Basels Sportvereine

Unihockey Basel Regio: Mit voller Kraft für den Aufstieg und gegen den Turnhallen-Mief

Die Spieler von Unihockey Basel Regio möchten in diesem Jahr den Aufstieg in die NLA bejubeln.

Die Spieler von Unihockey Basel Regio möchten in diesem Jahr den Aufstieg in die NLA bejubeln.

Unihockey Basel Regio möchte im dritten Anlauf endlich in die Nationalliga A aufsteigen und damit endgültig die bittere Niederlage vom vergangenen Jahr abhaken. Neben der sportlichen Mission basteln die Verantwortlichen an einer Sportarena.

Aller guten Dinge sind drei. Es ist eine Redensart, die im Sport gerne verwendet wird. Sie verleiht Hoffnung für die Zukunft, verweist aber auch auf zwei Enttäuschungen in der Vergangenheit. Die NLB-Spieler von Unihockey Basel Regio sind mit dem Sprichwort bestens vertraut. Zwei Mal haben die Basler Unihockeyaner intensiv am Aufstieg in die Nationalliga A geschnuppert, zwei Mal scheiterten sie im entscheidenden Aufstiegsduell. Im vergangenen Jahr standen die Basler bereits mit einem Bein in der höchsten Spielklasse. In den Sandgruben, der Heimstätte von Unihockey Basel Regio, kam es gegen den NLA-Verein UHC Thun zum alles entscheidenden siebten Spiel. 887 Zuschauer wollten die Heimmannschaft zum Aufstieg peitschen, die Euphorie war so gross wie noch nie. 3:1 lagen die Basler 15 Minuten vor Schluss in Führung, die Tür zur NLA weit aufgestossen. Doch die Thuner retteten sich in die Verlängerung und stiessen die Aufstiegstüre für Basel Regio dann schlagartig zu. «Die Enttäuschung war immens. Keiner von uns zweifelte daran, dass wir den Aufstieg schaffen würden», sagt Patrick Mendelin, Sportchef und Star-Spieler der Basler.

Was nach der Niederlage folgte, lässt sich durch einen weiteren Aphorismus beschreiben. In der Niederlage zeigt sich die wahre Grösse. Die Spieler um Mendelin haderten nicht mit der Niederlage, blickten nach vorne und stellten fest, dass sie den Sack gegen die Thuner bereits vorher hätten zumachen müssen. Die Mannschaft rappelte sich auf und holte sich in der jetzigen Saison problemlos den NLB-Titel. Noch haben sie das Aufstiegsspiel, das ihnen die dritte Chance gegen einen Vertreter der höchsten Spielklasse geben würde, nicht erreicht. Zuerst müssen die Basler zwei Konkurrenten aus der eigenen Liga aus dem Weg räumen, es sollte nicht mehr als eine Pflichtaufgabe sein. «Wir haben unsere Lehren aus der Vergangenheit gezogen. Ich bin davon überzeugt, dass es dieses Jahr mit dem Aufstieg klappt», sagt Mendelin.

Die Ziele des Vereins gehen über den Aufstieg hinaus

Die zwei Pleiten in den Aufstiegsspielen der letzten beiden Jahre verschleiern ein wenig den Erfolgszug, auf dem sich die Basler eigentlich befinden. 2012 entstand Unihockey Basel Regio und brachte die besten Junioren aus den Vereinen Basel United, Muttenz-Pratteln, TV Oberwil und Squirrels Ettingen zusammen. Patrick Mendelin ist es zu verdanken, dass die Sportart Unihockey nach dem Rückzug von Basel Magic im Jahr 2008 in der Region Basel nicht in der Bedeutungslosigkeit versank. Noch als Stammspieler beim NLA-Verein Wiler-Ersigen führte er Gespräche und bastelte an seiner Herzensangelegenheit: Spitzenunihockey in der Region Basel. Vor allem dem Nachwuchs wollte er etwas bieten, zu viel Talent ging über einige Jahre verloren, weil es am Rheinknie schlicht kein entsprechendes Team gab. «Ohne mich würde es den Verein in dieser Form nicht geben», sagt Mendelin. Es ist eine Aussage, hinter der keine Arroganz, sondern die pure Wahrheit steckt.

Der Aufstieg in die NLA wäre der vorläufige Höhepunkt seines Lebenswerks. Seine Mission sieht er damit aber noch nicht als vollendet. «Wir wollen nicht einfach nur aufsteigen, damit wir aufgestiegen sind», sagt er. Sie wollen sich langfristig unter den besten Schweizer Mannschaften etablieren. Auf Lorbeeren würde sich Mendelin nie ausruhen.

Eine Eventhalle soll den Turnhallen-Mief verdrängen

Der aktuelle Fokus liegt noch auf Langenthal, die am Samstag zum Auftakt der Playoffs in der Basler Rankhofhalle zu Gast sind. «Ein Aufstieg wäre für uns, für die Region und auch für die Gesamtschweiz gut. Es ist ein Mangel, dass es keinen NLA-Verein aus der Nordwestschweiz gibt», denkt Rainer Altermatt, Geschäftsführer des Vereins, aber bereits weiter. Er arbeitet nebst dem sportlichen Teil unter Hochdruck an einer weiteren Mission. Er möchte in Basel eine Eventhalle mit bis zu 2000 Zuschauern. Mit Plätzen, die rings um das Spielfeld gehen. Mit richtigen Schalensitzen anstatt unbequemen Holzbänken. «Wir haben den Turnhallen-Mief und kein Arena-Feeling. Eine Eventhalle ist mittelfristig eine absolute Notwendigkeit», sagt er. Ihm schwebt eine Ballsporthalle wie die Axa-Arena in Winterthur vor. Bis dahin ist es für die Verantwortlichen noch ein langer Weg, sogar eine Arena in zehn Jahren sei bereits optimistisch. Trotzdem wollen sie ihr Ziel bereits vorher realisieren. Der sportliche Zusammenschluss mit der nationalen Spitze könnten die Basler dennoch  um einiges schneller bewerkstelligen. Es muss nur noch mit dem Aufstiegsspiel klappen.

Nachgefragt bei Patrick Mendelin, Sportchef und Star-Spieler bei Unihockey Regio Basel

Patrick Mendelin wünscht sich eine eigene Eventhalle.

Patrick Mendelin wünscht sich eine eigene Eventhalle.

Warum stehst Du wie kein anderer für Unihockey Regio Basel?

Patrick Mendelin: Ich bin derjenige, der die ganze Idee, die den Verein aktuell auszeichnet, ausgearbeitet und mitgetragen hat. Ohne mich würde es den Verein in dieser Form nicht geben. Ich habe das Projekt initiiert und war bei der Umsetzung mitverantwortlich. Ich konnte aber auch immer auf eine hervorragende Unterstützung zahlreicher anderer Personen im Verein zählen.

Was macht Deinen Verein für Dich aus?

Es ist ein Verein, in den ich viel Zeit investiere. Ich möchte weiterhin Sport auf einem hohen Niveau betreiben. Der Verein ermöglicht mir dies.

Kannst Du dir vorstellen, den Verein irgendwann wieder einmal zu verlassen?

Grundsätzlich nicht. Es ist das, was ich mit viel zeitlichem Aufwand aufgebaut habe. Deswegen möchte ich in Basel bleiben und das Projekt weiterentwickeln. Auch als Spieler kann ich mir einen Wechsel aktuell nicht vorstellen. Ich möchte mit dem Team in die NLA und dort ein Playoff-Team werden.

Heisst das Ziel für Euch eines Tages Schweizer Meister?

Ja, natürlich. Bei einem Aufstieg wollen wir zuerst in die Playoffs. Wenn man dort regelmässig ist, will man irgendwann auch um den Titel mitspielen. Ich bin genug realistisch und weiss, dass das in den nächsten Jahren nicht unbedingt extrem realistisch ist. Aber sag niemals nie. Ich weiss nicht, welche Spieler der Sportchef noch aus dem Hut zaubert (lacht).

Was war das verrückteste Spiel, das Du bei Unihockey Basel Regio erlebt hast?

Das Aufstiegsspiel im siebten und entscheidenden Spiel gegen Thun. Wir waren sportlich noch nie so nah an der NLA. Wir hatten auch noch nie so viele Leute in der Halle. Wir haben gemerkt, dass wir die Leute in der Region bewegen können und dass Unihockey wahrgenommen wird.

Wie lange hattest Du den entscheidenden Gegentreffer noch vor Augen?

Nicht lange. Wir gingen anschliessend gemeinsam Nachtessen. Natürlich war bei allen eine gewisse Enttäuschung vorhanden. Aber wir haben bereits wieder nach vorne geblickt und gesagt, dass es nicht einfach nur an der verlorenen Verlängerung lag.

Was würdest Du an deinem Verein ändern, wenn Du es könntest?

Ich würde gerne eine Liste aufstellen mit den Leuten, die wir brauchen und dass die dann nächste Woche auch kommen (lacht). Im Ernst: Zu schauen, wer zu uns kommt und sich bei uns engagiert, ist die grösste Herausforderung.

Was ist Dein Traumszenario für die Zukunft?

Wir haben eine Eventhalle mit 2000 Zuschauern und ein Budget von ungefähr einer Million Franken. So können wir Spieler auch finanziell entschädigen. Zudem wachsen wir vor allem auf jüngster Stufe mit unseren Stammvereinen. Der Schweizer Meistertitel wäre schliesslich das Produkt dieser Entwicklung. Das muss aber nicht unbedingt bei den Herren sein, das kann genauso gut bei den Damen und den Junioren passieren.

Meistgesehen

Artboard 1