Valentin Stocker, wie haben Sie davon erfahren, dass Sie Captain werden?

Valentin Stocker: Ich habe schon letzte Saison gute Gespräche mit dem Trainer gehabt und in den ersten Tagen der Vorbereitung hat sich das ein bisschen heraus kristallisiert. Natürlich ist die Freude riesig. Wenn ich überlege, wer da sonst schon alles die Captain-Binde getragen hat, ist es eine riesige Ehre, dies jetzt auch tun zu dürfen. Das ist für meine Karriere das Tüpfchen auf dem I, die Binde bei meinem Herzensverein tragen zu dürfen.

Das heisst, Sie haben auch nicht gezögert, diese Aufgabe zu übernehmen?

Nein, überhaupt nicht. Als ich zurück zum FCB gekommen bin, war es meine Vorstellung, dass ich hier helfe, wie mir damals geholfen wurde, als ich als junger Spieler hochgekommen bin. Das habe ich in diesen 1,5 Jahren nicht nur versucht auf den Platz zu bringen, sondern auch in Gesprächen mit den Jungen einzubringen, die vor Situationen stehen, die nicht so einfach sind. Das hat sich so entwickelt seit meiner Rückkehr.

Valentin Stocker und Taulant Xhaka.

Valentin Stocker und Taulant Xhaka.

Waren Sie überrascht, dass Marcel Koller Sie zum Captain gemacht hat?

Das ist schwierig zu sagen. Ich denke, die Gespräche mit Marcel waren immer offen und ehrlich. Natürlich ist zu Beginn seiner Zeit bei mir Verletzungspech dazu gekommen. Aber ich kann mir vorstellen, dass für ihn mit den Leistungen in der Rückrunde immer klarer wurde, dass das so herauskommen könnte. Ich bin aber nicht in die Ferien gegangen und dachte mir, dass es sowieso so kommt. Dass es aber so sein könnte, hatte ich im Hinterkopf.

Sie haben viele Captains erlebt in Basel. Von wem nehmen Sie am meisten mit?

Ich nehme von allen ein bisschen etwas mit: Von Ivan Ergic, Franco Costanzo oder Marco Streller. Aber mir ist wichtig zu sagen, dass ich nicht das Gefühl habe, jemand anderes zu sein, nur wegen dem Umstand, dass ich jetzt Captain bin. Ich habe auch nicht das Gefühl, dass ich grundsätzlich Vieles anders machen müsste. Ich will der gleiche Mensch bleiben wie vorher.

Aber Sie haben jetzt schon ein anderes Standing.

Ich habe aber nicht das Gefühl, etwas Besseres zu sein. Ich bin eigentlich ein Freund von ausgeglichenen Hierarchien und nicht davon, dass einer ganz oben ist und alles durchstrukturiert ist. Mein Wunsch ist es, dass auch ein junger Spieler kommen und sagen kann: Damit habe ich ein Problem oder einfach konstruktive Kritik äussert. Davon bin ich Fan, egal ob einer 18 oder 35 ist. Das ist auch wichtig für die Jungen, die müssen irgendwann auch hin stehen und ihre Meinung vertreten können.

Bernhard Burgener im Gespräch mit Marcel Koller

Bernhard Burgener im Gespräch mit Marcel Koller

Planen Sie eine grosse Rede? Oder eine Änderung an Ihrer Kommunikation?

Von mir aus nicht, nein. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich eine grosse Rede schwingen muss. Aber klar ist, dass gewisse Infos in die Mannschaft getragen werden müssen. Da ist es unumgänglich, mehr zu kommunizieren. Das ist eigentlich der Mehraufwand, der entsteht. Und ich will probieren, die Verbindung zwischen der Mannschaft und dem Trainer zu sein und von beiden Seiten her offen und ehrlich die Dinge weiterzugeben. Aber ich will auch gar nicht zu viele Dinge alleine entscheiden. Wir sind im Spielerrat sieben Spieler, da schauen wir die Dinge zusammen an und da ist jeder gefordert, Verantwortung zu übernehmen. Wir haben viele tolle und gute Spieler mit Charakter, da will ich jedem Raum geben, für seine Entwicklung.

Wie glauben Sie, wie Sie sich Ihre neue Rolle verdient haben?

Ich denke, mein Leistungsausweis für diesen Verein ist nicht der schlechteste. Und manchmal muss es auch einfach irgendwie passen, mit dem Trainer aber auch so, dass die Persönlichkeit stimmt. Ich habe eine sehr offene und direkte Art, Dinge auszudrücken. Das ist manchmal erwünscht, manchmal weniger. Ich habe in letzter Zeit auch unglaublich viel Dreck fressen müssen, wusste aber immer, dass ich mit meiner Arbeit belohnt werde. Mit dem letzten halben Jahr, das gut war, und diesem Amt ist das jetzt auch so gekommen. Das fühlt sich wie eine Bestätigung an.

Inwiefern haben Sie viel Dreck fressen müssen?

Wir hatten viel Rückstand auf YB, wurden medial durch den Dreck gezogen. Auch auf mich ist viel hereingeprasselt, das musste ich alles zuerst akzeptieren, weiter trainieren und mehr machen. Das war mental eine enorme Herausforderung.

Haben Sie mit dem Trainer auch konkret über Ihre künftige sportliche Rolle gesprochen?

Ja. Bereits im Winter im Trainingslager hatten wir ein Gespräch. Damals lief es Kevin Bua überragend aber auch ich hatte ein gutes Trainingslager. Dann kam der Trainer zu mir und erklärte mir, dass er jetzt erst auf Kevin baue. Das war für mich okay, aber ich wollte auch, dass er wusste, dass ich bereit bin. Das will ich auch weiter so handhaben, dass ich nicht der unangefochtene Stammspieler bin. Mich darf man auswechseln. Wir haben noch zwei, drei andere Spieler auf meiner Position. Und es gibt genug Gründe: Wenn man mal verletzt ist oder taktische Massnahmen. Da bin ich komplett uneitel. Im Gegenteil: Ich finde es sogar richtig, dass das so gemacht wird. Wir haben junge, talentierte Spieler, die eine Chance haben müssen, mich abzulösen. Das war bei mir und Scott Chipperfield nicht anders, und über seinen Stellenwert müssen wir auch nicht diskutieren. Wenn ich dann zum Beispiel sehe, wie Noah Okafor sich entwickelt, dann freut mich das sehr.

Valentin Stocker, Marco Streller Pascal Zuberbühler und Benjamin Huggel.

Valentin Stocker, Marco Streller Pascal Zuberbühler und Benjamin Huggel.

Haben Sie schon immer so gedacht?

Ja. Schauen Sie, ich bin damals nicht nach Basel gekommen, um Profi zu werden. Ich habe mir bei Kriens einfach nicht zugetraut, gegen erwachsene Männer zu spielen. Ich war in meiner Entwicklung nicht so weit. In Basel hatten wir auf einmal ein enorm gutes Team, von dem die Hälfte Profis geworden sind, und dann kam der Gedanke auch bei mir auf. Aber ich musste als 18-Jähriger bei Christian Gross auch lernen, wie es ist, als Junger nicht so oft eine Chance zu bekommen.

Von aussen wurde erwartet, dass Fabian Frei Captain wird. Jetzt sind es Sie. Haben Sie mit ihm geredet? Wie hat er das aufgenommen?

Ich denke, es ist alles okay. Ich habe nicht das Gefühl, dass da was im Busch ist. Wir haben aber nicht miteinander geredet. Schlussendlich ist doch aber egal, wer das Bändeli am Arm trägt. Verantwortung muss jeder übernehmen, der auf dem Platz steht. Wie gesagt: ich bin nichts Besser und habe nicht das Gefühl, mich anders verhalten zu müssen.

Stört es Sie denn, dass die Nicht-Ernennung von Frei zum Captain das grössere mediale Thema war als Ihre Ernennung?

Ich lese keine Zeitung, daher habe ich das nicht gesehen. Aber wenn das so ist, dann finde ich das extrem schade. Aber negative Dinge werden immer mehr gelesen und gekauft. Das müsste nicht so sein. Ich bin aber sowieso der Falsche, um mich sinnvoll dazu äussern zu können. Da muss man mit dem Trainer reden, wieso er so entschieden hat. Ich denke aber, dass das keine einfache Aufgabe ist, vielleicht ist es Marcel da auch schwer gefallen, Entscheide zu treffen. Aus solchen Situationen kann man gestärkt raus gehen. Und ich habe mit Fabi auch kein Problem.