Basketball
Uzas und der Zauberwurf zwei Sekunden vor dem Ende

Was lange nach einer peinlichen Heimniederlage gegen den Tabellenletzten aussah, verkam in einer Tollhaus-Atmosphäre zu einem Sieg in extremis. Rokas Uzas erzielte mit der Endsirene aus zehn Metern den entscheidenden Korb.

Georges Küng
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Starwing-Star Justin Rutty (r., hier im Einsatz gegen Boncourt) zeigte gegen Lugano eine starke Leistung.

Starwing-Star Justin Rutty (r., hier im Einsatz gegen Boncourt) zeigte gegen Lugano eine starke Leistung.

Kenneth Nars

A«Meine Mannschaft hat die Fähigkeit, das Einfache kompliziert zu machen. Sie kann aber auch das Schwierige zu einer simplen Sache machen». Das waren die ersten Worte von Starwings-Trainer Viktor Mettler nach einer Partie gegen Boncourt, die ein absolutes Wechselbad der Gefühle war.

Die Gastgeber hatten beschwingt begonnen, lagen nach sieben Minuten mit 19:11 in Führung und es schien, als würde das Birstaler Kombinat zum erwarteten Proforma-Sieg kommen. Aber die «Wings» haben eine Konstante – und das ist die Inkonstanz. Innert fünf Minuten setzte es ein 4:20 ab, weil leichtfertige Ballverluste, ungenügendes Ausblocken beim Defense-Rebound und forcierte Würfe dazu führten, dass die Gäste plötzlich mit 23:33 in Führung lagen. Wohl schaffen die «Wings» nach der Pause umgehend den Ausgleich – doch dann ging in der Folge gar nichts mehr. Und als es nach 28. Minuten 59:72 stand, da war die Talsohle erreicht.

Mit drei neuen Profis

Boncourt, das mit drei neuen ausländischen Profispielern angetreten war, wies eine unverschämt gute Wurfquote auf. Ob dies an den Qualitäten von Emmanuel Holloway – der amerikanische Spielmacher war von niemandem und durch nichts zu bremsen – und Stephen Sir (der kanadische «Oldie» traf zeitweise aus acht Metern Distanz) lag oder an der ungenügenden Defenseleistung der Gastgeber, sei mal dahingestellt. Im letzten Viertel ging endlich ein Ruck durch die Starwings. Nach 36 Minuten stand es 80:81 – und von da an verkam die Sporthalle zum Tollhaus. Und dann trat ein Mann auf den Plan, der zu allem fähig ist. Rokas Uzas, dieser extrovertierte, lebensfrohe Litauer, kann zaubern und Korb und Korb erzielen. Er kann aber auch derart liederlich aufspielen, dass man ihm den Status eines Profispielers nicht abnimmt und zum Ärgernis wird.

Zuschauer aus dem Häuschen

Die letzten 200 Sekunden waren ein Hin und Her. Die Unterbaselbieter legten vor, die Jurassier glichen, meist mit unerwarteten Dreipunktewürfen aus. Sieben Sekunden vor der Endsirene glich Boncourt (durch Zuzug Holloway) aus. Starwings-Center spielte den Abwurf zu Rokas Uzas und der 202 Zentimeter grosse Blondschopf dribbelte nach vorne und warf zwei Sekunden vor Matchende aus zehn (!) Metern Richtung Korb. Und der Ball landete – ohne den Ring zu berühren – im mitten im Ziel. Die Zuschauer, darunter sehr viele, die von einem Hauptsponsor eingeladen worden waren und erstmals ein Basketball-Spiel sahen, flippten förmlich aus.

Zu viele Gegentreffer

Auf diesen letzten Zauberwurf konnte Boncourt nicht mehr reagieren, so dass die Starwings zu zwei Punkten kamen, die nach drei Vierteln unerreichbar schienen. Bei aller Freude über den Sieg, der noch lange gefeiert wurde, müssen Trainer Mettler und die Mannschaft über die Bücher. Wer zuhause gegen Boncourt, das einen Sieg in nun 16 Partien feiern konnte, mehr als 90 Punkte kassiert, der hat seine defensiven Aufgaben nicht gemacht. «Wir haben nicht optimal gespielt, doch zuletzt zählt nur das Resultat», so Joël Fuchs, der überraschend in der Anfangsformation den Part des Aufbauers spielte. Und der Zürcher und dienstälteste Starwings-Akteur hatte mit seiner Aussage recht.