Als er am 4. Februar von der Videoleinwand grüsst, einen neuen Vertrag über ein Jahr unterschreibt und strahlt, freuen sich alle in Basel mit ihm. Matías Delgado bleibt ein Jahr länger. Der Captain, der Publikumsliebling, die Identifikationsfigur bleibt erhalten. Eine frohe Botschaft, auf die lange gewartet werden musste.

Und die es unter anderen Umständen wahrscheinlich auch nicht gegeben hätte. Dann nämlich, wenn die neusten Entwicklungen um die Zukunft des Vereins früher ausgekommen wären. Wenn früher klar gewesen wäre, dass Bernhard Heusler und Georg Heitz im Sommer gehen wollen.

Matias Delgado: «In den Ferien entschied ich mich weiter zu spielen.»

Matias Delgado: «In den Ferien entschied ich mich weiter zu spielen.»

Als Delgado davon erfährt, fällt er aus allen Wolken. «Es war für mich genauso eine grosse Überraschung. Gegge (Heitz, Anm. d. Red.) und Berni (Heusler) haben nicht im Vorfeld mit mir geredet.» Also wusste er auch bei der Vertragsunterzeichnung nichts davon. Wenn er davon erzählt, spürt man, dass er sich gefreut hätte, es vorher gewusst zu haben.

Aber viel mehr als die Tatsache, dass er es damals nicht wusste, trifft ihn der Fakt, dass sie gehen werden. «Das macht mich sehr traurig. Langsam verlassen alle den Club, die mich damals überzeugt und zurückgeholt haben. Sie lassen mich alleine.» Emotionale Worte von einem, dessen engste Vertraute im Team – Behrang Safari und Walter Samuel – erst im Sommer den Verein verlassen hatten.

Und jetzt gehen auch noch Heusler und Heitz. Aber er verstehe die Entscheidung. «Vielleicht sind sie müde, oder der Stress wurde zu gross. Es ist nicht einfach, einen so wichtigen Club zu managen.»

Allem Verständnis von Delgado zum Trotz drängt sich dennoch schnell die Frage auf, was es geändert hätte, hätte er schon länger von den Plänen seiner Chefs gewusst. Hätte er dann auch unterschrieben? Oder hätte er im Sommer einen Schlussstrich gezogen? Klar ja oder nein sagen mag er nicht.

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Auch, weil er ja gar nicht die Möglichkeit hatte, sich ebendiese Gedanken zu machen, wie er erklärt. Aber wenn Delgado über Heusler und Heitz spricht, dann wird ziemlich deutlich, was er gemacht hätte, hätte er früher Bescheid gewusst. «Meine Entscheidung, weiterzumachen, war schon auch für sie, weil ich wirklich sehr gerne mit ihnen zusammenarbeite. Als ich mir das Pro und das Contra eines weiteren Jahres überlegt habe, waren Berni und Gegge klar auf der Pro-Seite.»

Ohne die beiden werde es unglaublich schwer werden, ist er sich sicher. «Sie sind sehr wichtig für mich. In den Krisenmomenten waren sie immer an meiner Seite. Sie waren immer positiv.» Gerade im ersten Jahr, als es für ihn nicht gut lief, hat sich für Delgado die Klasse von Heusler und Heitz gezeigt. «Sie haben mich nie angerufen und gefragt ‹Was ist los?› oder ‹Wann fängst du endlich an, gut zu spielen?›. Das ist nicht normal.»

Im Moment kann Delgado nicht spielen. Schon letzte Woche musste er zuschauen, weil er eine Entzündung im Zeh hat. Jetzt schmerzen auch noch die Adduktoren. Aber so komisch es auch klingen mag: Vielleicht ist es gar nicht schlecht, dass er gerade nicht liefern muss. Denn beim feinfühligen Argentinier spiegelt sich auf dem Platz vieles wieder. Wenn Urs Fischer sagt, dass solche Neuigkeiten nicht spurlos an einer Mannschaft vorbei gehen, dann trifft das insbesondere auf Delgado zu.

In den letzten Tagen hat sich der 34-Jährige viele Gedanken gemacht. Auch jenen, dass Heusler und Heitz «vielleicht gar nicht daran gedacht haben, dass wir alle zusammen hätten gehen können. Aber ich denke, sie wollten nicht, dass ich es von ihnen abhängig mache. Sie denken wohl, dass ich wichtig bin für die Mannschaft, den Club und die Stadt.» Und genau deshalb darf davon ausgegangen werden, dass die beiden ihm eben genau deshalb nicht früher etwas gesagt haben. Damit der FCB nicht auch noch auf dem Platz sein Herzstück verliert.