Eishockey

Trainerentlassung beim EHC Basel: Eine Überraschung mit Ankündigung

Robert Othmann wird zukünftig nicht mehr an der Bande des EHC Basel stehen.

Robert Othmann wird zukünftig nicht mehr an der Bande des EHC Basel stehen.

Der EHC Basel hat sich trotz Playoff-Final von Trainer Robert Othmann getrennt. Das sind die Gründe und so soll es jetzt weiter gehen.

Das Jahr 2020 hätte für den EHC Basel bislang schlechter verlaufen können. Erstmals seit der Saison 2004/05 schaffte es der Verein über die Viertelfinals hinaus und bannte den Playoff-Fluch. Im Playoff-Halbfinal gegen Angstgegner Dübendorf erkämpfte sich der EHC in der «Belle» der Best-of-five-Serie dann sogar den Final-Einzug. Doch aufgrund des Coronavirus und der Massnahmen wurde der Final am 12. März abgesagt und die Saison ohne Aufsteiger definitiv beendet. Die Vertragsauflösung von Trainer Robert Othmann kam aufgrund der positiven sportlichen Entwicklung für viele überraschend. Doch sie hat ihre Gründe.
Trotz der erfolgreichen Saison lief rückblickend nicht alles rund beim EHC. Nach der vierten Niederlage in Folge Anfang des Jahres gab der Sportchef Olivier Schäublin an der Bande zusätzliche Impulse. Scheinbar erfolgreich, denn die zwei letzten Qualifikationsspiele konnten gewonnen werden und Schäublin ergänzte das Trainerduo bis zum Saisonende.

Olivier Schäublin, Sportchef EHC Basel

Olivier Schäublin, Sportchef EHC Basel

Bei der Analyse dieser vergangenen Wochen und nach den Gesprächen mit dem Trainerteam, dem Vorstand und Einzelgesprächen mit dem Spielern wurde ein Thema immer präsenter: der Zeitfaktor. Robert Othmann ist 90 Prozent als IT Project Manager beschäftigt und lebt mit seiner Frau Amelie und seinen beiden Kindern in Burgdorf bei Bern – bei schlechtem Verkehr eine Stunde von der Eisarena im Joggeli entfernt. Bereits nach der letzten Saison war allen Beteiligten klar, dass das Vorhaben als Cheftrainer beim EHC für Othmann eine Zeitmanagement-Herausforderung werden würde. Der EHC  wünschte sich aber für die nächste Saison einen Trainer, bei dem die Zeit kein entscheidender Faktor sein wird.

Neue Herausforderung für Trainer und Verein

Olivier Schäublin erklärt: «Das Projekt EHC wird auch in Zukunft sehr viel Zeit in Anspruch nehmen. Und der Zeitfaktor sollte keine Hürde für den sportlichen Erfolg darstellen.» Das ist auch der Grund für die am Sonntagabend kommunizierte Vertragsauflösung. Trotzdem stellt der Sportchef klar: «Robert hat viel aus der Saison herausgeholt.» Auch Othmann selber äussert sich gegenüber der bz: «Ich hatte ein tolles Jahr mit der Mannschaft. In Basel lernte ich, was und wie viel Aufwand nötig sein wird, um als Profitrainer zu arbeiten. Ich war und bin bereit, diesen Aufwand nächste Saison zu betreiben. Leider nicht mit dem EHC, aber das ist Hockey-Business. Nun freue ich mich auf neue Herausforderungen», so Othmann.

Für den Sportchef geht die Arbeit aber erst richtig los. Bereits nach dem ersten Analysegespräch begann er damit, einen aktuellen Überblick zur Trainermarktsituation zu erlangen. Andere Vereine wurden kontaktiert und Gespräche über Trainerkandidaten geführt. Konkrete Kontaktaufnahmen mit potenziellen neuen EHC-Trainern gibt es aber erst seit dem finalen Telefonat mit Othmann am vergangenen Samstag. «Seit dem Entscheid bin ich zu 300 Prozent am Telefon», so Schäublin. Zusätzlich zur Schwierigkeit, einen geeigneten Trainer zu finden, müssen wegen der aktuellen Situation sämtliche Gespräche via Telefon stattfinden: «Ich kann mich nicht mit den Kandidaten treffen. Es ist Trainersuche im Virtuellen», sagt Schäublin. Wer auch immer am Ende EHC-Trainer wird, er muss Zeit mitbringen und über fachliche sowie soziale Kompetenzen verfügen. Denn auch nächste Saison soll der EHC Basel in den Playoffs wieder weit kommen und vielleicht sogar am Aufstieg schnuppern.

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