Manchmal ist es ganz nützlich, Freunde wie Oumar Kondé zu haben. Einer, der beim FC Basel, den Blackburn Rovers oder beim SC Freiburg gespielt hat. Super League, Premier League und Bundesliga. Ein waschechter Vollblut-Profi eben. Wie der Zufall so will, war Aufsteiger Binningen auf der Suche nach Verstärkungen – vor allem im Abwehrzentrum. Assistenz-Trainer und Torgarant Philippe Becker klopfte dabei so ganz unverbindlich bei seinem besten Freund an. «Dann dachte ich mir, wieso eigentlich nicht?», sagt Oumar Kondé, der zuletzt bei Kreuzlingen in der 1. Liga gespielt hatte. Eine Win-win-Situation für alle Parteien. «Aber», sagt der bald 34-Jährige, «ich habe dem Verein auch mitgeteilt, dass ich beruflich viel unterwegs bin und nicht an jedes Spiel oder Training kommen kann.»

Kondé ist jetzt wieder da, wo 1986 alles begonnen hat. Acht Jahre ist er beim SCB geblieben, ehe er über die Junioren-Akademie des FC Basel zur grossen Karriere ansetzte. 2009 kam die Karriere des Innenverteidigers ins Stottern. Kondé wechselte vom FC Zürich nach China zu den Chengu Blades, 2011 versuchte er sein Glück beim SC TOT – einem Klub aus Thailand. «Seither habe ich mit dem Kapitel Profi-Fussball abgeschlossen.»

Ein idealer Ausgleich

In Binningen lässt er seine Karriere nochmals in aller Seelenruhe ausklingen. Im Amateur-Bereich. Ohne Verpflichtung, ohne Druck. «Neben dem Beruf brauche ich sowieso den Sport als Ausgleich. So kam mir die Anfrage eigentlich ganz gelegen», sagt Kondé, der auch in Binningen wohnt. Bereits in der Vorbereitung lief Kondé bei zwei von drei Testspielen auf. Beim 0:2 gegen Bubendorf und dem 5:1 über Italgrenchen – beides Teams aus der 2. Liga regional. «Bereits im Amateur-Bereich wird auf einem ansehnlichen Niveau gespielt. Selbst als ehemaliger Profi muss man da mit vollster Konzentration auf den Platz.»

Klassenerhalt als Ziel

Dem Aufsteiger ist mehr als bewusst, dass es Oumar Kondé nicht alleine richten kann. «Unser Ziel ist es, nicht abzusteigen», gibt sich Neo-Trainer Dejan Miljojkovic bescheiden. Man hat Respekt vor der neuen Herausforderung. Zum Auftakt trifft Binningen auswärts auf den FC Seefeld, welcher die vergangene Spielzeit auf dem 4. Platz abgeschlossen hat. «Da werden wir gleich ins kalte Wasser geworfen», weiss Miljojkovic.

Man will sich nicht verstecken

Verstecken will man sich aber keineswegs. Mit Kondé in der Innenverteidigung und Goalgetter Philippe Becker sind die Baselbieter offensiv und defensiv bestens für das neue Abenteuer gerüstet. Hinzu kommen weitere Routiniers wie Goalie Armend Jusufi oder Mittelfeld-Strategen wie Fahredin Zikolli und Tobias Fumagalli. Auch wenn die Mannschaft bei den Testpartien, neben Bubendorf und Italgrenchen wurde noch gegen Aesch (2:1) gespielt, einen souveränen Eindruck hinterlassen hat, tritt der Coach auf die Euphoriebremse: «Diese Resultate sind völlig unwichtig. Es geht darum, eine Einheit zu werden und das sich die Spieler mit dem Klub identifizieren.» Kondé ist dabei der Prototyp, das Sinnbild dieser Philosophie. «Ich freue mich auf die Saison und werde beim Auftakt dabei sein.»