Marco Schmid muss nicht lange überlegen. Für das grosse Cup-Spiel gegen den FC Sion kommt sein Traumszenario wie aus der Pistole geschossen. «Wir führen mit 1:0, und in der 95. Minute fische ich den letzten Schuss aus der Ecke», sagt der Torhüter des FC Allschwil. Mit diesem Traum ist der Basler nicht allein. Heute und am Samstag wollen auch seine Torhüter-Kollegen Steven Oberle und Emre Sahin einen Superligisten zur Verzweiflung bringen.

Sahin empfängt mit Concordia Basel den FC Lugano, Oberle trifft mit seinen Black Stars auf den FC Zürich. Beim Cup-Duell David gegen Goliath sind die Torhüter besonders unter Beschuss. Sie sind es, die ihre Mannschaft mit spektakulären Paraden möglichst lange von der Sensation träumen lassen sollen. Doch natürlich besteht auch die Gefahr, abgeschossen zu werden.

Albträume haben Schmid, Oberle und Sahin aber nicht. «Hat man Angst, hat man bereits vor dem Spiel verloren», erklärt Sahin, der mit seinen 18 Jahren der mit Abstand jüngste der drei Torhüter ist. «Ich gehe nicht in das Spiel und hoffe, dass ich keinen Fehler mache. Meine Hoffnung ist, dass ein Sion-Spieler wie Pajtim Kasami vor mit auftaucht und ich dessen Schuss pariere», sagt Schmid. Für diesen Fall ist er vorbereitet: «Ich habe im Fernsehen das Tor von Kasami gegen den FC Zürich analysiert und mir überlegt, was FCZ-Torhüter Yanick Brecher nicht gut gemacht hat.»

Einer hat beinahe einmal den FC Basel rausgeworfen

Die Ausgangslage vor dem Cup-Highlight ist für die Torhüter unterschiedlich. Oberle blickt bereits auf eine umfangreiche Cup-Erfahrung zurück. Vor sechs Jahren zwang er etwa als Schlussmann der Old Boys den FC Basel in die Verlängerung. Sahin verfügt als junger Torhüter nicht über diese Cup-Erfahrung und duelliert sich zudem mit Torhüterkollege Armend Jusufi um einen Startplatz gegen Lugano.

Während der Cup für die Black Stars und Concordia kein Neuland ist, betritt der FC Allschwil erstmals seit dem Jahr 1980 wieder die grosse Bühne des Schweizer Fussballs. «Unser Verein lechzt nach dem Cup. Seit Wochen wird bei uns nur noch über das Spiel gegen Sion gesprochen», sagt Schmid. An eine normale Vorbereitung ist da nicht zu denken. Am Mittwoch half die Mannschaft beim Aufbau der Zuschauertribüne, anstatt auf dem Rasen zu trainieren.

Trotz der grossen Bühne verspüren die Torhüter im Cup nicht mehr Druck. «Rein rational überlegt habe ich in einem Meisterschaftsspiel gegen Binningen mehr Druck, weil wir ein solches Spiel gewinnen müssen. Gegen Sion erwartet hingegen jeder, dass wir verlieren», so Schmid. Zu verlieren gibt es bei einem solchen Spiel sowieso nichts: «Auch wenn du als Torhüter zehn Kisten kassierst und zwei davon noch verschuldest, macht dir am Ende keiner einen Vorwurf.»

Während der FC Allschwil aus der 2. Liga inter als krasser Aussenseiter in das Duell gegen Sion steigt, stehen die Chancen bei den Black Stars wesentlich besser. Als Vertreter der Promotion League ist der Unterschied zum FCZ nicht ganz so gross. Ein Duell gegen einen Superligisten ist zwar auch für den erfahrenen Oberle speziell, eine besondere Vorbereitung absolviert er aber nicht: «Ich fühle mich gegen den FCZ gleich wie in den Meisterschaftsspielen. Der einzige Unterschied ist, dass es mehr Zuschauer hat wie üblich.»

Das Ziel der Aussenseiter lautet: nächste Runde

Auf dem Rasen bekommen es die drei Torhüter mit einer anderen Qualität an Spielern zu tun als in der Liga. «Die Bälle von den Superligisten haben mehr Zug, gerade auch bei Standards», sagt Oberle. Zudem seien sie physisch deutlich überlegen. Auch Schmid sieht für sich als Torhüter in der körperlichen Stärke der Profis eine grosse Schwierigkeit: «Mir ist bewusst, dass es bei Eckbällen knallen kann.» Deshalb sei es wichtig, die erste Flanke sauber festzuhalten. So will Schmid den Spielern aus Sion beweisen, dass er trotz seiner für einen Torhüter kleinen Körpergrösse Sicherheit ausstrahlt. «Sion wird aber kaum so viel Respekt haben, nur weil ich einen Ball festhalten konnte», gibt er gleich zu Bedenken.

Obgleich die Basler Amateurvereine krasse Aussenseiter sind, rechnen sich die drei Torhüter für das Cup-Spiel durchaus Chancen aus. Sahin stapelt am tiefsten: «Wir wollen möglichst lange zu null spielen und ein Tor erzielen.» Die anderen beiden Torhüter denken bereits weiter. «Wir gehen aufs Feld und wollen Sion schlagen», sagt Schmid. «Wenn man diesen Ehrgeiz nicht hat, kannst du gleich aufhören», ergänzt Oberle. Trotz den Ambitionen wollen sie aber das Spiel auch geniessen und die Stimmung aufsaugen. «Es ist wichtig, dass man sich nicht verrückt machen lässt. Die Devise ist, einfach locker zu bleiben», rät Oberle. Und sollte es mit einem Sieg gegen den Superligisten nicht klappen, ist dennoch nicht alles verloren. «Vielleicht sind wir in der dritten Halbzeit besser», sagt Schmid lachend.