Mourinho auf der Sandreutenen? «Das wäre der Hammer!», entfährt es Matthias Hauswirth, dem Präsidenten des FC Münsingen. Aber eben, ziemlich unwahrscheinlich. Fast zeitgleich zum Cupspiel des FC Basel im Bernbiet muss der FC Chelsea in der Premier League bei Everton antreten und der Trainer der «Blues» schweren Herzens auf den Trip ins Aaretal verzichten.

Ein wenig nach Champions League riecht es aber gleichwohl: Ein Scout hat sich angekündigt, um im Auftrag von Mourinho dem FC Basel auf die Füsse zu schauen.

Besessen vom Fussball

Mourinho also wird nicht auf dem Sportplatz Sandreutenen sein. Dafür Kurt Feuz. Schade für den Portugiesen, dass er Feuz nicht kennen lernen kann. Er wäre ihm sympathisch. Denn wie Mourinho ist auch Feuz besessen vom Fussball. Und gewiss genauso speziell wie «The Special One». «Es ist verrückt», sagt Feuz, «heute spielt der FC Basel gegen uns, und vier Tage später in der Champions League gegen Chelsea.»

Für Münsingen ist der FCB, was Chelsea für den FCB: der grosse Favorit. «Wir müssen schauen, dass wir den Rhythmus tief halten», sagt Feuz, «sonst sind wir nach sechzig Minuten tot.» Das Ziel der Münsinger: Das Spiel so lange wie möglich offen halten. Die Zuschauer sollen ihr Kommen nicht bereuen.

Die Berner haben alles dafür getan, damit der Rahmen stimmt. Die eigens aufgebauten Tribünen werden voll besetzt sein. «Wir erwarten 4000 Zuschauer», sagt Feuz. Dass der bisherige Stadionrekord – 2500 kamen im Jahre 1992 gegen Xamax – purzelt, ist sicher. Zwar hat Münsingen im Cup neben Xamax schon ein paar grosse Gegner gehabt und 1996 sogar gegen den FCB gespielt, doch noch nie war das Fussballfieber so hoch wie jetzt.

Unter Feuz läufts

An dieses 1:3 gegen die Basler vor siebzehn Jahren kann sich Feuz gut erinnern. «Ich habe das Spiel als Zuschauer erlebt, denn genau in jener Saison war ich Trainer beim FC Biel.» Zuvor war er zwölf Jahre in Münsingen gewesen. Schon 1997 kam er aber zurück, und jetzt bestreitet er, zusammengezählt, seine 29. Saison beim FCM.

Von YB war er 1984 nach neun Spielzeiten in der Nationalliga A und drei verlorenen Cupfinals direkt als Spielertrainer zum FC Münsingen in die dritte Liga gewechselt. Mit Feuz stieg der Dorfverein in die zweite, und dann auch noch in die erste Liga auf. Und seither hält der Landklub unter dem Solothurner meistens ziemlich souverän die Klasse.

Ja, ein paar Mal hat er sogar schon an die Tür zur Challenge League geklopft. «Mit einem Budget von 180 000 Franken kann ein Aufstieg kein realistisches Ziel sein», sagt Feuz. Er erinnert sich, wie er einst in Nyon nach einer Niederlage vom eigenen Präsidenten umarmt worden war. «Ihm ist ein Stein vom Herzen gefallen, als wir kurz vor Schluss eine hundertprozentige Chance ausliessen und deshalb den Aufstieg verpassten», schmunzelt Feuz.

Beinahe Nati-A Trainer

Selbst hätte er sich schon vorstellen können, einmal Trainer in der Nationalliga A zu sein. «Hätte YB gerufen, wäre ich zu Fuss nach Bern gelaufen», sagt Feuz. Doch als er mit 32 Jahren bei der Helsana Agenturleiter wurde, war der berufliche Weg vorgezeichnet. Heute arbeitet er am Sitz in Worblaufen und ist für die Infrastruktur im Haus zuständig. 2015 wird er Jubiläum feiern: 40 Jahre in derselben Firma.

38 Jahre Helsana, 28 Jahre FCM, 25 Jahre verheiratet mit Gabriele und seit 13 Jahren in festen Händen bei Christine – zusammen sind das 104 Jahre der Verlässlichkeit. Gibt es eine treuere Seele als diesen Kurt Feuz?

«Feuz verkörpert den FC Münsingen perfekt», sagt Präsident Hauswirth, der selber zwölf Jahre unter Feuz gespielt hat. «Und Kurt findet noch immer den Draht zu den Spielern.» Das ist vielleicht das grösste Kompliment für den 60-Jährigen.

«Als ich als Trainer begann, hatten die Spieler in der Beiz noch Jasskarten in den Händen. Heute ist es das Handy; falls sie überhaupt noch einkehren.» Doch der gesellige Feuz hat sich deswegen von der jüngeren Generation nicht abgewendet, sondern angepasst. «Wäre mir das nicht gelungen, hätte ich aufhören müssen», sagt er.

Altersmilde geworden?

Martin Herren, Münsinger Rekordschütze mit 96 Toren und als Senior manchmal noch Notnagel im «Eins» sowie Assistent von Feuz, nennt ein Beispiel: «Hätte es früher einer gewagt, in der Vorbereitungsphase in die Ferien zu fahren, er wäre nicht mehr erwünscht gewesen. Heute kann Feuz damit leben.» Früher war er härter.

Herren erzählt die Episode eines Ersatzspielers, der vor der Einwechslung merkte, dass er das Trikot in der Kabine vergessen hatte. Und danach unter Feuz nie mehr spielte.

«Feuz hat klare Vorstellungen vom Teamwork, er ist gradlinig und fordernd», sagt Herren. «Entweder man kann es mit ihm, oder nicht.» Feuz sagt: «Ich kann auch nach 29 Jahren noch jedem in die Augen schauen.» Und stundenlang erzählen. Von Vivian Peter, der 45 Minuten vor dem Spiel noch im Klublokal sass und rauchte, danach aber meistens der Beste war. Oder von Christoph Spycher, der es von all seinen Schützlingen am weitesten brachte.

Heute, gegen Basel, wird Feuz wie immer Kampfgeist und Solidarität verlangen. Und selber Flexibilität beweisen. Erstmals in 29 Jahren besammelt sich das Team nicht in der Kabine, sondern im Café bei Kaffee und Kuchen. «Der Rummel beim Stadion ist zu gross», sagt Feuz.