Beachsoccer
Trainer-Tausendsassa will seine Karriere an der WM auf den Bahamas krönen

Die Schweizer Beachsoccer-Auswahl trifft an der WM auf den Bahamas im Viertelfinal auf den Iran. Nationaltrainer Angelo Schirinzi möchte mit seiner Mannschaft in den nächsten Tagen Geschichte schreiben. Die Ausgangslage ist reizvoll.

Fabian Ruch
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Vorausblickend: Angelo Schirinzi und seine Mannschaft treffen im Viertelfinal auf den Iran.

Vorausblickend: Angelo Schirinzi und seine Mannschaft treffen im Viertelfinal auf den Iran.

EQIMAGES

Die Szene spielt am Traumstrand vor dem gigantischen Atlantis-Hotelkomplex auf den Bahamas. Die Schweizer Beachsoccer-Nationalmannschaft bestreitet ihr Training nach Abschluss der Vorrunde, die Stimmung ist locker nach den drei Siegen auf dem Weg zu Rang 1 in der Gruppe A.

Trainer Angelo Schirinzi lacht viel, seine Sprüche sorgen für Unterhaltung. Er trainiert mit, kein Gramm Fett ist am durchtrainierten Körper zu erkennen, der 44-Jährige könnte zwar der Vater von einigen seiner Akteure sein, sieht aber nicht wirklich älter aus als die meisten Spieler.

Mister Beachsoccer

Angelo Schirinzi ist «Mister Beachsoccer». Und zwar nicht nur in der Schweiz. Sondern auf der ganzen Welt. An der WM in Nassau, wo sich die globale Sandfussballerfamilie gerade trifft, kennt er jeden, alle wollen mit ihm sprechen. Und was am feinen Strand im Sand unter praller Sonne auf den ersten Blick wie Aktivferien aussieht, ist das Resultat harter Arbeit. Seit bald zwei Jahrzehnten orchestriert Schirinzi mit Besessenheit den Aufschwung des helvetischen Beachsoccers.

Tolle Haare: Schirinzi als Spieler 2005.

Tolle Haare: Schirinzi als Spieler 2005.

Keystone

Er ist international anerkannt, schreibt offizielle Fifa-Bücher, gibt Lehrkurse auf allen Kontinenten, etwa auf Tahiti, in Russland und Paraguay oder auf den Bahamas, das wichtigste Projekt des Tausendsassas ist aber immer noch die Schweizer Auswahl. «Wir haben eine gute Vorrunde gespielt», sagt er nach den Siegen gegen Gastgeber Bahamas (3:2), Ecuador (9:5) und Senegal (6:6 nach Verlängerung, 3:1 im Penaltyschiessen). «Aber wir wollen und können mehr, wir haben erst unser Minimalziel erreicht.»

Die zwei Topstürmer

Im Viertelfinal heute trifft die Schweiz auf den Iran, und natürlich war Schirinzi auch dort bereits einmal zu Ausbildungszwecken. 2001 war das, und ein wenig neidvoll blickt der Basler auf die Entwicklung im Riesenland. «Im Iran sind die besten Beachsoccerspieler richtige Stars», sagt er, «und dem Verband steht deutlich mehr Geld als uns zur Verfügung.»

Rund 15 Millionen Menschen verfolgten im Iran am Montag das letzte Vorrundenspiel gegen Nigeria, als sich der Favorit erst im Penaltyschiessen den Vorstoss in die Viertelfinals sicherte. «Iran spielt bisher an dieser WM sicher weit unter den Möglichkeiten», sagt Schirinzi, «aber wir wissen um die Stärke des Teams.»

Ein 50:50-Spiel erwartet er im Viertelfinal, und natürlich setzt er in der Offensive vor allem auf das überragende Sturmduo von Weltklasseformat aus dem Aargau. Routinier Dejan Stankovic und Youngster Noel Ott zählen zu den 5 bis 10 stärksten Sandfussballer weltweit. Gegen Senegal leistete es sich Schirinzi, den flinken Ott zu schonen, weil dieser bei einer weiteren Verwarnung im Viertelfinal gesperrt gewesen wäre.

So sehenswert schiesst Stankovic ein Tor:

«Der Poker ging zum Glück auf», sagt Schirinzi. Die Schweizer hätten lieber mit Ott als Gruppenzweiter gegen das starke Italien gespielt als ohne Ott gegen den Iran. Angelo Schirinzi ist ein akribischer Planer, und derzeit sieht es im WM-Fahrplan ausgezeichnet aus. Die Topfavoriten Brasilien, Portugal und Italien stehen alle in der anderen Tableauhälfte, im Halbfinal würde auf die Schweiz der Sieger der Partie zwischen Paraguay und Tahiti warten. «Das sieht alles gut aus», sagt Schirinzi, «aber wir denken jetzt nicht an den Halbfinal oder weiter. Sonst verlieren wir gegen den Iran garantiert.»

Geschichte schreiben

Selbst wenn Angelo Schirinzi stets freundlich und optimistisch wirkt, kann er durchaus mit Strenge und Autorität führen, wenn es sein muss. So hat er einige Akteure im Nationalteam ausgemustert, weil diese zu divenhaft unterwegs waren. Nun stehen ihm vielleicht nicht alle besten Schweizer Spieler zur Verfügung. Aber die beste Mannschaft. So sagt er es. Und diesen Teamgedanken lebt er vor.

«Wir können hier auf den Bahamas Geschichte schreiben», sagt der Coach, der in Nassau von seiner Frau und drei von vier Töchtern begleitet wird. 2009 stand er bereits einmal, eher überraschend, in einem WM-Final, damals verlor die Schweiz gegen Brasilien, auch auf Sand Rekordweltmeister. Nun, acht Jahre später, könnte Schirinzi seine beeindruckende Trainerkarriere auf den Bahamas krönen.