FC Basel
Trainer Urs Fischer nutzte das Spiel in Lausanne für ein überraschendes Experiment

Der 50-Jährige verwunderte vor dem Spiel mit der neuen Aufstellung alle. Der Schuss ging dann auch fast nach hinten los. Doch der FCB wäre nicht mit 11 Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze, wenn er solch ein Spiel nicht auch gewinnen würde.

Jakob Weber
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Mit seinem Systemwechsel stellt Urs Fischer Renato Steffen vor eine neue, schwierige Aufgabe.

Mit seinem Systemwechsel stellt Urs Fischer Renato Steffen vor eine neue, schwierige Aufgabe.

KEYSTONE

Die Überraschung vor dem Anpfiff auf der Lausanner Pontaise war gross. FCB-Trainer Urs Fischer hat gegen den Aufsteiger das System verändert. Statt des gewohnten 4-2-3-1 spielt der FC Basel gegen den Aufsteiger mit Dreierabwehr, variablem Fünfermittelfeld und Doppelspitze. Ähnlich wie Lausanne das seit geraumer Zeit spielt.

Doch nicht etwa Lausanne war der Grund für Fischers plötzlichen System-Wandel: Der FCB-Coach möchte den immer wiederkehrenden Vorwurf der Berechenbarkeit abschütteln. Er hat erkannt, dass international – anders als in der Super League, wo sich die spielerische Klasse des FCB selbst an schlechten Tagen am Ende durchsetzt – taktische Kniffe über Sieg oder Niederlage entscheiden.

«Man muss heute flexibel sein. Aufgrund der vielen Spiele ist so etwas im Training kaum einzuüben. Das heute war ein Versuch. Je länger das Spiel gedauert hat, desto besser haben wir uns auch im neuen System zurechtgefunden», argumentiert Fischer, der deswegen auch trotz der sichtlichen Schwierigkeiten seiner Mannschaft in Lausanne das System über die kompletten 90 Minuten beibehielt.

Auf den Spuren von Guardiola

Vorbilder für die funktionierende Dreierkette gibt es zur Genüge. Juventus Turin oder die italienische Nationalmannschaft waren die Ersten, die regelmässig im 3-5-2-System spielten. Mittlerweile ziehen immer mehr Mannschaften nach. Auch im Repertoire des wohl prägendsten Taktikers des letzten Jahrzehnts, Pep Guardiola, darf die Dreierabwehr nicht fehlen. So überraschte der Ex-Bayern-Trainer im letzten Oktober Borussia Dortmund mit der ungewohnten Abwehrformation und gewann mit 5:1.

Auch wenn der FC Basel am Mittwoch im neuen System nicht zu überzeugen wusste, die Lausanne-Offensive die Basler Dreierkette um Lang, Suchy und Balanta mehrfach schwindlig spielte und sich auch trotz Fünfermittelfeld im Zentrum unfassbar grosse Räume boten: Das Experiment unter Wettkampfbedingungen als gescheitert zu betrachten wäre falsch. Denn ein Experiment ist dazu da, Erkenntnisse für die Zukunft zu gewinnen.

Tomas Vaclik: 5,5 Bewahrt seine Farben gleich mehrfach glänzend vor weiteren Gegentoren. Auch mal elegant per Kopf, wenn es sein muss. Bester Mann.
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Michael Lang: 3,5 Hat in der neu formierten Dreierkette sichtlich Schwierigkeiten mit dem Stellungsspiel. Verliert vor der Führung das entscheidende Kopfballduell.
Marek Suchy: 3,5 Auch er lässt sich vom Fehlerteufel anstecken. Leistet sich mehr Fehlpässe als gewohnt und hat mit den schnellen Lausanner so seine Probleme.
Éder Balanta: 3,5 Steht des Öfteren im Schilf: Lässt sich tunneln und sieht gelb. Ein miserabler Tag, wäre da nicht der Siegtreffer in der Nachspielzeit per Kopf.
Taulant Xhaka: 4 Staubsauger, Spielantreiber, Lückenschliesser? Seine Rolle ist unklar. Der starke Campo weiss die freien Räume vor der Abwehr jedenfalls zu nutzen.
Omar Gaber: 3 Nutzt seine Chance von Beginn an nicht. Lässt sich vor dem 0:1 von Margiotta per Hackentrick vernaschen und sieht alt aus. Offensiv harmlos.
Geoffroy Serey Die: 4 Gibt endlich auch in der Liga sein Comeback. Muss schnell merken, dass Lausanne eine andere Liga ist als Zug. Die Luft reicht für 70 Minuten.
Birkir Bjarnason: 4,5 Tanzt sich nach dem Rückstand durch die Lausanne-Defensive. Doch da fehlt noch das Zielwasser. Macht es später per Direktabnahme besser.
Renato Steffen: 3,5 Hat eigentlich nur vier gute Minuten. Wird erst vom Margairaz umgeholzt: Rot. Legt anschliessend mit seiner Eckeden Siegtreffer auf.
Matias Delgado: 4 Hat das Spiel zu selten vor sich, ist jedoch bemüht Akzente zu setzen. Bedient vor dem Pausentee mustergültig Suchy, doch der vergibt.
Seydou Doumbia: 3 Kommt 45 Minuten gar nicht in die Partie. Weil es auch nach der Pause nicht besser wird, ist für den Ivorer nach 63 Minuten zurecht Feierabend.
Andraz Sporar: 4,5 Der Slowene kommt nach einer guten Stunde zu seinem Saison-Debüt. Drei Minuten nach der Einwechslung bereitet er den Ausgleich vor.
Alexander Fransson: 4 Kommt in der 72. Minute für Serey Die und übernimmt dessen unscheinbare Rolle tadellos. Kann auch nicht den Unterschied ausmachen.
Mohamed Elyounoussi: 4,5 Darf auch noch versuchen, den Siegtreffer zu generieren. Setzt Sporar einmal schön in Szene, doch statt einzuschieben, tritt dieser über den Ball.

Tomas Vaclik: 5,5 Bewahrt seine Farben gleich mehrfach glänzend vor weiteren Gegentoren. Auch mal elegant per Kopf, wenn es sein muss. Bester Mann.

Zur Verfügung gestellt

«Der Mix aus Aussenverteidiger und Flügelstürmer war schwierig für mich. Aber ich muss das spielen können. Darum war das Spiel heute gut, um dies zu üben», sagt auch Renato Steffen, der mit der neuen Rolle sichtlich zu kämpfen hatte, offensiv erst in der Nachspielzeit in Erscheinung trat und defensiv ein paar Mal verloren wirkte.

Anders als Urs Fischer, der – um flexibel und überraschend zu sein – sein Team in unterschiedlichen Systemen spielen lassen will, argumentiert Lausanne-Coach Fabio Celestini: «Eigentlich ziehe ich es vor, mit vier Verteidigern zu spielen. Dieses System beherrsche ich. Aber mein Team litt. Wir waren anfällig über die Flügel gegen GC und Thun. Also habe ich das System meinen Spielern angepasst.» Item.

Fischer hat in seiner zweiten Saison beim FC Basel zum ersten Mal so richtig überrascht. Fans und Gegner fragen sich bereits, wie sich der FCB wohl in den kommenden Partien morgen gegen St. Gallen und am Mittwoch bei Arsenal London formiert. Und sollte Fischer am Ende in der Champions League dank Dreierkette überraschen und zu wichtigen Punktgewinnen kommen, hat sich das Experiment gelohnt.