Nein, ganz perfekt war’s nicht gewesen. Julia Gross, die Jüngste und Unerfahrenste im Team, welche anstelle der pausierenden Judith Wyder die Schlussstrecke lief, musste sich von der diesjährigen Sprint-WM-Dritten Maja Alm (Dä) abfangen lassen. Platz 2. Dieser entsprach dennoch dem Sieg, denn wegen eines ausgelassenen Kontrollpostens von Sprint-Weltmeister Sören Bobach auf dem dritten Abschnitt wurden die aufstrebenden Nordeuropäer disqualifiziert. «Schön, dass es zum Sieg gereicht hat», hielt Julia Gross fest, «aber was ich besser hätte tun können, bekam ich 1:1 aufgezeigt.»

Forderndes Gelände

Auf dem schnellen Stadtpark-Parcours der Grün 80 bekamen die weltbesten Orientierungsläuferinnen und -läufer spannende Herausforderungen präsentiert. Schnell laufen, schnell denken und schnell entscheiden war gefragt. Und das in einem Gelände, das einiges abverlangte. Labyrinthähnliche Abschnitte, viele Büsche, Richtungswechsel sowie Gegenkontakt forderten die Läufer. «Das war spannend», hielten die Spezialisten fest und freuten sich ob der Routenwahl-Entscheiden, die es immer wieder blitzschnell zu treffen galt.

Erinnerungen an Pfadi-Übungen

Schweiz I mit den aktuellen Mixed-Team-Weltmeistern Rahel Friederich, Martin Hubmann, Matthias Kyburz und eben Julia Gross meisterte die Aufgabe schliesslich am besten. Speziell war es vor allem für die beiden Teammitglieder, die mit dem Gelände von ihrer Herkunft her vertraut waren.

Rahel Friederich, die Baslerin, erinnerte sich an ihre Kindheit und Jugend, an Sonntagsausflüge und Pfadi-Übungen. Einen Vorteil sah sie darin aber nicht: «Mit einer Karte unterwegs zu sein ist etwas ganz anderes, ich fühlte mich extrem gefordert.»

Ähnlich erging es dem Mehlemer Matthias Kyburz. Er ist mit dem Gebiet vertraut, weil er bis zu seinem Wohnortwechsel nach Bern auf der St. Jakob-Leichtathletikpiste oft trainierte und das Laufgebiet jeweils fürs Warm-up nutzte. Das schnelle Unterwegssein auf ungewohnten Pfaden empfand er als «sehr spannend und abwechslungsreich». Mit einer starken Leistung schaffte er auf der dritten Ablösung die Basis zum späteren Erfolg.

Kleiner Schönheitsfehler

Trotz des Sieges gab einen Schönheitsfehler. Der Sieg im noch inoffiziellen Mixed-Team-Weltcup verpasste das Quartett knapp. Die disqualifizierten Dänen nämlich brachten ihre zweite Equipe hinter Schweden und Schweiz II auf Position 4, und weil nur je das beste Team einer Nation gewertet wird, büssten die Nordeuropäer lediglich 40 Punkte auf die Schweiz ein. Somit blieb eine Reserve von 10 Zählern – trotz dem Weltmeister-Missgeschick.