Valentin Stocker schreit in den Nachthimmel. Es ist eine Mischung aus Freude und Erleichterung. Ausgerechnet er, der seit einem Jahr nach seiner Form sucht, zimmert den Ball in der 101. Minute von der Strafraumgrenze unhaltbar unter Lattenunterkante von Kevin Fickentschers Tor. 3:2 aus Basler Sicht.

Partie gedreht. Wahnsinn. Dass er danach noch ein zweites Tor nachlegt, ist ein Supplement. Der FC Basel gewinnt den Cup-Viertelfinal mit 4:2 und steht im Cup-Halbfinal. Es ist ein Sieg, den noch in der 78. Minute keiner erwartet hätte. Denn bis dahin läuft alles gegen den FCB.

Der FCB scheint früh geschlagen

Erst muss der FCB, der mit derselben Elf wie schon vor zehn Tagen im Meisterschaftsspiel gegen Sion antritt, zwei frühe Wechsel vornehmen. Sowohl Ricky van Wolfswinkel als auch Kevin Bua müssen vom Feld. Es scheint, als wäre der FCB in diesem Spiel der letzten Chance auf einen Titel in dieser Saison schon früh geschlagen.

Doch die Wechsel, die FCB-Trainer Marcel Koller vornehmen mussen, sollen sich später als Glücksfall herausstellen. Denn sowohl Stocker, der Bua ersetzt, als auch Albian Ajeti, der für van Wolfswinkel eingewechselt wird, reihen sich in die Liste der Basler Torschützen ein. Was finster beginnt wird zu einem heiteren Abend für die Basler. Sie stehen im Cuphalbfinal. Dank der Wende in der Nachspielzeit.

Die schnelle Aufholjagd

Dass die Basler sich überhaupt in die zusätzlichen dreissig Minuten retten können, haben sie einer irren Aufholjagd innert zehn Minuten zu verdanken. Nach einem Sittener Doppelschlag in der 70. und der 78. Minute scheint der Gastgeber schon so gut wie im Halbfinal zu stehen. Auf das schön herausgespielte Tor durch den sträflich alleine gelassenen Bruno Morgado folgt eine sehenswerte, direkt verwandelte Ecke von Anto Grgic, bei dem FCB-Keeper Jonas Omlin alles andere als gut aussieht.

Der Basler Schlussmann segelt unter dem Ball durch und lässt Grgic den Ball so ins lange Eck schlenzen. Es ist der erste so gravierende Fehler Omlins in dieser Spielzeit. Von ihm, der in der ganzen Saison der konstanteste und mit Abstand beste Basler war. Am Ende rächt sich sein Fehlgriff nicht.

Wieder verwandelt Zuffi einen Penalty

Die Führung der Sittener ist ohnehin zu hoch angesichts dessen, was der FCB zugelassen hat. Aber die Basler verkürzen nur vier Minuten später durch Ajeti. Und in der 88. Minute tut Luca Zuffi, was er bereits vor zehn Tagen gegen Sion in der Meisterschaft getan hat: Er verwandelt einen Penalty. Dieses Mal einen rechtmässigen: Christian Zock kann den mit hohem Tempo heranstürmenden Noah Okafor nur noch mittels Foul stoppen, Schiedsrichter Stefan Klossner zögert keine Sekunde und zeigt auf den Punkt. 2:2. Verlängerung. Tor Stocker. 3:2. Und später 4:2.

FC Sion misslingt die Revanche für den Final 2017

Es ist am Ende ein spektakuläres Spiel zwischen zwei Teams, die für ihre heissen Cup-Fights bekannt sind. Der FC Sion, der eine ebenfalls starke Leistung zeigt, schafft es nicht, sich mit dieser für den verlorenen Cup-Final von 2017 zu revanchieren. Zum zweiten Mal in Folge bleibt für die Walliser im Cup das Nachsehen.

Sion-Trainer Murat Yakin wartet weiterhin und seit 2011 auf einen Sieg gegen den FC Basel. Für die Basler hingegen lebt der Traum weiter, diese so dermassen verkorkste Saison doch noch zu retten. Mit zwei weiteren Siegen könnte sich der FCB einen Titel holen. Etwas, das der Verein und die Stadt brauchen, nachdem YB in der Liga erneut enteilt ist und das europäische Geschäft verpasst wurde.

Dass ausgerechnet Stocker den Traum des FCB am Leben erhält, ist die besondere Geschichte eines speziellen Abends. «Es geht um Emotionen im Fussball. Die braucht es»., sagt er nach Abpfiff. Wie gross seine sind, sind bei seinem Erlösungsschrei unschwer zu erkennen.