Die Überraschung vor dem Anpfiff auf der Lausanner Pontaise war gross. FCB-Trainer Urs Fischer hat gegen den Aufsteiger das System verändert. Statt des gewohnten 4-2-3-1 spielt der FC Basel gegen den Aufsteiger mit Dreierabwehr, variablem Fünfermittelfeld und Doppelspitze. Ähnlich wie Lausanne das seit geraumer Zeit spielt.

Doch nicht etwa Lausanne war der Grund für Fischers plötzlichen System-Wandel: Der FCB-Coach möchte den immer wiederkehrenden Vorwurf der Berechenbarkeit abschütteln. Er hat erkannt, dass international – anders als in der Super League, wo sich die spielerische Klasse des FCB selbst an schlechten Tagen am Ende durchsetzt – taktische Kniffe über Sieg oder Niederlage entscheiden.

«Man muss heute flexibel sein. Aufgrund der vielen Spiele ist so etwas im Training kaum einzuüben. Das heute war ein Versuch. Je länger das Spiel gedauert hat, desto besser haben wir uns auch im neuen System zurechtgefunden», argumentiert Fischer, der deswegen auch trotz der sichtlichen Schwierigkeiten seiner Mannschaft in Lausanne das System über die kompletten 90 Minuten beibehielt.

Auf den Spuren von Guardiola

Vorbilder für die funktionierende Dreierkette gibt es zur Genüge. Juventus Turin oder die italienische Nationalmannschaft waren die Ersten, die regelmässig im 3-5-2-System spielten. Mittlerweile ziehen immer mehr Mannschaften nach. Auch im Repertoire des wohl prägendsten Taktikers des letzten Jahrzehnts, Pep Guardiola, darf die Dreierabwehr nicht fehlen. So überraschte der Ex-Bayern-Trainer im letzten Oktober Borussia Dortmund mit der ungewohnten Abwehrformation und gewann mit 5:1.

Auch wenn der FC Basel am Mittwoch im neuen System nicht zu überzeugen wusste, die Lausanne-Offensive die Basler Dreierkette um Lang, Suchy und Balanta mehrfach schwindlig spielte und sich auch trotz Fünfermittelfeld im Zentrum unfassbar grosse Räume boten: Das Experiment unter Wettkampfbedingungen als gescheitert zu betrachten wäre falsch. Denn ein Experiment ist dazu da, Erkenntnisse für die Zukunft zu gewinnen.

«Der Mix aus Aussenverteidiger und Flügelstürmer war schwierig für mich. Aber ich muss das spielen können. Darum war das Spiel heute gut, um dies zu üben», sagt auch Renato Steffen, der mit der neuen Rolle sichtlich zu kämpfen hatte, offensiv erst in der Nachspielzeit in Erscheinung trat und defensiv ein paar Mal verloren wirkte.

Anders als Urs Fischer, der – um flexibel und überraschend zu sein – sein Team in unterschiedlichen Systemen spielen lassen will, argumentiert Lausanne-Coach Fabio Celestini: «Eigentlich ziehe ich es vor, mit vier Verteidigern zu spielen. Dieses System beherrsche ich. Aber mein Team litt. Wir waren anfällig über die Flügel gegen GC und Thun. Also habe ich das System meinen Spielern angepasst.» Item.

Fischer hat in seiner zweiten Saison beim FC Basel zum ersten Mal so richtig überrascht. Fans und Gegner fragen sich bereits, wie sich der FCB wohl in den kommenden Partien morgen gegen St. Gallen und am Mittwoch bei Arsenal London formiert. Und sollte Fischer am Ende in der Champions League dank Dreierkette überraschen und zu wichtigen Punktgewinnen kommen, hat sich das Experiment gelohnt.