Der letzte Tag der Gymnaestrada begann früh. Tagwache für die Mitglieder des TV Ziefen in Helsinki war um 6 Uhr morgens. Zusammen mit der kantonalen Gymnastikgruppe Baselland bestritten sie gestern ihren letzten Auftritt am Weltturnfest. Insgesamt dreimal begeisterten die acht Turnerinnen und 16 Turner das Publikum an ihrem Paradegerät, den Schaukelringen.

Während sich die meisten Nationen auf Bodenturnen gepaart mit Akrobatik oder Gymnastik konzentrierten, konnten die Schweizer mit einigen Gerätedarbietungen für hochkarätige Abwechslung sorgen. Entsprechend waren auch die Tribünen mit Zuschauern verschiedenster Nationalitäten sehr gut besetzt. Die Mund-zu-Mund-Propaganda hat die qualitativ hochstehende Darbietung der Schaukelringspezialisten aus Ziefen unterstrichen. «Wir hatten drei super Auftritte», schwärmte der Präsident des TV Ziefen, Fabian Hug.

Den relativ früh angesetzten Blockzeiten konnte er gar etwas Gutes abgewinnen. «Eigentlich ist es super am Morgen zu turnen, dann kann man den Rest des Tages geniessen», erklärte er.

Während Hug in Lausanne vor vier Jahren noch als Teilnehmer Gymnaestrada-Premiere feierte, hat er in Helsinki die Leitung der Truppe übernommen. «Für einen Turner ist die Gymnaestrada das Grösste», ist er überzeugt, «sobald man hier ist, vergisst man die vielen Trainings und zeitintensiven Vorbereitungen, es ist einfach ein toller Anlass.» Am Samstagabend starten die Ziefener, als einzige Schweizer Gruppe überhaupt mit der Fähre, wieder Richtung Heimat.

Jazz-Tanz und Hip Hop

Kunterbunt gemischt, mit 41 Teilnehmern im Alter zwischen 15 und 62 Jahren, brachte die kantonale Gymnastikgruppe Baselland Eleganz und peppige Harmonie auf die Vorführfläche. Die Jazz-Tanz-Gymnastik mit einem Hauch Hip Hop wurde von Susi Pierer einstudiert. Nebst den drei Blockvorführungen auf dem Messegelände «Messukeskus» war die Gruppe auch zweimal auf der Bühne des Paavo Nurmi als Stadtaufführung zu sehen.

Pierer selbst hat das Gymnaestradafieber schon lange befallen. Zum achten Mal nahm sie in Helsinki aktiv teil. «Wenn du sowas mal erlebt hast, kommst du nicht mehr davon los», strahlte sie. Ähnlich ergeht es Reto und Rosi Kleiber aus Biel-Benken: «Jedes Mal hat man das Gefühl, es sei die letzte Gymnaestrada, aber es packt einen immer wieder.» Dieses Jahr durfte auch die 15 jährige Tochter Jasmina mitturnen und war begeistert: «Die Stimmung auf der Bühne aber auch rundherum ist einfach toll.»

Schweizer Abend «sensationell»

Als Schaufenster des Schweizer Turnsports zelebrieren jeweils die besten Vereine die helvetische Turnkultur. Mit der Gymnastikriege Liestal waren bei der diesjährigen Austragung auch die Baselbieter vertreten. Gleich zweimal konnten sie ihre mystisch elegant angehauchte Gymnastikchoreographie den Zuschauern präsentieren. Ihrem Gruppennamen «Gym Riege Emotion Liestal» wurden die 29 Turnerinnen durchaus gerecht.

Neben gymnastischen Elementen wurde auch ein sich drehender Baum in die Darbietung mit eingebaut. Sogar von höchster Stelle, dem Präsidenten des internationalen Turnverbandes Bruno Grandi persönlich, wurde dem Schweizer Abend das Prädikat «sensationell» verliehen.

Die Schlussfeier noch nicht einmal vorbei, schwirren die Gedanken aber auch schon in die Zukunft. Ganz im Sinne von: «nach der Gymnaestrada ist vor der Gymnaestrada», wie Gloria Müller und Ursi Börlin anmerken. In vier Jahren nämlich wird das Weltturnfest nach 2007 ein weiteres Mal in Dornbirn im Vorarlberg die globale Turnfamilie willkommen heissen.