Rudern

Unglaublich viel harte Arbeit für ein paar Sekunden: Die Erfolgsgeschichte des Basler U19-Achters

Wer erfolgreich rudern will, muss unglaublich viel trainieren. 7-8 Mal pro Woche ausserhalb von Wettkämpfen, Trainingslagern und Job. Warum tun sich diese jungen Basler das an?

Kurz nachdem der Basler U19-Achter auf dem Rotsee bei Luzern als Erster ins Ziel fährt, fällt die Hälfte der Jungs erschöpft in ihre Sitze. Es gibt wohl kaum einen Sport, in dem sich die Athleten so verausgaben wie beim Rudern. Das Glücksgefühl, welches sich dann im Ziel einstellt, wird von Profis und Amateuren immer wieder als «unbeschreiblich schön» beschrieben.

Dieser wenige Sekunden andauernde Emotionscocktail aus völliger Erschöpfung, Stolz und Siegesfreude löst die Freisetzung von Glückshormonen aus. Diese machen süchtig und treiben viele Ausdauersportler und insbesondere auch die Ruderer immer wieder an, sich in unzähligen Trainings zu noch besseren Leistungen zu quälen. Die Geschichte des Basler U19-Achters, der nach dem Gewinn der Schweizer Meisterschaft auch zum Basler Nachwuchsteam des Jahres 2018 gewählt wurde, soll uns diese auf den ersten Blick verrückt erscheinende Faszination näher bringen.

«Eigentlich ist es krank. Aber wir lieben es, uns kaputtzufahren, und machen das seit Jahren. Genau das macht diesen Sport aus», sagt Xenia Gusset. Die 18-Jährige ist die Steuerfrau des Bootes. Weil sie klein und leicht ist und wegen eines Beinbruchs Ende 2017 nicht selber rudern durfte, wird sie von Trainer Thomas Melges zu den gleichaltrigen Jungs in den Achter gesetzt.

Am Anfang war es als «Huhn im Korb» schwer. Immer wieder gibt es Diskussionen, wer im Boot das Sagen hat. Erst als intern abgemacht wird, dass nur Xenias Anweisungen zu befolgen sind, werden auch die Leistungen besser.

Im Herbst 2017 steht die Formation des Achters des Basler Ruder-Klubs fest. Den ganzen Winter trainieren die neun gemeinsam, nur montags gibt es eine Pause. Unzählige Wochenenden verbringen sie in Trainingslagern. Gemeinsames Frühstück mit der Familie gibt es nur noch selten. Alles ist dem grossen Ziel untergeordnet: Schweizer Meisterschaft.

Gemeinsam zu Höchstleistungen

Warum tun sich diese jungen Ruderer das an? «Mir gefallen die ständig neuen Herausforderungen. Jedes Training ist eine Challenge», sagt Jonathan. «Man kann draussen oder drinnen trainieren, in der Gruppe oder allein, und alle Muskelgruppen werden beansprucht», sagt Xenia. Julius ergänzt: «Trotzdem bleibt es ein Teamsport. Es ist ein mega langer Weg, bis alle dasselbe machen. Und nur wenn das so ist, ist das Boot auch schnell.» «Es macht einfach unglaublich viel Spass, mit super Leuten ein Jahr lang auf ein grosses Ziel hinzuarbeiten», sagt Clay.

Um ihr Ziel zu erreichen, betreiben die Teenager einen immensen Aufwand. Zeit für anderes bleibt neben Schule oder Job kaum. «Meine besten Freunde sind die acht aus dem Ruderboot», sagt Jonathan. Es ist wohl genau das, was diesen Sport ausmacht. Das gemeinsame Ziel und die vielen gemeinsamen Erlebnisse auf dem Weg dahin schweissen die jungen Erwachsenen auf eine ganz besondere Art zusammen.

Die Arbeit zahlt sich aus. Die jungen Basler Ruderer machen Fortschritte und distanzieren ihren härtesten Konkurrenten im Final um mehr als eine Bootslänge. Im Ziel gibt es dann den beschriebenen Emotionscocktail.

Der Final im Video:

Und weil der süchtig macht, trainiert zumindest der Teil des Achters, der noch nicht mit dem Studium angefangen hat oder in Neuseeland das Leben geniesst, fleissig weiter. Jonathan und Julius probieren sich im Zweier, Clay liebäugelt mit dem Schweizer Nationalkader und Johannes bewirbt sich in Dortmund für ein Studium, weil er hofft, beim dort ansässigen deutschen Ruderstützpunkt unterzukommen und eines Tages Profi zu werden.

Erfolgreiche Basler Frauen

Neben dem Junioren-Achter sind auch weitere Athleten des Basler Ruder-Klubs der Sucht verfallen und sportlich erfolgreich unterwegs. Vivien Goretic und Paula Bieg wurden 2018 gleich in zwei Bootsklassen U15-Schweizer-Meister, Henrik Angehrn gewann Bronze. Katharina Ebert und Meret Renold gewannen an den nationalen Titelkämpfen im Junioren-Zweier.

Bereits im Frühjahr 2018 gewann Julia Andrist bei der nationalen Meisterschaft Swiss Rowing Indoors. Ebert, Renold und Andrist nahmen aufgrund ihrer guten Leistungen an einem internationalen Vergleichswettkampf in Irland teil. Ebert schaffte es schon 2018 in den Nationalkader und holte für die Schweiz an der Junioren-WM in Tschechien einen 8. Rang.

In diesem Jahr stehen alle drei Basler Juniorinnen im Nationalkader. 2019 wollen sie noch besser und erfolgreicher werden. Möglicherweise schafft es eine der jungen Baslerinnen sogar an die Junioren-Europameisterschaft in Essen (D) oder an die Weltmeisterschaft in Tokyo (JPN).

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