So überzeugend Kilian Wenger auftrat, so schwach kämpften die Nordwestschweizer. Der für die Einteilung verantwortliche Technische Leiter Stefan Strebel redete am Schluss Klartext: «Wir waren den ganzen Tag in Rücklage. Ich bin enttäuscht von unseren Schwingern, da habe ich mehr erwartet.»

Nach halbem Pensum lagen die drei Berner und drei Innerschweizer Gäste alleine mit drei gewonnenen Gängen an der Spitze. Dabei ragten Wenger und sein späterer Schlussganggegner Christian Schuler mit souveränen Startsiegen gegen Bruno Gisler respektive Christoph Bieri heraus. Am Nachmittag revanchierte sich Wenger gegen Mike Müllestein für den «Gestellten» am letztjährigen Innerschweizerischen, der ihn damals den Kranzgewinn gekostet hatte. Als der König aus dem Berner Oberland im fünften Gang auch noch den «Eidgenossen» Remo Stalder mit Kreuzgriff platt auf den Rücken bettete, stand er schon fast als Tagessieger fest.

Gegen Schuler hätte ihm im Schlussgang ein Remis gereicht. Stattdessen griff der erstarkte Berner von Beginn weg an. Dies raubte dem Schwyzer die Entschlossenheit. Erst in der fünften Minute griff der Sieger des Zuger «Kantonalen» vor elf Tagen konsequent an. Aber Wenger konterte den Kurzversuch mit einem Abschlunggen und überstieg den Innerschweizer am Boden zum Resultat.

Endlich verletzungsfrei

«Nach schwierigen Jahren bin ich endlich einmal nicht verletzt oder angeschlagen», erklärte der 26-jährige Horbodener strahlend. Nach einem guten Saisonaufbau habe er wieder richtig Freude am Schwingen gefunden. «Dabei hilft mir die mentale Arbeit mit einem Sportpsychologen.» Er sei seit seinem Königstitel vor sechs Jahren stark gereift. «Jetzt ist der Rummel um mich herum etwas abgeflacht, und ich kann mich wieder aufs Schwingen konzentrieren.»

Kilian Wenger (hier im Schlussgang gegen Christian Schuler) hinterliess einen bärenstarken Eindruck.

Kilian Wenger (hier im Schlussgang gegen Christian Schuler) hinterliess einen bärenstarken Eindruck.

Schuler fiel durch die abschliessende Niederlage auf Rang 3 zurück. Den zweiten Lebendpreis verdiente sich Remo Käser. Der Sohn von Schwingerkönig Adrian Käser blieb unbesiegt. Im vierten Gang holte er mit seinen Verteidigungskünsten mirakulös einen «Gestellten» gegen Christian Schuler heraus.

Die beiden Nordwestschweizer Leader Gisler und Bieri retteten im sechsten Gang wie auch Remo Stalder den Kranzgewinn. Weil sie aber den ganzen Tag keinen Innerschweizer oder Berner bezwingen konnten, blieb unter dem Strich eine herbe Niederlage für den gastgebenden Teilverband. «Jeder Schwinger hat jetzt gesehen, wo wir im nationalen Vergleich stehen», konstatierte Strebel. «Aber wir befinden uns erst am Anfang der Saison, wir können uns steigern.»

Überraschend stark schnitten die Baselbieter in der Kranzbilanz ab. Hinter den sechs Gästen holten sie wie die stärker eingestuften Aargauer fünfmal Eichenlaub. Hingegen mussten sich die Solothurner mit den beiden Kränzen von Gisler und Stalder begnügen.