Fabian Frei, Valentin Stocker, wissen Sie eigentlich, seit wann Sie Beiden sich kennen?

(Beide überlegen lange) Fabian Frei: Seit 13 Jahren. Oder 14? Oder wie alt ist man in der U16?
Valentin Stocker: Ja, ich hätte auch gesagt seit der U16, also waren wir da 15. Das macht dann 14 Jahre, seit denen wir uns kennen. Das war damals in der Nati. Du hast gespielt, ich eher weniger …
Frei: Ach, das war doch nur die ersten beiden Zusammenzüge so.

Können Sie sich noch an das allererste Treffen erinnern?

Frei: Ans Allererste nicht. Aber nachher sind Erinnerungen da. Wir waren relativ schnell zusammen im Zimmer.
Stocker: Das muss fast in Ballymena gewesen sein?
Frei: In Nordirland? Da habe ich dir doch noch den Pass gespielt und du das Tor gemacht, nicht wahr?
Stocker: Ja. Da war ich erstmals bei der U16-Nati dabei. Du warst da bereits Captain.

Basels Samuele Campo, links, und Fabian Frei, rechts, beim Trainingsstart der Rueckrunde 2017/2018 des FC Basel.

Basels Samuele Campo, links, und Fabian Frei, rechts, beim Trainingsstart der Rueckrunde 2017/2018 des FC Basel.

Sie haben sich also gleich mit dem Chef angefreundet, Herr Stocker.

Stocker: Ja, ich dachte,  bin ich da irgendwie durch Glück reingekommen, jetzt muss ich da auch drin bleiben (lacht).

Also haben Sie Beiden sich von Beginn an super verstanden?

Frei: Ja, schon.
Stocker: Aber es ist jetzt auch nicht so, dass der Rest der Mannschaft komplett uninteressant gewesen ist.
Frei: Ich weiss auch gar nicht, wieso wir anfangs zusammen im Zimmer waren. Mussten wir oder war das freiwillig? Ich habe echt keine Ahnung mehr.
Stocker: Ich könnte es auch nicht sagen.
Frei: Ab dann waren wir nur noch zusammen im Zimmer.

Sind Sie ähnliche Typen, dass Sie sich so schnell so gut verstanden haben?

Frei: Nein, wir ergänzen uns einfach eher. Wir sind nicht ähnlich …
Stocker: Doch, ähnlich schon.
Frei: Ja okay, aber nicht gleich. Sagen wir es so: Bei grundlegenden Dingen, die uns wichtig sind, haben wir meist eine ähnliche Meinung.
Stocker: Das stimmt.

Welche Dinge sind das?

Frei: Der Umgang mit Menschen.
Stocker: Auch die Stimmung in einer Mannschaft, wie das ganze Gefüge um einen herum passt. Wir haben es auch beide nicht unbedingt gerne, wenn man uns immer sagt, was wir zu tun haben. Oder wir unter negativem Druck Leistung bringen sollen. Ich denke, wir funktionieren beide besser …
Frei (unterbricht): … wenn man uns machen lässt.
Stocker: Und man uns das Vertrauen spüren lässt. Es gibt ja immer zwei Wege. Einen strengeren, bei dem immer alles genau fixiert ist und stets noch mehr gemacht werden soll. Wir aber mochten es schon immer etwas anders.
Frei: Wir lachen einfach gerne vor den Spielen.

Valentin Stocker im ersten Training.

Valentin Stocker im ersten Training.

Sie ähneln sich und auch Ihre Karrieren weisen Parallelen auf. Sie haben gleichzeitig das Abenteuer Bundesliga beendet. Wer hatte in Ihren Augen mehr Erfolg?

Stocker: Da kommt es immer darauf an, was die Parameter für schlechter oder besser sind.
Frei: Wir sind beide weder Meister noch Torschützenkönig geworden. Wenn es aber ums Geldverdienen geht, hatte er mehr Erfolg.
Stocker lacht.  

Wie speziell ist es für Sie, dass sie jetzt zeitgleich zurückgekommen sind?

Stocker: Für mich ist das nicht speziell, sondern ein Zufall.
Frei: Ein schöner.
Stocker: Ja, das sowieso. Ich bin ohnehin dankbar, dass ich von Anfang an in meiner Profi-Karriere immer Leute um mich herum hatte, die ich gern habe.
Frei sinkt im Stuhl nieder, fasst sich ans Herz und tut, als würde nach der Aussage Stockers dahin schmelzen vor Rührung.
Stocker: Das ist nicht selbstverständlich.
Frei: Aber schlussendlich hast du nicht wegen mir unterschrieben.
Stocker: Und du nicht wegen mir.
Frei: Es ist einfach ein Zückerchen. Wir sind zurückgekommen, weil wir wollten, und es gepasst hat.

Wer ist von Ihnen Beiden der bessere Fussballer?

Frei deutet mit dem Finger auf Stocker. Dieser beginnt zu lachen, als er es merkt.
Stocker: Das ist sehr individuell.
Frei: Und vor allem positionsabhängig.
Stocker: Genau. Es ist schwer, zwei verschiedene Positionen zu vergleichen. Schon zwei Spieler auf derselben Position kann man nicht eins zu eins gegenüber stellen.

Sie sind sich sehr oft einig. Gibt es Punkte, in denen Sie komplett unterschiedlich sind?

Frei: Haustiere! Da sind wir grundlegend verschieden.

Valentin Stocker über den Moment, als Streller und Huggel ihn und Frei in die Jassgruppe aufgenommen haben.

«Wir hätten gar nicht nein sagen dürfen!»

Valentin Stocker über den Moment, als Streller und Huggel ihn und Frei in die Jassgruppe aufgenommen haben.

Also sind Sie, Herr Frei, ein Katzenmensch?

Stocker: Nein, er ist gar nichts. Und ich alles. So rum (lacht).
Frei: Ich hasse Tiere überhaupt nicht, aber ich kann für Tiere einfach nicht so viel empfinden wie für einen Menschen.

Mediensprecherin Andrea Roth fragt dazwischen, ob Fabian Frei denn nicht mal ein kleines Kätzchen süss findet …

Frei: Nein, das würde mich nerven! Echt jetzt. Aber wenn meine Tochter mal ein Tier will, darf sie das natürlich. Sie muss einfach dazu schauen.
Stocker: Und du schaffst die Rahmenbedingungen.
Frei: Genau. Gassi werde ich aber nie gehen. Aber du Vali liebst ja alle Tiere. Du hast jeweils jegliche Tiere, die auf dem Platz gelegen haben, noch gerettet, wo ich einfach drauf gestanden wäre. Ich meine, einen Regenwurm muss man wirklich nicht retten. Er aber hat ihm ein Gesicht gegeben und gesagt „Jöö, schau mal“.
Stocker: Aber das war schon eher, um lustig zu sein.

Sie haben viel zusammen erlebt. Gab es auch Zeiten, in denen der Kontakt mal abgebrochen war?

Stocker: Gar nichts gab‘s nie, nein.
Frei: Als ich in St. Gallen war, war es weniger.
Stocker: Und nachher dafür wieder intensiver. Und jetzt, wo wir beide zurück beim FCB sind, auch wieder. Aber das ist auch normal.
Frei: Es ist aber nicht so, dass wir uns jeden Tag schreiben. So waren wir nie. Das brauchen wir beide nicht. Aber wir wissen, dass wir dem Anderen schreiben können, wenn etwas ansteht.

Ihr Kontakt spielte aber eine Rolle dabei, dass Sie, Herr Stocker, in der Jugend zum FCB gestossen sind.

Frei: Ja, ich habe ihn zu Basel geholt.

Wie lief das ab?

Frei: Ich habe den Verantwortlichen gesagt: Den müsst ihr holen, der ist gut. Und dann haben sie ihn geholt.
Stocker: Stimmt, Fabi hat mich geholt. Und jetzt Strelli.
Frei: Also so viel Macht wie Strelli jetzt hat, hatte ich ja nicht.
Stocker: Nein, das schon nicht. Aber ich habe dir doch erzählt, dass ich in Gesprächen war mit meinem Klub damals und dann haben sie dich in Basel gefragt, wie ich bin. Peter Knäbel hat sich dann bei mir gemeldet und mich gefragt, ob ich mir einen Wechsel zu Basel vorstellen könnte. Und ich habe natürlich ja gesagt.
Frei: Siehst du, hätte ich nein gesagt, dann wäre der Transfer nie zustande gekommen (lacht).
Stocker: Wahrscheinlich ja.

Fabian Frei über seinen Freund.

«Natürlich hätte ich Vali auch zurückgeholt. So viel Einfluss habe ich aber nicht.»

Fabian Frei über seinen Freund.

Hätten Sie, Herr Frei, Valentin Stocker denn jetzt auch zurückgeholt, wenn Sie die Macht von Streller hätten?

Frei: Ja, natürlich hätte ich Vali auch zurückgeholt. So viel Einfluss habe ich aber nicht.

Damals aber schon.  

Frei: Damals offensichtlich schon, ja. Schliesslich stand er plötzlich da.
Stocker: Dann haben wir zusammen in der U21 gespielt bei Heinz Herrmann. Ab dort ging es richtig ab. Wir spielten ein super Jahr, sind beide Profis geworden und kamen fast gleichzeitig zu Einsätzen in der ersten Mannschaft. Er war sofort Stammspieler …
Frei: … das stimmt doch nicht.
Stocker: Doch, und bei mir hat es gedauert. Du hast viele Spiele gemacht in der ersten Saison.

Das scheint sich etwas durchzuziehen, dass Fabian Frei früher jeweils schon gut dabei war und Sie etwas mehr Zeit brauchten, Herr Stocker.

Frei: In der Jugend vielleicht. Aber nachher war ich immer der Spätere. Du hast vorher ein Tor geschossen in der Super League, du hast vorher ein Tor geschossen in der Bundesliga. Du warst überhaupt früher in der Bundesliga. Aber in der Jugend war er halt noch der Kleine.
Stocker schaut etwas fragend zu Frei rüber.
Frei: Du warst echt klein! Also härzig klein, aber halt klein. Das ist im Nachwuchs schon ein Nachteil.

Sie haben die Bundesliga angesprochen. Haben Sie gegeneinander gespielt?

Frei: Ja, haben wir.
Stocker: Wirklich?
Frei: Ja, wir haben uns in diesem Spiel für die Europa League qualifiziert (am 34. Spieltag der Saison 15/16, Anm. d. Red.).
Stocker: Ah, das war das Unentschieden.
Frei: 0:0 ja. Es war schon etwas speziell, gegeneinander auf dem Platz zu stehen. Du wusstest einfach, dass wenn etwas Lustiges passiert, da noch einer auf dem Feld steht und anfängt zu lachen. Auch wenn der im gegnerischen Team ist. Und dann war halt schnell der Blickkontakt da. Oder man ruft sich etwas zu.
Stocker: Zwei Dumme ein Gedanke.
Frei: Genau. Aber im Vorfeld geschrieben und Wetten abgeschlossen oder Spässchen gemacht haben wir nicht.
Stocker: Ich habe nur geschrieben dass ich spiele, weil das nicht alltäglich war.

Valentin Stocker und Fabian Frei über den Grund, wieso der FCB diese Saison Meister wird.

«Weil wir mehr Punkte holen als die anderen Mannschaften.»

Valentin Stocker und Fabian Frei über den Grund, wieso der FCB diese Saison Meister wird.

Wann haben Sie denn das letzte Mal gemeinsam auf dem Platz gestanden? Sie, Herr Frei, sagten, das müsse eine Ewigkeit her sein.

Frei: Ich glaube, es war bei deinem letzten Match für den FCB, Vali.
Stocker: Oder in der Nati?
Frei: Da haben wir nie zusammen gespielt.
Stocker: Gegen Polen?
Frei: Nein, da bin ich erst rein gekommen und du warst schon draussen.
Stocker: Dann war‘s tatsächlich beim letzten Spiel für mich beim FCB vor dreieinhalb Jahren. Gegen Lausanne.
Frei: Hast du da gespielt?
Stocker: Ja, ich bin eingewechselt worden.
Frei: Stimmt, und Albi (Ajeti) hat ein Tor geschossen in seinem ersten oder zweiten Spiel. Und Breel (Embolo) spielte auf dem Sechser neben mir.

Welches ist die schönste Erinnerung, die Sie zusammen teilen?

Frei: Als dir in St. Petersburg der Zahn rausgefallen ist (lacht).
Stocker: Es gibt ganz viele Sachen. Das jüngste Beispiel ist sicher deine Hochzeit, wo ich Trauzeuge sein durfte.
Frei: Man könnte jetzt auch jeden Meistertitel nehmen. Aber für uns sind es eher die kleineren Sachen. Mal ein Spruch beim Jassen zum Beispiel. Lustige, zwischenmenschliche Dinge bleiben mehr in Erinnerung.

Gibt es eigentlich auch Momente, wo Sie den jeweils anderen nicht mehr sehen können?

Frei: Wir sind schon eher die, die auch mal Ruhe voreinander brauchen. Das heisst nicht, dass wir nicht auch mal gemeinsam zu Abend essen gehen, aber jetzt, wo wir wieder zusammen spielen, sehen wir uns ohnehin schon jeden Tag. Dann musst du nicht noch am Nachmittag golfen gehen. Und auch bei mir mit der Familie und bei ihm mit seinen Tieren haben wir beide genug zu tun. Aber es würde uns nicht langweilig werden. Wir waren ja auch schon gemeinsam in den Ferien.

So richtig übereinander aufregen können Sie sich also nicht?

Frei: Ganz selten. Und wenn, dann sage ich es ihm (lacht). Und dann ist es wieder gut. Aber für die lange Zeit, die wir uns kennen, gab es wenige Differenzen.

Was bräuchte es denn?

Frei: Dass wir in einem anderen Team spielen im Training. Weil der Eine dann verliert. Dann vielleicht.
Stocker: Darum muss Raphi (Wicky) uns halt immer zusammen tun (lacht).
Frei: Aber auch wenn wir uns nerven, ist es halb so wild. Dann fährt er nach Luzern und ich nach Hause und am nächsten Tag ist es vergessen.
Stocker: Wir sind beide schlecht im Nachtragendsein.

Fabian Frei jubelte über seinen Treffer gegen Ungarn

Fabian Frei jubelte über seinen Treffer gegen Ungarn

Sie wohnen wie bei Ihrer ersten Zeit beim FCB wieder in Luzern, Herr Stocker?

Stocker: Das ist mal so angedacht. Mir hat damals die Distanz sehr gut getan. Und da ich dort ohnehin eine Liegenschaft habe, versuche ich es wieder. Sollte es aber nicht klappen und zu viel werden, suche ich mir etwas hier in der Gegend.
Frei: Und sonst hat er immer ein Zimmer bei mir, Strelli, Beni oder Alex Frei.

Hätten Sie in der U16-Nati eigentlich mal gedacht, dass Sie mal zusammen Seite an Seite beim FCB spielen würden?

Stocker: Ich bin damals jedenfalls nicht zu Basel gewechselt und hatte das Gefühl, ich werde Profi. Ich hatte einfach gedacht, dass es mir gut tun und Spass machen würde, mit den Besten in meiner Alterskategorie zusammen zu spielen.
Frei: Auch in der U21 beim FCB wussten wir das noch nicht.
Stocker: Dort hatten wir aber schon eine super Mannschaft. Yann (Sommer) im Tor, Eren (Derdiyok) im Sturm, dann noch (Michel) Morganella. Das war ein unvergessliches Jahr für mich. Die Hälfte dieses Teams ist Profi geworden.

Sie haben viele spezielle Mannschaft-Konstellationen erlebt. Auch jene mit Marco Streller und Beni Huggel.

Frei: Sie waren für uns wirklich wie Papis oder grosse Brüder.
Stocker: „Schutzschilder“ hat es mal geheissen.

Schutzschilder gegen aussen?

Frei: Auch. Aber auch gegenüber der Mannschaft. Ich denke schon, dass wir uns vielleicht mal etwas mehr haben erlauben können als andere junge Spieler in unserem Alter, weil wir wussten, dass wir die zwei an unserer Seite haben.
Stocker: Es ist aber nicht so, dass wir das extra gemacht hätten.
Frei: Nein, gar nicht. Aber sie sind damals zurückgekommen aus der Bundesliga und wir wurden soeben in die erste Mannschaft integriert.

Und wurden bekanntermassen sofort in die Jassgruppe aufgenommen.

Frei: Sie hatten damals noch keine Jasspartner und wir haben zwar nicht gesucht, aber haben dann auch nicht nein gesagt.
Stocker: Das durften wir gar nicht (lacht).
Frei: Sie haben nur gefragt, ob wir es können, und als wir ja sagten, hiess es: hinsetzen. Vielleicht bereuen sie das heute.

Valentin Stocker im Dress des Schweizer Nationalteams.

Valentin Stocker im Dress des Schweizer Nationalteams.

Wieso, waren Sie damals schon besser?

Beide lachen laut. Frei: Nein, nein. Wir mussten auch damals schon bittere Niederlagen einstecken.

Das erste Duell nach Ihrer beider Rückkehr gegen Streller und Remo Gaugler haben Sie aber gewonnen, oder?

Stocker: Was ist das für eine Frage?
Frei: Ich habe Ihnen doch gesagt, dass ich viel Geld auf uns wetten würde.

Kommen wir noch auf Sonntag zu sprechen. Dann beginnt die Rückrunde. In einer Liga, über die Sie sagten, sie sei langweilig. weil man 27 Mal im Tourbillon spielen müsse. Wieso ist es jetzt wieder spannend?

Stocker: Zeit bringt Veränderung. Zu Beginn ist sicherlich alles wieder neu. Trotzdem ist man nie von dieser Gefahr befreit.

Momentan ist die Liga aber spannend. Der FCB ist Jäger, YB Leader. Wieso wird der FCB am Ende doch Meister?

Stocker: Weil wir mehr Punkte holen als die anderen Mannschaften.
Frei: Das sehe ich genauso.

Und dann erleben wir Sie beiden gemeinsam als Zeremonienmeister auf dem Barfi?

Frei: Mich sicher nicht. Ich habe dieses Mikrofon noch nie in der Hand gehabt. Ich würde, glaube ich, keinen Ton raus bringen. Ich kann das nicht. Und den falschen Dialekt habe ich auch noch.
Stocker: Wir könnten ja Huggel reaktivieren. Dann wären wir alle wieder zusammen.
Frei: Stimmt, Benni fehlt noch irgendwo. Strelli ist ja schon wieder mittendrin.