Das gibt ein Debakel. Das muss gedacht haben, wer dem FC Basel am Samstagabend dabei zusah, wie er sich gegen den FC Thun abmühte, während Manchester City, der Gegner in der Champions League am Dienstagabend, fast zeitgleich Leicester mit 5:1 aus dem Etihad-Stadion pulverte. Aber was sagt ein solches Spiel schon über diesen Achtelfinal?

Basel musste in erster Linie gewinnen. Für die Moral. Das war zwingend nach dem Fehlstart gegen Lugano. Eine Reaktion musste her, das forderte Trainer Raphael Wicky. Und eine Reaktion kam. Schon nach 30 Sekunden steht Ricky van Wolfswinkel mutterseelenallein vor Thun-Keeper Djordje Nikolic. Der Holländer zieht ab, der Serbe pariert glänzend.

Thun kommt in der Folge kaum zum Luftholen. Basel drückt den Underdog in der eigenen Platzhälfte fest. Nach knapp einer Viertelstunde klärt Thun-Verteidiger Stefan Glarner auf der Linie. Die Berner Oberländer wirken völlig überfordert. «Wir sind sehr gut in den Match gestartet. Mit Hunger, mit der richtigen Mentalität», sagt FCB-Trainer Raphael Wicky.

Der einzige Vorwurf, den sich die Basler machen lassen müssen: Sie nutzen ihre Chancen zu wenig konsequent. Erst durch einen Kopfball von Dimitri Oberlin, der von den Thuner Verteidigern sträflich alleine gelassen wird, bringt kurz vor der Pause das 1:0.

«Der Zeitpunkt war perfekt. Das hätte uns eigentlich Mut geben müssen für die zweite Halbzeit. Aber dann haben wir nichts mehr gemacht für das Spiel, haben Thun das Spieldiktat quasi in die Hände gedrückt. Wir haben zu wenig Impulse gesetzt, hatten zu wenig Bewegung», analysiert Assistgeber Michael Lang, was in der Folge geschieht.

Pep Guardiola trifft mit Manchester City auf den FC Basel

Pep Guardiola trifft mit Manchester City auf den FC Basel

Am Schluss haben die Berner Oberländer fast 60 Prozent Ballbesitz. Thun dominiert, Basel ist immer einen Schritt zu spät, gedanklich langsamer. Erschreckend und für Trainer Wicky direkt nach dem Spiel nicht erklärbar.

Doch das Unvermögen der Thuner Angreifer, FCB-Goalie Tomas Vaclik und die Fussballgötter, verhindern den Ausgleich. Und dann ein FCB-Konter: Elyounoussi legt zu Bua, der zum 2:0 einschiebt. Der so wichtige Sieg nach der Auftaktpleite gegen Lugano ist sicher, die Moral ein bisschen aufgepeppt.

«Wir wollen Titel holen»

Und damit kommen wir zum nächsten Gegner der Basler, zu Manchester City: Noch vor einer Woche schien es, als hätte City ein Zwischentief. Nur 1:1 spielte die Milliarden-Truppe von Pep Guardiola gegen Burnley. Der Katalone gab seinen Stars darauf drei Tage frei. Damit sie den Kopf durchlüften, durchatmen können.

Sie danken es ihm mit einem atemberaubenden Auftritt gegen Leicester, englischer Meister vor anderthalb Jahren. Mit 5:1 fegen die Citizens die Foxes aus dem Stadion. Stürmerstar Sergio Agüero trifft viermal, Spielmacher Kevin de Bruyne legt dreimal auf.

Peps Dampfwalze ist zurück. Wie immer, wenn sie diese Saison ins Stocken geriet: Auf jeden Punktverlust, auf jede kleine Schwäche folgte ein Sieg. Das sei «eine der besten Leistungen» gewesen, die er von seinem Team gesehen habe, wird Guardiola später sagen.

Aber Guardiola wäre nicht einer der erfolgreichsten Trainer der Welt, wenn er sich damit zufriedengäbe. «Wir geniessen, was wir erreicht haben», meinte er mit Blick auf die 16 Punkte Vorsprung, die man derzeit auf Manchester United, Stadtrivale und Verfolger Nummer 1, hat, «aber wir wollen Titel holen.» Den Meistertitel, natürlich.

Aber nicht nur das: Das grosse Ziel ist der Thron des Klub-Fussballs, der Sieg in der Königsklasse. Und Basel ist das nächste Hindernis, das es plattzuwalzen gilt. Ein nicht allzu grosses, wenn man das Thun-Spiel zum Massstab nimmt.

Doch Michael Lang sagt: «Auch wenn wir 7:0 gewonnen hätten, hätte das nichts zu bedeuten im Hinblick auf das Spiel gegen Manchester City. Das ist ein ganz anderer Fussball.» Dann fügt er an: «Hoffentlich können wir dann wieder unser Champions-League-Gesicht zeigen.» Dem kann man nur beipflichten. Denn sonst gibts ein Debakel.