Rückzug

Überraschender Rückzug: die Old Boys steigen freiwillig aus der Promotion League ab

Photo by Roland Schmid

BSC Old Boys gegen FC Basel 1893 U21 auf der Schützenmatte

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Die Fussballer der BSC Old Boys spielen künftig in der 1. Liga Classic. Der BSC gibt seinen Rückzug der Promotion-League-Mannschaft in die 1. Liga Classic auf die Saison 2018/19 hin bekannt.

Vier Spiele, vier Siege – endlich über dem Strich und nun das: Die BSC Old Boys ziehen ihre erste Mannschaft freiwillig aus der Promotion League zurück und treten eine Klasse tiefer in der 1. Liga an - der vierthöchsten Stufe im Schweizer Fussball. OB versteht sich als Ausbildungsklub und dies ist nicht mehr mit den Anforderungen der Promotion League vereinbar.

So schaffen immer weniger Junioren den Sprung in die Fanionequipe. Zudem steigt der finanzielle Aufwand kontinuierlich. «Die Old Boys bestehen aus 32 Teams, es ist wichtig, dass wir den Betrieb sämtlicher Mannschaften garantieren können», erklärt Präsident Beat Fläcklin.

Gelb und schwarz aber nicht YB: Die Old Boys in der Promotions League. NIZ

Gelb und schwarz aber nicht YB: Die Old Boys in der Promotions League. NIZ

Doch weshalb wird der Entscheid nach dieser Siegesserie bekannt gegeben? «Es gibt keinen guten Zeitpunkt für schlechte Nachrichten», meint Fläcklin, «wir wollen ehrlich miteinander umgehen und kommunizierten es deshalb schnellstmöglich unseren Spielern und dem Umfeld.» Vize-Captain Pascal Rietmann stimmt seinem Präsidenten in dieser Hinsicht zu.

Allerdings ist der Stürmer vom Vorgehen der Vereinsführung sehr überrascht: «Man hätte trotz Budgetkürzung nochmals mit den Spielern das Gespräch suchen können.» Rietmann spricht die vergangenen Jahre an, in denen trotz jeweiliger Lohneinbussen eine schlagfertige Truppe zusammengestellt werden konnte. «Dass die Vereinsführung nicht gemeinsam mit den Spielern eine Lösung für die Promotion League gesucht hat, ist sehr enttäuschend.»

Donator tritt kürzer

Dieser Meinung tritt Beat Fläcklin entgegen: «Eine weitere Kürzung der Entschädigungen auf diesem hohen Level war für uns als Vereinsführung keine zumutbare Option für die Spieler.» Es stellt sich die Frage, ob eine grosse Kürzung für die 1. Liga ebenfalls akzeptabel ist. Auch wenn in dieser Liga vier Partien weniger pro Saison ausgetragen werden, ist der zeitliche Aufwand mit Spielen in der Innerschweiz und im Raum Zürich gross.

Pascal Rietmann ist sich dieser Situation ebenfalls bewusst, weswegen er noch nicht weiss, ob er weitermachen wird: «Die Meisten bei uns sind nicht wegen des Geldes hier, sondern aufgrund der sportlichen Ambitionen.» Das Budget für das Fanionteam beträgt laut Präsident Fläcklin einen mittleren sechsstelligen Betrag. Diesen könne man durch den billigeren Spielbetrieb um ein Drittel kürzen. Gleichzeitig geht auch das finanzielle Engagement des langjährigen Donatoren Paul Suter zurück.

Paolucci begrüsst Entscheidung

Die schwierigste Aufgabe wartet nun auf Sportchef Rafet Öztürk. Ihm muss es gelingen, die arrivierten Spieler wie Pascal Rietmann, Onur Akbulut oder Vincent Leuthard an Bord zu halten und gemeinsam mit eigenen Junioren und regionalen Spielern ein wettbewerbfähiges Team aufzubauen. Dies dürfte aus zwei Gründen enorm schwierig werden: Erstens ist der Sprung von den Junioren in die 1. Liga ein grosser. Dafür genügt ein Blick auf die Tabelle der zwei Klassen tieferen 2. Liga, wo die U23 der Old Boys im hinteren Mittelfeld steht. Zweitens gibt es mit den tendenziell finanzkräftigeren Black Stars einen regionalen Konkurrenten in derselben Liga mit ähnlichen Zielen.

Den Rückzug positiv beurteilt Roland Paolucci, Präsident des Fussballverbands Nordwestschweiz. «Das ist die einzig richtige Entscheidung», erklärt der ex-FCB-Spieler. Dass nach Concordia und Nordstern auch ein dritter Traditionsverein ins fussballerische Niemandsland abtaucht, sei nicht schlimm. «Die Zeiten mit mehreren Basler Vereinen in nationalen Ligen sind definitiv und für immer vorbei. Es gilt, den Fokus auf den Nachwuchs zu setzen und das machen die Old Boys hervorragend.»

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