Super League

Urs Fischer: «Für mich war es eine Frage der Zeit, bis Birkir Bjarnason geht»

Birkir Bjarnason trägt künftig das Trikot von Aston Villa.

Birkir Bjarnason trägt künftig das Trikot von Aston Villa.

Islands EM-Held Birkir Bjarnason verlässt den FC Basel in Richtung England. Er will beim Zweitligisten Aston Villa seinen Traum von der Premier League verwirklichen. Sein Abgang ist auch eine Chance für den Nachwuchs.

Nun also doch. Noch vor einer Woche im Trainingslager in Marbella hatte sich Wandervogel Birkir Bjarnason noch zum FC Basel bekannt: «Ich fühle mich wirklich wohl hier und bin sehr glücklich. Im Sommer sind es zwei Jahre. Das ist gut.» Denkste. Genau eine Woche später jettet der Isländer über den Deich, um in Birmingham den Medizin-Check zu absolvieren und seine Unterschrift unter einen langfristigen Vertrag bei Aston Villa zu setzen.

Zu Aston Villa? Dass Bjarnason ausgerechnet dorthin wechselt, überrascht. Der Isländer hatte zwar immer wieder öffentlich mit Englands Eliteliga geflirtet: «Die Premier League ist wirklich gross in Island. Ich würde gerne einmal bei einem guten Verein in England spielen.» Doch nun soll ein Zweitligist, der als Tabellendreizehnter neun Punkte vom Aufstiegs-Playoff-Platz sechs entfernt ist, ebendieser «gute Verein» sein?

Immerhin. Aston Villa geniesst Tradition, war vor dem Abstieg im Sommer 2016 24 Jahre ununterbrochen in der Premier League und freut sich auch in der zweitklassigen Championship immer noch über mehr als 30 000 Zuschauer, die bei Heimspielen in den Villa Park strömen. Dennoch rücken für Bjarnason Titelgewinne oder das internationale Geschäft in weite Ferne.

Ist der blonde Engel wohl auch einfach dem süssen Geruch des Geldes gefolgt? FCB-Sportchef Georg Heitz bestätigt, dass sich Bjarnasons wirtschaftliche Situation durch den Transfer sicherlich verbessert hat und erklärt auch, dass es für einen 28-Jährigen die wahrscheinlich letzte Chance sei, einen solch lukrativen Vertrag abzuschliessen.

Lockte Bjarnason bloss den Ruf des Geldes?

Lockte Bjarnason bloss den Ruf des Geldes?

Doch nebst dem Finanziellen haben die Verantwortlichen bei Aston Villa in den Gesprächen wohl auch vor allem Bjarnasons Traum von der Premier League geschürt. Seit Sommer ist Villa in den Händen des chinesischen Investors Jiantong Xia, der nun reichlich Geld für Transfers bereitstellt. Bjarnason ist bereits der vierte Winterneuzugang der «Villans». Ganz abgehakt hat man den Traum vom Wiederaufstieg in Birmingham in dieser Saison noch nicht.

Was bleibt von Bjarnason, der in anderthalb Jahren für den FCB in 64 Spielen 17 Tore und sieben Assists verbuchen konnte? Da wäre eine ordentliche Debütsaison, gefolgt vom isländischen EM-Märchen und einem letzten halben Jahr, in dem der Isländer überspielt wirkte und vor allem in grossen Spielen enttäuschte.

«Wir verlieren einen Nationalspieler, der immer seine Leistung gebracht hat. Solche Spieler gibt man nicht gerne ab», sagt Heitz, der dennoch wieder einen Deal abgeschlossen hat, der sich für den Verein rentiert. Man kann davon ausgehen, dass Aston Villa nun deutlich mehr als die zwei Millionen Euro, die Basel für den Isländer damals aufgebracht hat, in die Schweiz überweist.

Für den FC Basel resultiert ziemlich sicher ein hoher Transfergewinn.

Für den FC Basel resultiert ziemlich sicher ein hoher Transfergewinn.

Auch Trainer Urs Fischer hat die Trennung von einem seiner Lieblingsspieler, auf den er immer gesetzt hat, überraschend schnell überwunden. «Für mich war es eine Frage der Zeit, bis Birkir geht. Er wird uns fehlen, aber gleichzeitig öffnet sein Abgang auch die Tür für einen anderen.»
Fischer dürfte damit Kevin Bua, Jean-Paul Boëtius oder auch den nun verletzungsfreien Dereck Kutesa angesprochen haben, die in der Hinrunde kaum zum Einsatz kamen. «Für diese Spieler gibt es jetzt mehr Luft. Sie können sich beweisen», ergänzt Heitz.

Chance für den Nachwuchs

Beim gestrigen Testspiel gegen Chiasso erhalten die Jungen gleich ihre erste Chance. Bis auf Taulant Xhaka, Marc Janko und Seydou Doumbia werden sämtliche Stammspieler geschont. Nach einer verkrampften ersten Hälfte ist es dann Bua, der in der 52. Minute frei vor Chiasso-Goalie Bellante auftaucht und zur Führung einnetzt. Den 2:0-Endstand gegen das abstiegsbedrohte Team aus der Challenge League besorgt das eingewechselte Eigengewächs Neftali Manzambi (85.) mit einem flachen Gewaltschuss.

Fischer freut sich über die neuen Alternativen aus dem Nachwuchs, zu denen neben Manzambi auch Raoul Petretta und Charles Pickel gehören. «Die Jungen waren heute sehr bemüht. Sie wollen ihre Chance nutzen.» Bis auf Weiteres bleiben die angesprochenen Talente bei der ersten Mannschaft, zu der am Freitag auch die beim Afrika-Cup ausgeschiedenen Ivorer Serey-Die und Traoré zurückkehren. Auch ohne Bjarnason erwartet Fischer ganz frei von Verletzungssorgen dann 29 Spieler zum Training.

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