Sechs Tore in einem Match bieten in der Regel genug Material für Diskussionen. Das war auch nach dem Basler Derby der Fall. Dabei stachen vor allem drei Protagonisten heraus, zwei „offensichtliche“ und ein ungewohnter.

Auf Seiten des FC Basel U21 war Daniele Vesco der Mann des Spiels. Der 17-Jährige erzielte in seinem zweiten Match auf Promotion-League-Stufe sämtliche drei Treffer des Heimteams. Bei den Old Boys gehörte die Hauptrolle Pascal Rietmann. Ihm gelangen zwar „nur“ zwei Tore, dafür nahm der grossgewachsene Stürmer dank energischem Forechecking FCB-Keeper Josef Pukaj in der 59. Minute den Ball ab und lieferte den mustergültigen Assist zu Artan Shillovas zwischenzeitlichem 2:2-Ausgleich.

Zwei Mitspieler ausgenockt

Dritte „Hauptfigur“ einer sehr unterhaltsamen Partie war OB-Goalie Niklas Lindenthal. Dieser verschuldete zwar kein Gegentor, sorgte aber dafür, dass seine beiden Innenverteidiger das Feld vorzeitig verlassen mussten. Die Szenen in der 41. und 82. Minute waren nahezu identisch: Nach einem hohen Ball in den Strafraum räumte Lindenthal mit beiden Fäusten nicht nur das Spielgerät sondern auch seinen Mitspieler mit voller Wucht aus dem Weg. „Das hat er nicht gut gemacht. Er hätte rufen müssen, die Verteidiger hatten keine Chance“, tadelte Trainer Aziz Sayilir. 

Während Dugagjin Dedaj das Feld immerhin selbst verlassen konnte, musste Janic Cucinelli nach kurzer Rückkehr auf den Platz mit der Bahre von selbigem getragen werden. Weil das Wechselkontingent der Gelbschwarzen bei Cucinellis Ausfall ausgeschöpft war, musste der Aussenseiter in Unterzahl zu Ende spielen, fing sich aber in der mit fünf Minuten viel zu kurz bemessenen Nachspielzeit aber keinen weiteren Gegentreffer ein. „Vielleicht war der Schiri genauso müde wie alle Spieler“, witzelte Sayilir, der gestand, „dass ich mich über acht Minuten nicht beschwert hätte“.

Fünf Akteure aus dem Eins

Nicht zu Spässen aufgelegt war dagegen Arjan Peço. „Diesen Match müssen wir einfach gewinnen“, fand der FCB-U21-Trainer. Besonders ärgerte sich der albanische Ex-Internationale über das Defensivverhalten seiner Equipe: „Alle drei Gegentore waren vermeidbar!“ Neben Pukajs mangelnder Handlungsschnelligkeit beim 2:2, hatten die Rotblauen beim 1:0 und 3:3 trotz personeller Überzahl in der Luft das Nachsehen gegen „Kopfballungeheuer“ Rietmann gehabt.

Mit elf gegen zehn suchte das Heimteam mit fünf nominellen Stürmern das 4:3, kam aber zu keiner echten Möglichkeit mehr. „Der Gegner hat das auch gut gemacht“, meinte Peço anerkennend. Den Vorwurf, seine mit fünf Akteuren aus dem Kader ersten Mannschaft besetzte Truppe hätte in Führung liegend zu genügsam gespielt, wies er zurück. „Es war sehr heiss, deshalb war das Tempo nicht so hoch.“

Aziz Sayilir erzählte derweil, dass er in der Pause eine andere Körpersprache verlangt hatte. „Wir wollten dem FCB zeigen, dass wir in jeder Situation parat sind.“ Die Umsetzung gelang, von der besten Saisonleistung wollte der OB-Trainer aber nicht sprechen. „Wir waren in jedem Match auf Augenhöhe mit dem Gegner, hatten aber nicht immer das nötige Spielglück.“