Auf der Pruntrutermatte in Basel ist an jenem Morgen nicht viel los, ein Jogger dreht auf der Finnenbahn einsam seine Runden. Für Martin Jenny ein guter Zeitpunkt, um das Driven zu üben. Der 40-Jährige greift zur Weitwurfscheibe, nimmt Anlauf und beschleunigt sie mit gekonnter Ausführung so schnell es geht - über hundert Meter weiter weg landet das Frisbee, dieses kleine Ufo aus Plastik.

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Werbefilm zu den European Open in Nokia

«Hier trainiere ich vor allem das Putten, das Driven und die Weitwürfe. Dafür ist die Pruntrutermatte mit 150 Metern Länge ideal. Mit nur fünf Kettenkörben fehlt jedoch ein richtiger Kurs», sagt der Präsident des Disc-Golf-Vereins Merry Chains. Denn Disc-Golf wird auf 18 Bahnen gespielt, wobei ein Kettenkorb mit möglichst wenigen Würfen getroffen werden sollte.

Dabei kommen je nach Distanz verschiedene Scheiben zum Einsatz. Obwohl Jenny und sein Kollege Lars Jaeger keine optimalen Trainingsvoraussetzungen haben, gehören sie zu den besten Schweizer Disc-Golfern. Im finnischen Nokia spielten sie am European Open, das zur Major-Klasse der Professional Disc Golf Association zählt. Jaeger, der seit rund zehn Jahren Disc Golf spielt, hat bereits zum zweiten Mal teilgenommen. «Es lief durchschnittlich. Für den Cut der besten 72 hat es mir leider nicht gereicht», erklärt der 40-jährige. Auch Jenny blieb die Finalrunde verwehrt: «Ich bin knapp unter meinem Rating geblieben.»

Wenige Parcours

Trotzdem sei es lässig gewesen, auf einem der weltweit anspruchsvollsten Parcours mit den besten Disc-Golfern zu spielen. Über 100 000 Zuschauer verfolgten den Finaltag, die letzten drei Bahnen wurden live vom Fernsehen übertragen. «In Finnland sind in jeder grösseren Stadt Körbe installiert, und in den Sportgeschäften sind bis zu 200 verschiedene Scheibenmodelle erhältlich.

In der Schweiz haben wir einen schweren Stand», klärt Jaeger auf. Die einzigen 18-Korb-Bahnen liegen in Genf und Neuenburg, auf dem Gurten und im Raum Zürich gibt es einige 9-Parcours-Kurse. «Aber im letzten November wurde Swiss Disc Sports von Swiss Olympic aufgenommen. Jetzt haben wir die Möglichkeit, Schulprogramme zu entwickeln und auf Fördergelder zuzugreifen», sagt Jenny.

Das soll der Sportart, die hierzulande von rund 150 Lizenzierten ausgeübt wird, Aufschwung verleihen.

SM vor heimischem Publikum

Anfang September findet in Riehen zum ersten Mal die Schweizer Meisterschaft statt: Im Wenkenpark wird dafür eigens ein 18-Loch-Parcours gesteckt. «Vom Gelände her ist es ideal, schön und gross genug. Ich freue mich richtig», erklärt Organisator Jenny, der seinen Vize-Schweizer-Meister-Titel verteidigen will. Nicht an der Heim-SM dabei ist Jaeger, er bestreitet zeitgleich in Deutschland ein Turnier.

Egal, ob im In- oder Ausland - die beiden Basler sind stets auf der Suche ihr Rating zu verbessern. Damit sie baldmöglichst auch in Europa zu den Besten gehören.

Eine TV-Aufzeichnung vom Final der European Championships finden Sie hier.