Super League
Trotz starker erster Hälfte: Basel spielt in Sion nur 1:1 und lässt erneut Punkte liegen

Meister Basel findet weiter noch nicht richtig in die Erfolgsspur. Nach einer überlegen geführten ersten Halbzeit muss sich das Team von Raphael Wicky in der sechsten Runde in Sitten mit einem 1:1 begnügen.

Sebastian Lavoyer
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Steffen kriegt die gelbe Karte gezeigt.
13 Bilder
Marco Schneuwly setzt sich gegen Manuel Akanji durch.
Matheus Cunha erzielt für Sion das 1:1.
Super League, 6. Runde, FC Sion - FC Basel 27.08.2017
Ricky van Wolfswinkel erzielt das 1:0.
Sion-Präsident Christian Constantin (rechts) mit seinem Sohn Barthelemy .
Schöne Choreografie der Sion-Anhänger.
Ricky van Wolfswinkel erzielt das 1:0 gegen Sion.
Die Basler bejubeln den ersten Treffer.
Sions Kevin Constant beim Kopfball.
FCB-Trainer Raphael Wicky verfolgt das Spielgeschehen.
Wie auch Sion-Coach Paolo Tramezzani.

Steffen kriegt die gelbe Karte gezeigt.

Keystone

«Ihr habt ja eine richtig starke erste Halbzeit gespielt», sagt Marco Pascolo, als er Raphael Wicky in den Katakomben des Tourbillons kreuzt. Wicky entgegnet: «Danke, aber wir müssen einfach mehr machen aus unseren Chancen.» Ehrliche Worte unter Freunden. Der Sion-Torwarttrainer und der FCB-Coach spielten über Jahre zusammen in der Nationalmannschaft. Und sie kommen beide aus dem Wallis, beide haben beim FC Sion ihre Karriere lanciert.

Man könnte nun anfügen, dass es sich schickt, unter Freunden die Punkte zu teilen. Aber der FCB verteilt keine Geschenke. Und schon gar nicht Raphael Wicky bei seiner Rückkehr ins Wallis. Nach dem enttäuschenden 1:1 im Heimspiel gegen Lugano letzte Woche wollte er gegen Sion unbedingt einen Dreier einfahren.

Letztlich aber muss er sich gar glücklich schätzen, mit einem Punkt nach Basel zurückzukehren, einem 1:1. Denn in der Nachspielzeit hat der eingewechselte Sion-Stürmer Mboyo den Matchball auf dem Fuss. Allein läuft er auf FCB-Keeper Vaclik zu, doch dann haut er den Ball an den Aussenpfosten.

van Wolfswinkels Ärger

Dass es so weit kommt, ist in erster Linie der Abschlussschwäche der Basler geschuldet. In der ersten Halbzeit ist der FCB drückend überlegen. Schon in der 7. Minute geht der Serienmeister durch Stürmerstar Ricky van Wolfswinkel mit 1:0 in Führung, nachdem Kevin Bua einen Pass von Nicolas Lüchinger abläuft.

Der FCB dominiert zu Beginn, zwingt Sion mit aggressivem Pressing immer wieder zu Fehlern. Doch erst scheitert Zuffi von der Strafraumgrenze (10.), dann verspringt van Wolfswinkel der Ball ein bisschen nach herrlichem Doppelpass mit Elyounoussi und scheitert letztlich knapp an Sion-Keeper Mitryushkin (16.).

Sion ist überfordert. Ein Zeichen dafür: das dumme Foul von Sion-Mittelfeldaufräumer Zock an van Wolfswinkel. Der Neo-Walliser reisst den Holländer im Strafraum um. Penalty. Der Gefoulte läuft selbst an – und schiesst fast einen Meter neben das Sion-Tor. Oje, Ricky! Oje, FCB! «Wenn ich den reingemacht hätte, wäre das Spiel gelaufen», ärgert sich der Liga-Topskorer (6 Tore) nach dem Spiel.

Sion wie verwandelt

Dann wird das Spiel zerfahrener, droht Schiedsrichter Alain Bieri teilweise gar zu entgleiten. Harte Zweikämpfe, mehrere gelbe Karten – die Emotionen schiessen hoch. Wie das im Wallis nicht anders zu erwarten war beim ersten Wiedersehen seit dem Cupfinal und der 0:3-Schmach für den FC Sion, dem ersten verlorenen Final nach 13 siegreichen Endspielen. Sion kommt in dieser Phase zu seiner einzigen einigermassen gefährlichen Szene. Doch Riveros läuft Schneuwly gerade noch den Ball ab (30.). Danach reisst der FCB das Spiel zunehmend wieder an sich.

Riveros könnte die Trefferzahl genauso erhöhen (40.) wie Bua (46.). Doch beide scheitern von der Strafraumgrenze. Ersterer am starken Sion-Keeper Mitryushkin, Letzterer am eigenen Unvermögen. Dazwischen hätte van Wolfswinkel nur noch einzuschieben brauchen, wenn Steffen einen konzentrierteren Pass zur Mitte geschlagen hätte (45.). Wickys nüchternes Fazit: «Zur Halbzeit müsste es 3:0 stehen für uns. Dann wäre es für Sion auch schwer gewesen, wieder zurück ins Spiel zu kommen.» Der Konditional, Feind aller Sieger. Es wäre schwer gewesen für Sion, sehr sogar.

Nach der Pause sehen die fast 11 000 Zuschauer im Tourbillon ein anderes Spiel. Plötzlich ist Sion da. Insbesondere auch ein Verdienst von Sion-Coach Paolo Tramezzani. Der wechselt in der Pause doppelt, bringt die jungen Brasilianer Adryan (23) und Matheus Cunha (18), nimmt Nicolas Lüchinger und Kevin Constant vom Platz. Und er lässt sein Team noch tiefer stehen, zum Teil steht Sion-Stürmer Marco Schneuwly als offensivster Mann 40 Meter vor dem eigenen Tor. Zwei Massnahmen, die Wirkung zeigen.

Konkurrenz im Gleichschritt

Das Spiel hat kaum wieder begonnen, als Sion aus gut 20 Metern zu einem Freistoss kommt und die zwei Neuen den Match in eine andere Richtung lenken. Adryan nimmt Mass, zirkelt den Ball über die Mauer Richtung Lattenkreuz. Vaclik pariert, lässt aber nach vorne abklatschen, Cunha nickt ein – 1:1. Der Brasilianer sprintet zur Seitenlinie, springt seinem Coach in die Arme. Der FCB ist geschockt.

Und er erholt sich nicht mehr wirklich von diesem Schock. Ja, am Schluss muss Wicky gar froh sein um diesen einen Punkt. Denn sein Team ist am Ende stehend k. o., Sion dem Sieg gar näher. Der FCB zollt der intensiven Startphase Tribut. Und trauert wie schon gegen Lugano den vergebenen Chancen nach.

Auch jener, nach sechs Runden endlich die Tabellenspitze an sich zu reissen. Aber wie die Konkurrenten aus Bern und Zürich kommen auch die Basler nicht über ein Unentschieden hinaus. Da gibt es in der Natipause viel zu tun für Wicky. Denn danach muss die FCB-Tormaschine ins Laufen kommen. Sonst wirds nichts mit Sternstunden in der Königsklasse.

Sion - Basel 1:1 (0:1)

10'900 Zuschauer. - SR Bieri. - Tore: 7. Van Wolfswinkel 0:1. 47. Cunha (Freistoss Adryan) 1:1.

Basel: Vaclik; Lang, Suchy, Akanji, Riveros; Xhaka (72. Fransson), Zuffi; Steffen, Elyounoussi (84. Callà), Bua (78. Oberlin); Van Wolfswinkel.

Sion: Mitrjuschkin; Zverotic, Ricardo, Bamert; Kukeli; Lüchinger (46. Adryan, 62. Mboyo), Zock, Milosavljevic, Lenjani; Constant (46. Cunha); Schneuwly.

Bemerkungen: Sion ohne Fickentscher (gesperrt), Aquafresca, Carlitos, Cümart, Dimarco, Mveng, Ndoye. 19. Van Wolfswinkel verschiesst Foulpenalty. 91. Pfostenschuss Mboyo. Verwarnungen: 19. Zock (Foul). 22. Steffen (Foul). 28. Suchy (Foul). 35. Xhaka (Foul). 89. Schneuwly (Foul).