Autos, Velos, Passanten. Ein paar Neugierige halten an, die meisten aber ziehen emotionslos vorbei. Doch die Szenerie auf der Prattler Hexmatt hätte sicher mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt. Wegen des gesperrten Platzes übt das NLA-Team der Basel Gladiators seine Spielzüge auf dem Parkplatz. Unauffällig und in Zivil gekleidet, verfolgt auch Daniel Glauser das improvisierte Treiben der zurzeit zweitbesten Football-Mannschaft der Schweiz.

Für ihn sind diese Tage in der Heimat eine Rückkehr zu den Wurzeln. Hier legte er den Grundstein, um ein Jahrzehnt später der beste Schweizer Football-Spieler zu werden. «Ich kenne all diese Jungs noch von früher, auch beim jetzigen Besuch ist alles noch so wie damals», freut er sich.

Die Unbeschwertheit geniessen

Diese stressfreie, unbeschwerte Zeit kann der Rheinfelder nach den turbulenten NFL-Draft-Wochen mehr denn je gebrauchen. Selbst in der Schweiz titelten die Zeitungen: «Wird Glauser der erste Schweizer NFL-Spieler?» oder «Wird Glauser jetzt Millionär?» Auch der 24-Jährige selbst, sagte vor dem Draft: «Mein Leben kann sich verändern.» Ende April fiel der Offensive Lineman der Florida State Orioles auf den Boden der Tatsachen zurück.

In den sieben Runden entschied sich kein NFL-Team für ihn, dafür ging der Traum für sechs seiner Teamkollegen in Erfüllung. «Glausers NFL-Traum geplatzt», schrieben daraufhin die Schweizer Medien.

Enttäuschung hält sich in Grenzen

Mit ein paar Wochen Abstand blickt der Aargauer gelassen auf die Zeit vom 25. bis 27. April zurück, relativiert die Aussagen der Medien: «Damit ist kein Traum geplatzt. Die Chance wird wiederkommen», weiss Glauser. Nach dem ganzen Prozedere sicherte er sich einen Pre-Free-Agent-Vertrag, mit welchem Glauser in einem nächsten Anlauf erneut gute Karten auf einen Draft hat.

«Sonst hätte ich kein solches Angebot erhalten. Jetzt liegt es an mir, in den Camps einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen», gibt sich der 145-kg-Brocken selbstbewusst. Hinter vorgehaltener Hand spekulieren Insider, dass auch das angespannte Verhältnis zu Trainer Jimbo Fisher ein Mitgrund für den Nicht-Draft war. Wie dem auch sei.

«Das Talent war sofort erkennbar»

Natürlich haben die Gladiators den Aufstieg ihres ehemaligen Teamkameraden intensiv mitverfolgt. Allen voran Coach Dwaine Wood, welcher so etwas wie der Initiator und Ziehvater von Glausers Karriere war. Der Amerikaner erinnert sich noch haargenau an das erste Training vor gut zehn Jahren, als plötzlich dieser 1,98-Meter-Hüne auf dem Feld gestanden hat: «Das Talent war sofort erkennbar.

Seine grösste Stärke war, dass er mit einer solchen Masse trotzdem unglaublich leichtfüssig und schnell unterwegs war.» Auch als es Glauser in die USA zog, hielten die beiden per Mail regelmässigen Kontakt. «Um diesen Traum zu verfolgen, muss man seine Seele verkaufen. Er hat sich dafür entschieden, dabei wünsche ich ihm natürlich alles Gute», findet Wood auch kritische Worte.

Zurück an die Uni

Dass Glauser bei jedem Schweiz-Besuch seine ehemaligen Vereinskollegen besucht, «unterstreicht seinen bodenständigen Charakter. Auch wenn er am Anfang seiner US-Karriere einen leichten Anflug von Arroganz hatte», empfand Wood. Für die Gladiators war sich Glauser auch nicht zu schade, für zwei Spiele ins violette Tenue zu steigen. «Es war ein Riesenspass, das Niveau hat sich auch hier ordentlich entwickelt.»

Nächste Woche zieht es den Bachelor-Absolventen wieder zurück an die Universität nach Tallahassee. Dann beginnt der College-Football-Alltag wieder von vorne: Autogramme schreiben, Pressearbeit, Partien vor ausverkauften Rängen. Kaum zu glauben, dass damals alles auf einem unscheinbaren Prattler Rasen begonnen hat.