Fussball
Trotz der Mängel: Vom FCB-Auftritt gegen Bern überwiegt Positives

Der FC Basel hat weniger oft aufs Tor geschossen (6:9), weniger Eckbälle treten können 6:13), mehr Fouls begangen (21:20) und mehr gelbe Karten erhalten (6:2) – doch was am Ende eines Fussballspiels zählt, sind nun mal die Tore.

Sebastian Wendel
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Vaclik zeigt mit einem parierten Elfmeter, dass er aus Sommers Schatten treten kann.

Vaclik zeigt mit einem parierten Elfmeter, dass er aus Sommers Schatten treten kann.

Keystone

Davon hat der FC Basel zwei mehr als der Gegner aus Bern erzielt und darum auch verdient gewonnen. Und obwohl es bis zur nächsten Partie auswärts gegen die Grasshoppers einige Mängel aufzuarbeiten gibt, obwohl der FCB auch im siebten Meisterschaftsspiel temporär den Betrieb eingestellt hat, überwiegen auf der Siegerseite immer die positiven Geschichten. Wir haben drei herausgepickt.

Tomas Vaclik und der erste Schritt aus dem Schatten von Sommer

«Endlich», wird sich Tomas Vaclik in der 62. Minute insgeheim gedacht haben. «Endlich kann ich zeigen, was ich kann.» Wir wollen dem Tschechen nicht unterstellen, gegen Raphael Nuzzolo aus freien Stücken zu spät aus dem Tor geeilt zu sein und so den Penalty für YB verschuldet zu haben.

Doch das Verdikt von Schiedsrichter Alain Bieri hatte für Vaclik eben auch sein Gutes: Im siebten Spiel nach dem Antritt des schweren Erbes von Yann Sommer konnte er zum ersten Mal Entscheidendes zu den drei Punkten beitragen. Und dann erst noch in der Disziplin, die sein Vorgänger fast in Perfektion beherrscht: Im 1:1-Duell gegen den Penaltyschützen.

Milan Gajic tritt also an, Vaclik springt in die linke Ecke und wehrt den Schuss mit dem Schienbein ab. Die Parade verhindert nicht nur den Ausgleich, sie ist gleichzeitig auch das Mittel, das Vacliks Vorderleute aus dem Tiefschlaf holt. In der Folge ist der FCB wieder die aktivere Mannschaft und trifft bald einmal zum 3:1.

«Ich bin mir bewusst, welch tiefe Spuren Yann Sommer hinterlassen hat. Aber ich möchte mich nicht ihm vergleichen, sondern mich auf meine Art und Weise beweisen», sagte Vaclik im Sommer. Gestern hat er den ersten Schritt aus dem Schatten seines Vorgängers gemacht.

Walter Samuel und das Heimdebüt mit Schönheitsfehler

Der Respekt, mit dem sie in Basel Walter Samuel begegnen, ist auch beim Debüt des 36-Jährigen im St. Jakob-Park spürbar: Anders als bei den jungen Yoichiro Kakitani und Derlis Gonzalez, deren gelungene Aktionen das Publikum mit lautem Jubel feiert, ist es ein anerkennendes Klatschen, als Samuel aus grosser Bedrängnis heraus einen öffnenden Pass spielt.

Er kann nicht kaschieren, dass nach 14 Jahren bei der AS Roma, Real Madrid und Inter Mailand die Geschwindigkeit nachgelassen hat – so kommt er beim YB-Treffer in der 32. Minute zu spät gegen Nuzzolo. Aber er beweist, dass ein geschultes Auge und die Erfahrung aus x-tausend Zweikämpfen auf höchstem Niveau genauso viel Wert ist wie jugendliche Unbekümmertheit.

Und seit gestern wissen wir, dass Bodenturnen nicht nur das Rosten der Knochen von alten Menschen, sondern auch Chancen für den Gegner verhindert: Auf Grasnarbenhöhe klärt Samuel Mitte der zweiten Halbzeit eine YB-Flanke per Kopf vor dem einschussbereiten Michael Frey.

«Ich bin zufrieden, dass ich 94 Minuten durchgehalten habe. Und ich bin froh, Teil dieser Mannschaft zu sein. Der FCB hat eine sehr hohe Qualität», sagte der Argentinier nach dem Schlusspfiff und machte dabei einen überraschend frischen Eindruck.

Die nächste Show des Traumduos Streller/Gashi

Sieben Tore haben sie in den ersten sechs Ligaspielen gemeinsam erzielt – gegen YB kam Treffer Nummer acht hinzu. Die Rede ist vom neuen Sturmduo Marco Streller und Shkelzen Gashi, die in dieser nur treffen, wenn auch der andere auf dem Platz steht.

Gegen YB ist es Gashi, der nach 20 Minuten Streller mit einem sauberen Pass in den Lauf das 2:0 ermöglicht. Es ist Gashis zweite Vorlage an diesem Nachmittag, schon Derlis Gonzalez hatte von seiner Handlungsschnelligkeit profitiert. «Ich verstehe mich super mit Marco. Er ist der perfekte Lehrmeister für jeden Stürmer in der Super League», sagte Gashi.