Marcel Koller ist nicht gerade bekannt dafür, die ganz grossen Experimente vorzunehmen. Seit er am 2. August des vergangenen Jahres den Posten als Cheftrainer des FC Basel übernommen hat, war im Gegensatz zu seinem Vorgänger Raphael Wicky eigentlich immer klar: Der FCB wird in einem 4-2-3-1-System agieren. Jenem System, auf das auch Urs Fischer zwischen 2015 und 2017 beinahe ausnahmslos setzte.

Auch Wicky war ein Freund dieses Systems, meist mit der Begründung, dass das Spielermaterial am besten in diese Grundordnung passe, wobei der Walliser die Systemfrage eher ungern als gern beantwortete. Mit Koller wurde die Frage immer weniger, die Ordnung auf dem Platz war so gut wie immer dieselbe.

Lob für Pululu

Als der FC Basel  seinen zweitletzten Test vor der Saison 2019/2020 gegen Lausanne absolvierte, konnte man durchaus überrascht sein. Denn die Basler agierten im ersten Durchgang meist im 4-4-2-System – wie schon vor Wochenfrist gegen Nürnberg. Marcel Koller sprach nach dem Spiel zwar davon, dass man auch in dieses Spiel mit dem bevorzugten 4-2-3-1 gegangen sei, «der Zehner aber immer wieder mit nach vorne ging.

Er hat das sehr gut umgesetzt». Der Zehner, das war Afimico Pululu. Durch sein Vorrücken formierte er gemeinsam mit Albian Ajeti einen Doppelsturm. «Afimico hatte die eine oder andere Möglichkeit und hat sehr viel gearbeitet», so das Lob des Trainers. Den einzigen Treffer in der ersten Halbzeit aber verbuchte Ajeti in der siebten Minute nach schönem Doppelpass mit dem auf dem rechten Flügel agierenden Captain Valentin Stocker.

Umstellung nach der Pause

Auch Eder Balanta passte die Grundordnung durch seine Interpretation der Sechser-Position etwas an. Immer wieder agierte er als einziger Abräumer vor der Verteidigung, während Fabian Frei sich in die Räume hinter der Spitze vorschob, die durch Pululus Aufrücken entstanden. So ergab sich phasenweise das Bild eines wieder anderen Systems: eines 4-1-4-1.

Ein System, das die Basler im Trainingslager am Tegernsee immer wieder einübten. Nach der Pause stellte Koller um, Balanta – der «aufgrund seiner Power und seiner Präsenz sehr wichtig ist im Mittelfeld» – überliess die Sechserposition Luca Zuffi. Eine Reihe weiter vorne agierten noch immer dieselben Akteure, Stocker und Pululu aber im Wechselspiel. Mal war Stocker Flügel und Pululu Zehner, mal umgekehrt.

Der mögliche Abgang von Aldo Kalulu

Es sind neue Variationen im Basler Spiel. Eine neue, in der letzten Saison vermisste taktische Flexibilität, die zu erkennen ist. «Am Ende sind das nur Grundordnungen», sagte Koller, der auf seinem Ursprungs-System beharrte. «Das 4-2-3-1 ist unser Gerüst. Aber im Spiel muss man sich anpassen und verschieben können.» Jeder einzelne Akteur müsse Korrekturen während dem Spiel vornehmen können – und bestenfalls diese auch selber erkennen.

Noch ist schwer erkennbar, wer am höchsten in der Trainer-Gunst steht. Bei wem das aber nicht der Fall ist, zeichnet sich ab: Aldo Kalulu schaffte es nicht einmal ins Kader – wie sonst nur Geschonte, Junge und Angeschlagene. Es scheint, als wäre seine Person bald keine der vielen neuen Möglichkeit mehr.