den Vortritt überlassen.

Im Jahr zwei der Langstreckentriathletin Daniela Ryf – zuvor war sie jahrelang auf der olympischen Distanz unter den Weltbesten, unter anderem Olympia-Siebte – ist es in ähnlichem Stil weitergegangen. Von Sieg zu Sieg läuft sie. Doch inzwischen hat sich bei der 28-Jährigen ein zusätzlicher Hunger bemerkbar gemacht: Seit dem Langdistanz-Weltmeistertitel Mitte Juli in Wiesbaden (D) hat sie kein Rennen mehr bestritten. «Angry Bird», ihr Übername, passt hervorragend zur aktuellen Situation.

In Topform

Und ihr momentanes Befinden liefert ihr nicht nur die notwendige Spannung, sondern auch Gelassenheit. «Ich habe im Engadin ausgezeichnet trainiert», sagt sie. In der Gruppe ihres Erfolgscoaches Brett Sutton – er leitet auch Olympiasiegerin Nicola Spirig an – gönnte sie sich nach dem EM-Titel eine Woche zur Regeneration. Sodann forderte sie sich sehr hart und sehr umfangreich. In eine Form hat sie sich so gebracht, die ihr sowohl die Ausdauerbasis wie die Schnelligkeit für einen erfolgreichen Herbst liefern dürfte.

Wichtige Prüfungen nennt Ryf mehrere. Die erste ist die 70.3-Weltmeisterschaft von morgen Sonntag im österreichischen Zell am See. «Ich will ein starkes Rennen zeigen», sagt sie. Vom Sieg spricht sie indirekt, weil sie zum einen ihren Titel aus dem Vorjahr verteidigen möchte.

Ebenso reizt sie aber die sogenannte «Tripple Crown». Eine Million Dollar ist zusätzlich zu den jeweiligen Preisgeldern ausgesetzt für die Person, welche die drei Rennen von Dubai Anfang Jahr, das nun folgende in Zell sowie die Bahrain Challenge Mitte November gewinnt. Dubai hat sie gewonnen. Jetzt sagt sie: «Ich sehe gute Chancen», sagt sie, «zumal der WM-Kurs auf mich zugeschnitten scheint.» Als beste Radfahrerin im Feld schreckt sie der anspruchsvolle Parcours mit einem 700-m-Aufstieg über 12 km nicht ab. «Der fordert, ich freue mich», sagt sie.

Hawaii-Vorbereitung in Südkorea

Direkt nach diesem Wochenende wird sie in die unmittelbare Vorbereitung auf den letzten Saisonhöhepunkt einsteigen: den Triathlon aller Triathlons, den Ironman Hawaii sowie das letzte Crown-Rennen. Dazu fliegt sie mit zahlreichen weiteren Trainingsgruppen-Mitgliedern nach Südkorea. «Hitzeakklimatisation», nennt sie dies.

Viereinhalb Wochen dauert dieser neue Reiz. Ihre Ansage ist konkret: «Hawaii ist das wichtigste Rennen des Jahres. Meine Motivation ist riesig. Ich will und werde dort schneller sein als beim Debüt.» Und dann, so lässt sich schliessen, könnte ihr zweiter Spitzname in voller Blüte zum Tragen kommen: Stella.