Tennis
Trotz Tipps vom Sohnemann: Vater Chiudinelli spielt gegen den Abstieg

Lorenzo Chiudinelli ist zwar nicht so ambitioniert wie Sohn Marco, aber ebenfalls auf dem Tennisplatz aktiv. Manchmal sogar auf dem «Marco Chiudinelli Court» der Old-Boys-Anlage. Dieser bringe ihm bislang allerdings nicht besonders viel Glück.

Patrick Pensa
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Lorenzo Chiudinelli auf der OB-Anlage vor dem Roger-Federer-Center-Court und dem Marco-Chiudinelli-Court.pp

Lorenzo Chiudinelli auf der OB-Anlage vor dem Roger-Federer-Center-Court und dem Marco-Chiudinelli-Court.pp

Patrick Pensa

Marco Chiudinelli ist oft unterwegs. USA, Australien, China, ein Tennisprofi ist immer ein wenig Nomade. Wenn Marco in der Schweiz spielt oder trainiert, hat er nicht ein protziges Anwesen, sondern wohnt bei seinen Eltern. Im Haus in Füllinsdorf hat der 31-Jährige einen eigenen Bereich. Genug für die wenige Zeit, die er in der Schweiz verbringt «Ich bin froh, dass Marco seine Preisgelder nicht verprasst, sondern überlegt einsetzt. Ich hoffe, das hat er ein wenig von seinen Eltern. Wohl von meiner Frau», sagt Lorenzo Chiudinelli, Marcos Vater.

Enge Familienbande

Die Zeit, in der Marco in der Schweiz ist, geniesst Lorenzo Chiudinelli sehr. Die Familie sei eng beisammen, nicht nur wegen der Wohnsituation. Wann immer möglich reist der 58-Jährige zusammen mit seiner Frau Reni zu den Turnieren des Sohnes. Oder versucht sich anders zu organisieren: Gestern waren Vater und Sohn unabhängig voneinander in Bern, also verabredeten sie sich am Abend, um gemeinsam an den Match des FC Basel zu gehen. Fussball, eine Leidenschaft, die beide verbindet. Beide spielten in ihrer Jugend in einem Verein.

Privatstunde beim Sohn

Der gebürtige Tessiner sagt von sich, dass er in einem Alter sei, in dem man gerne in Erinnerungen schwelge. Er sammle alle Zeitungsartikel, Fotos seines Sohnes und filme gerne. Selten hätten sie auch Zeit, gemeinsam Tennis zu spielen. «An Pfingsten hat Marco mit meiner Frau und mir gespielt und uns ein paar Verbesserungstipps gegeben. Geholfen hat es leider nicht viel. Ich habe am Wochenende trotzdem verloren», sagt Lorenzo Chiudinelli.

Eingeschworener Haufen

Der 58-Jährige ist Captain der 45+-Mannschaft des TC Old Boys, die in der 2. Liga spielt. «Wir haben einen Ausreisser nach unten, deswegen spielen wir in dieser Kategorie», sagt Chiudinelli. Ein Haufen alter Freunde, die seit über zehn Jahren zusammenspielen, seien sie. Ein eingeschworenes Team, das auch ausserhalb des Courts viel unternehme. Der Captain des Gruppengegners BIZ habe es treffend formuliert. Sie selbst seien eine zusammengewürfelte Truppe, die Equipe der Old Boys aber ein Team.

«Trainingslager» in Mallorca

Dieser Zusammenhalt kommt nicht von ungefähr. Neben vielen gemeinsamen Ausflügen, in Ausnahmefällen auch mit den Frauen, stehe auch jedes Jahr eine gemeinsame Woche in Mallorca zur Interclub-Vorbereitung auf dem Programm. «Trainingslager wäre aber ein zu seriöser Begriff dafür», sagt Lorenzo Chiudinelli.

Sportlicher Erfolg an zweiter Stelle

Weil das Team eine eingeschworene Einheit ist, steht der sportliche Erfolg nicht über allem. Dass sie am Samstag gegen den Abstieg spielen müssten, sei nicht dramatisch. «Wenn wir verlieren, geht die Welt nicht unter. Dann gewinnen wir dafür im nächsten Jahr öfter», sagt Chiudinelli. Wenn alle beruflich engagiert seien, drei Teammitglieder noch Segler wären und an Regatten teilnehmen würden, dann könne man nur selten in Bestbesetzung antreten. Und Verstärkungsspieler kämen sowieso nicht infrage.

Gegner immer motiviert

Der Name Chiudinelli sei für die Gegner bestimmt eine spezielle Motivation. Die Meinungen seien gemacht. Wenn er gewinne, sei es nur logisch, und wenn er verliere, müsse er nicht lange auf Sprüche warten.

Kein Vorrecht bei der Platzwahl

Dass ein Court auf der Old-Boys-Anlage nach seinem Sohn benannt ist, gibt Lorenzo Chiudinelli eine innere Zufriedenheit, gerade weil er nie einer der verbissenen Väter am Spielfeldrand war. Dieses Wochenende wird der Vater die vom Sohn gegebenen Tipps kaum auf dem Chiudinelli-Court umsetzen können. Aufgrund der vielen Spielverschiebungen wegen Regens wird ein ziemliches Gedränge auf der Anlage herrschen. Dann haben andere Teams Vortritt und der Verwandtschaftsgrad spielt keine Rolle.