Als Spieler hat er es nie geschafft. Als Trainer stand er zweimal an der Tür zur Königsklasse, zweimal wurde sie ihm vor der Nase zugeschlagen. Und so musste Urs Fischer 50 Jahre alt werden, um endlich ganz oben anzukommen. In der Sternen-Liga. Es ist die Krönung seiner von harter Arbeit geprägten Karriere. Er ist da angelangt, wo die Millionen sprudeln, da, wo der Fussball die ganz grossen Geschichten schreibt.

Urs Fischer, den Freunde als «bodenständig», «hemdsärmlig» und «authentisch» beschreiben. Der Zürcher in Basler Diensten. Geschätzt, aber wohl nie so geliebt wie bei seiner Kindheitsliebe, dem FCZ. Mit 7 Jahren beginnt er dort mit dem Fussball, er durchläuft die Nachwuchsabteilung, schafft den Sprung in die erste Mannschaft. Als er mit 37 Jahren aufhört, hat der von Gegenspielern als «ekelhaft» bezeichnete Verteidiger 545 Spiele auf dem Buckel. Bis heute hat kein anderer Spieler mehr Partien in den höchsten Schweizer Ligen bestritten.

«Ein Gefühl der Befreiung»

Trotzdem holte er nur einen einzigen Titel, gewann 2000 mit dem FCZ den Cupfinal gegen Lausanne. Als der damalige FCZ-Captain den Pokal in die Luft stemmen soll, gibt er ihn Präsident Sven Hotz weiter. So ist Urs Fischer. Er opfert sich auf, gibt alles für ein Ziel. Wenn er aber angekommen ist, sucht er nicht das Rampenlicht, dann lässt er anderen den Vortritt, spricht davon, wie viele Menschen zum Erfolg beigetragen haben, sagt «wir», nicht «ich».

Als seine Tochter Riana (21) letzten Frühling vom Schweizer Fernsehen nach dem Glamourfaktor ihres Vaters gefragt wird, muss sie lachen. Denn an Urs Fischer ist in etwa so viel Glamour wie an Ronaldos Sixpack Fett.

Ganz anders sein Vorgänger Paulo Sousa. Als Spieler eroberte er mit Juventus Turin den Champions-League-Thron, spielte in Portugal, Italien, Deutschland, Griechenland und Spanien. Er ist ein Mann von Welt, stolzierte als FCB-Trainer im edlen Anzug der Linie entlang. In tänzerischer Leichtigkeit scheint er von Titel zu Titel, von Klub zu Klub zu wechseln.

Urs Fischer dagegen hat sich hochgeschuftet. Erstmals in seiner Karriere wurde er letzten Sommer Schweizer Meister und sicherte dem FCB damit die direkte Qualifikation für die Champions League. «Das war ein Gefühl der Befreiung», gesteht er. Denn Fischer hat gelitten, um endlich da anzukommen. Zweimal schon scheiterte er kurz vor dem Ziel, der Qualifikation für die Gruppenphase der Champions League – 2011 mit dem FC Zürich und letztes Jahr mit dem FC Basel.

Es war eine seiner grössten Niederlagen, obschon er nicht verlor. Aus gegen Maccabi Tel Aviv, Europa League statt Königsklasse – und das nach zwei Unentschieden. «Ein wahrlich katastrophaler Moment, sehr, sehr bitter», erinnert sich Fischer.

Und er sagt: «Wissen Sie, nach dem 2:2 in Basel, da war klar, dass es schwierig wird. Dann wird einem plötzlich bewusst, was das bedeutet, dass es um 20 Millionen geht. Es soll mir keiner sagen, dass es einfach ist, damit umzugehen. Es geht hier nicht nur um die erste Mannschaft, beim FC Basel arbeiten eine Menge Leute.»

Typisch Fischer

Ansonsten denke er nicht an die Millionen, die klingelnden Kassen. In diesem Moment aber schon. Fischer: «Dieser negative Druck ist heftig. Aber er darf nie so heftig werden, dass er einen lähmt. Spieler wie Trainer müssen damit umgehen können, ganz klar. Das gehört zum Geschäft. Aber es ist bei weitem nicht so einfach, wie man meint.»

Diese Last muss er nun, nach dem souveränen 19. Meistertitel, nicht mehr tragen. Und er sagt: «Ich freue mich unheimlich.» Auf die grossen Gegner, auf die Spiele vor ausverkauftem Stadion, auf die ganz grosse Fussball-Bühne. Und natürlich auf die Hymne, die die Herzen aller Fussball-Fans höherschlagen lässt, auf den vom britischen Komponisten Tony Britten in Anlehnung an die Werke von Georg Friedrich Händel geschriebenen Gänsehaut-Garanten. Und: «Die Aufmachung mit diesen Sternen, das ist halt schon ein bisschen anders als die Europa League.»

Es ist einer dieser typischen Fischer-Sätze. Und irgendwie kann man ihn sich in diesem Moment, wie er so dasitzt im Trainer des FC Basel – die Stimme rau, die Haare grau, der Bart stoppelig – nicht wirklich vorstellen in diesem Wettbewerb der Superstars, im Blingbling der Champions League. Doch das tut nichts zur Sache, Urs Fischer hat sich diesen ganz grossen Auftritt verdient. Mit ehrlicher Arbeit. Mit viel Schweiss. So wie alles in seiner Karriere.