EHC Basel

Vater und Sohn kümmern sich um ihre Herzenssache: Den EHC Basel

Der EHC kämpft heute Abend gegen das Saisonaus. Daniel und Joshua Schnellmann sind deshalb täglich im Austausch, obwohl sie in unterschiedlichen Funktionen beim EHC beschäftigt sind.

Das Eishockey wurde Joshua Schnellmann in die Wiege gelegt. Bereits als Einjähriger stand der gebürtige Zeiniger schon auf dem Eis. Damals nahm ihn sein Vater Daniel Schnellmann, ehemaliger Eishockeyprofi beim EV Zug, das erste Mal mit auf die Kunsteisbahn. Heute sind beide Schnellmanns beim EHC Basel: Der Sohn ist Spieler der 1. Mannschaft und sein Vater Präsident des Vereins.

Doch wie kam es dazu, dass es die Familie Schnellmann zum EHC Basel zog und wer war zuerst da? Drei Jahre nach Joshua Schnellmanns Debüt auf dem Eis, startete er als Vierjähriger seine Vereins-Eishockeykarriere beim EHC Rheinfelden. Zehn Jahre danach, 2007, wechselte er zum EHC Basel. «Nach meiner Juniorenzeit bin ich in die Aktivmannschaften gerutscht und konnte bereits NLB-Luft schnuppern», erzählt Joshua. Doch die Freude währte nicht lange.

Der Verein musste 2014 Konkurs anmelden und Joshua Schnellmann in die zweite Mannschaft wechseln. Diese spielte damals in der höchsten Amateurliga und schlüpfte plötzlich in die Rolle der 1. Mannschaft. Zwei Jahre nach dem Konkurs betrat auch Daniel Schnellmann die EHC-Bühne. Anfang 2016 übernahm er die Stelle als Geschäftsführer und nur wenige Monate danach wurde er an der Generalversammlung einstimmig zum geschäftsführenden Präsidenten gewählt.

Auf die Frage, ob sein Vater seit 2016 je einen Einfluss auf seine Zeit als Aktivspieler genommen hat, antwortet Joshua Schnellmann: «Meine Spielzeit oder mein Status im Team hat sich deswegen nicht verändert. Sobald ich das gespürt hätte, hätte ich etwas unternommen. Ich will nicht spielen, weil ich der Sohn des Präsidenten bin.»

Neben der Aufgabe als Spieler der 1. Mannschaft übernimmt Joshua Schnellmann noch weitere Tätigkeiten im Verein. Er ist verantwortlich für die Hockeyschule, die Hockeycamps und das Ticketing. Nächste Saison übernimmt er zudem als Trainer die U11. «Ich kann mir gut vorstellen, in Zukunft im Verein als Trainer zu arbeiten und als Ausgleich als Lehrperson tätig zu sein», sagt Joshua Schnellmann.

Neben dem Eishockey absolviert er aktuell eine universitäre Ausbildung zum Gymnasiallehrer in Sport und Geografie. Doch der Fokus liegt eindeutig beim Hockey: Sein Ziel ist es, mit dem EHC weiterzukommen. Darin sind sich Joshua und Vater Daniel Schnellmann einig. «Wir kümmern uns beide um den Verein und tauschen uns täglich darüber aus. Der EHC ist eine Herzensangelegenheit von uns beiden», sagt der Sohn.

Alle Jahre wieder gegen den Angstgegner Dübendorf

Zurzeit befindet sich die 1. Mannschaft des EHC in den Playoff-Halbfinals gegen Dübendorf und muss den 1:2-Rückstand in der Best-of-Five-Serie aufholen. Es gleicht einem Deja-Vu, denn auch letztes Jahr war das Playoff-Duell mit Dübendorf hart umkämpft. Wobei sich Dübendorf im entscheidenden Spiel der Serie am Ende durchsetzen konnte. Geht es nach den Schnellmanns, soll sich das dieses Jahr aber ändern: «Die Mannschaft steht an einem anderen Punkt. Wir wissen, wie wir mit schwierigen Phasen umgehen müssen», sagt Joshua.

Die Konstellation zwischen Trainer und Spielern habe sich verändert: «Wir haben mehr Vertrauen in unser Spielsystem und fokussieren uns nicht auf die Niederlage, sondern darauf, wie wir zurückkommen», erklärt Joshua Schnellmann. Der Druck ist natürlich trotzdem vorhanden. Bei einer weiteren Niederlage heute oder im allfälligen Spiel 5 am Donnerstag, ist die Saison für den EHC Basel vorbei und die Aufstiegsträume beendet. «Natürlich sind alle ein wenig aufgeregt, doch die Stimmung im Team ist gut», sagt Joshua Schnellmann.

Basel hat nicht nur den Fussball

Der EHC ist zurzeit in der Aufschwungphase. Das grosse Ziel des Vereins ist der Aufstieg in die Swissleague – der ersten und zweithöchsten Schweizer Profiliga. Die Stadt Basel wieder für den Eishockey zurückzugewinnen, ist jedoch schwierig. Denn Basel ist eine Fussballstadt. Doch auch in der St. Jakob Arena wird spannender Sport geboten. Und mit zunehmendem Erfolg werden auch die Zuschauer mehr. Vergangenen Donnerstag sorgten 1926 Fans für einen neuen Saison-Rekord.

«Es gibt immer wieder Rückmeldungen oder kleine Briefe von Fans an die Geschäftsstelle, welche uns zum Einzug in den Playoff-Halbfinal gratulieren», erzählt Joshua Schnellmann. Er sieht deshalb eindeutig Potenzial für den Eishockey in Basel: «Wir haben es in Bern gesehen. Vor ein paar Jahren hatte YB bei Weitem nicht so viel Zuschauer wie jetzt. Wenn wir tatsächlich aufsteigen würden, gäbe es nebst dem Fussball wahrscheinlich auch wieder mehr Eishockey in Basel.»

Der Weg zum Aufstieg in die Swiss League ist aber noch lang. Jetzt muss der EHC zuerst zweimal Dübendorf schlagen, um überhaupt den Playoff-Final zu erreichen. Sollte der EHC auch diesen gewinnen, ist der Aufstieg noch immer nicht gesichert. Zum Schluss muss noch die Ligaqualifikation gegen den Letztplatzierten der Swiss League gewonnen werden. Bei einem solchen Erfolg würden sicherlich nicht nur die Herzen der Schnellmanns höher schlagen.

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