Stell Dir vor, ein Hockeyklub verschwindet und niemanden kümmert es. So sang- und klanglos wie Basel ist noch kein Hockeyunternehmen von der nationalen Bühne abgetreten. Die EHC Basel AG ist nicht dem Konkurs verfallen, weil es mittelfristig keine Chance mehr gab. Sie ist dem Konkurs verfallen, weil ihre Macher ob der Gleichgültigkeit und Arroganz der Mächtigen und Reichen in Basel resigniert haben.

Und so ist es logisch, dass das Ende die Stadt weniger erregt hat als Roger Federers Finalniederlage in Wimbledon.

Dieses Ende kam am Montagvormittag auf leisen Sohlen per E-Mail: Exakt um 07.40 Uhr liess Präsident Matthias Preiswerk seine Verwaltungsratskollegen, Geschäftsführer Pascal Suter, Nachwuchschef Daniel Baur und Trainer Dino Stecher per Mail wissen, dass der Konkurs definitiv sei. Bis zuletzt hatten Pascal Suter und Dino Stecher an Lösungsmöglichkeiten gearbeitet. Sie hatten Kontakte zu einem Investor aus Schweden geknüpft. Doch am Sonntagabend kam aus dem hohen Norden das definitive «Nein!».

Es ist bezeichnend, dass es mit dem Geschäftsführer und Trainer zwei Lohnempfänger waren, die bis zuletzt nach Lösungen suchten. Anders als in ähnlichen Sanierungsfällen in Bern, Langnau, Fribourg, Ambri, Olten, Kloten oder Davos gab es in Basel keine charismatische Persönlichkeit aus Politik oder Wirtschaft, die sich für die Rettung eines Sportunternehmens in der Öffentlichkeit engagieren und exponieren mochte. Nicht einmal mehr Präsident Matthias Preiswerk kämpfte an vorderster Front – und wenn der General kapituliert, dann sind auch seine Soldaten chancenlos.

Von unten her lässt sich ein Sportunternehmen nicht retten. Dafür braucht es die Grossen. Letztlich war Matthias Preiswerk ja nur konsequent: Er hatte sich jahrelang vergeblich bemüht, und jetzt verzichtete er darauf, mit allerlei Rechtsmitteln das Ende hinauszögern. So ist es in den letzten Tagen bei der «Rettungs-Folklore» der kleinen Leute mit Sammlungs- und Solidaritätsaktionen geblieben. Begleitet von abenteuerlichen Rettungs-Gerüchten.

Der Sportbetrieb des Basler Profihockeys geht heute mit einem letzten Termin zu Ende. Mit einer freiwilligen Mannschaftssitzung. Trainer Dino Stecher sagt: «Ich werde mich jetzt erst einmal um meine Spieler kümmern.» Dazu gehöre, dass jeder wisse, welche administrativen Pflichten (wie der Gang zum Arbeitsamt) zu erfüllen seien. Er gehe davon aus, dass drei Viertel seiner Spieler ihre Karriere fortsetzen können – als Profis in der NLA und NLB oder im Amateurhockey. Und er selber werde schon wieder einen Job finden.

Kein Profi-Eishockey mehr in Basel

In Basel wird Eishockey künftig nur noch auf Amateurstufe (1. Liga, EHC Basel Kleinhüningen) und in den Juniorenligen gespielt. Die Nachwuchsabteilung ist eine eigenständige AG und wird weitergeführt. Die Liga hat den «Fall Basel» bereits aufgearbeitet: Für Basel nimmt Biasca am Schweizer Cup teil und die NLB-Meisterschaft wird nun mit neun Teams und neuem Modus ausgetragen: Jeder spielt gegen jeden je dreimal daheim und auswärts.

Spielplangeneral Willi Vögtlin sagt, er habe den neuen Spielplan schon fast fertig. Es ist wie eine bittere Ironie der Hockeygeschichte, dass es mit Vögtlin ein Baselbieter ist, der beim Untergang die letzte Amtshandlung im Sportbetrieb (die Erstellung eines Spielplans ohne Basel) vollzieht und sozusagen das Licht löscht.