Handball NLA

Trainer-Vater Tom und Spieler-Sohn Timothy: Die Birsfelder Kombo funktioniert auch in Aarau prächtig

Trainer Tom (l.) und Spieler Timothy Reichmuth.

Trainer Tom (l.) und Spieler Timothy Reichmuth.

Als Jugendlicher hat man einige Autoritätspersonen: den Vater, die Mutter, den Lehrer, den Chef, den Trainer – und und und. Die Liste ginge noch lange weiter. Und sie variiert von Fall zu Fall. Was aber, wenn gleich zwei dieser Rollen von ein und derselben Person wahrgenommen werden?

Tom und Timothy Reichmuth sind diese spezielle Konstellation gewohnt. 25 Jahre lang war Vater Reichmuth Trainer beim TV Birsfelden, dem Verein, bei dem sein Sohn Timothy seine Handballkarriere lancierte.

Bis vor einem Jahr trainierte Tom Reichmuth das NLB-Team. Sein talentierter Sohn war bereits im Sommer 2017 in die NLA zu Suhr Aarau gewechselt. Ein Jahr später folgte der Vater dem Flügelspieler zum Partnerverein des TV Birsfelden, wo er seit dieser Saison als Assistent von Suhr-Aarau-Cheftrainer Misha Kaufmann fungiert.

Entscheidung nicht beeinflusst 

Gibt es da einen Zusammenhang? «Nein», sagt Tom Reichmuth. «Dass Timothy hier spielt, hat meine Entscheidung überhaupt nicht beeinflusst. Misha hat mich gefragt und hat mir damit die Möglichkeit gegeben, bei einem professionellen Verein mitzuwirken. Ich hätte dieses Angebot auch angenommen, wenn mein Sohn nicht hier gespielt hätte.»

Nun ergibt sich für die beiden also bereits zum zweiten Mal dieselbe Situation. Eine, die hohes Konfliktpotenzial mit sich bringt. «Am Anfang, bei Birsfelden, war es zum Teil noch etwas schwierig», sagt Timothy Reichmuth.

«Manchmal wurde ich im Training wütend und habe das mit nach Hause genommen. Aber mit der Zeit hat sich das gelegt.» Sein Vater Tom sagt: «Punkto Handball gibt es bei uns praktisch keine Konflikte. Ich finde, als Trainer wie auch als Vater, dass Timothy eine tolle Entwicklung durchmacht.»

Tragende Figur 

Im sportlichen Bereich kann man Timothy Reichmuth kaum etwas vorwerfen. Beim HSC sollte er, so war es ursprünglich vorgesehen, langsam an die höchste Schweizer Spielklasse herangeführt werden. Eigentlich. Denn dann verletzte sich Beau Kägi, der nominelle Stammspieler auf dem linken Flügel.

Es gab zwei Möglichkeiten: Einen Ersatz verpflichten oder voll auf den damals 18-jährigen Timothy Reichmuth setzen. Beim HSC entschied man sich für Letzteres – und wurde nicht enttäuscht. In 27 Meisterschaftsspielen in der vergangenen Saison warf Timothy Reichmuth 95 Tore. Mit 20 Jahren ist er bereits eine tragende Figur bei seinem Verein.

Zusätzliche Motivation oder eher Hemmfaktor?

Und sein Vater an der Seitenlinie? Zusätzliche Motivation oder eher Hemmfaktor? «Weder noch. Das hat keinen grossen Einfluss auf mich. Während des Spiels blende ich alles aus und konzentriere mich auf meine Aufgaben», sagt Timothy Reichmuth – und fügt an: «Es ist eher so, dass ich nach dem Spiel in der Videoanalyse sehe, wie er an der Seitenlinie rumhampelt. Das kann zuweilen etwas peinlich sein.»

Sein Vater nimmt den kleinen Seiten hieb mit Humor. Er muss Einstecken können – auch vom Cheftrainer. Beispielsweise dann, wenn sein Sohn während des Spiels einen Gegenstoss versemmelt. «Das passiert manchmal. Aber ich kann damit umgehen. Ich weiss, wie Misha tickt und dass diese Aktionen nicht persönlich gemeint sind. Das geschieht rein aus der Emotion heraus», sagt er.

Nichts mit nach Hause nehmen 

Das Beispiel von Tom und Timothy Reichmuth zeigt, dass eine Vater-Sohn- Trainer-Spieler-Konstellation funktionieren kann – wenn man die beiden Bereiche auseinanderhält. «Es gibt Uneinigkeiten in der Halle», sagt Timothy.

«Wichtig ist, dass man das nicht mit nach Hause nimmt. Umgekehrt gilt dasselbe. Private Konflikte gehören nicht in die Halle.» Sein Vater sagt: «Man muss miteinander reden können. Ich muss ihm sagen können, dass es nun nicht um ihn als Handballer geht, sondern um meinen Sohn. So klappt das.»

Traum vom Auslandabenteuer

Timothy Reichmuth hat sich in den bisher anderthalb Saisons in der NLA bereits einen Namen gemacht. Er träumt von Grösserem: «Das Ziel ist, irgendwann ins Ausland zu wechseln und vom Handball leben zu können. Wo und ob das so sein wird, weiss ich nicht. Aber wenn sich eine Möglichkeit ergibt, dann will ich die nutzen.»

Der Traum vom Vollzeithandballer – auch mit dem Segen des Vaters? «Mein Wunsch ist nicht wichtig», sagt Tom Reichmuth. «Aber wenn sich eine Chance auftut, dann soll er sie nutzen. Da bin ich ganz der Papa.»

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