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Vito Wyprächtiger: Im Red Bull Flieger hoch hinaus

Einmal im Jahr auf der grossen Bühne: Vito Wyprächtiger. Keystone

Einmal im Jahr auf der grossen Bühne: Vito Wyprächtiger. Keystone

Der Tenniker Vito Wyprächtiger fliegt erfolgreich – und vor allem unauffällig. Dreimal holte er schon einen Podestplatz am Air Race in Reno, jetzt wurde es Zeit für den Sieg.

Vito Wyprächtiger ist keiner, der das Rampenlicht sucht. «Ich stehe irgendwie nicht auf das», sagt der gebürtige Tenniker. Lieber lässt Wyprächtiger Taten sprechen. Und wie. Nach drei Podestplätzen hat es in diesem Jahr bei der vierten Teilnahme endlich für den Sieg am Air Race in Reno (siehe Box) gereicht.

«Unglaublich. Darauf haben wir uns so lange vorbereitet, jetzt hat alles gepasst», lobt der 32-Jährige seine Crew. Auch wenn er es war, der sich in der Formel-1-Klasse bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 400km/h dem Risiko ausgesetzt hat.

Wyprächtiger ist ein positiv Verrückter, «ein Flieger mit Leib und Seele», sagt er.

Sein Hobby hat er längst zum Beruf gemacht. Seit mittlerweile drei Jahren bringt er in Salzburg Red-Bull-Flieger wieder auf Vordermann oder navigiert Verantwortliche des Getränke-Riesen als Berufspilot durch die Welt. «Ich könnte bis zur Pension hierbleiben», sagt er mit einem Lächeln.

Zehntausende Franken, ein Rennen

Die Arbeit bietet ihm die perfekte Ausgangslage für seine Leidenschaft – dem Air Racing. Auch wenn nur ein Rennen pro Jahr stattfindet, dreht sich fast tagtäglich alles um den Grossanlass in der Wüste Nevadas.

Wo sind die Schwachstellen des Flugzeugs? Was kann beim nächsten Mal verbessert werden? Ein Aufwand, der nicht nur von den Arbeitsstunden her enorm ist.

Auch finanziell summieren sich die Ausgaben zu einem sechsstelligen Betrag. «Motoren, Aerodynamik-Tests, Software-Check und so weiter. Bei der Planung müssen viele Faktoren berücksichtigt werden», weiss Wyprächtiger.

Für den Kostenaufwand kommt Wyprächtiger – abgesehen von ein paar Sponsoren – zumeist selber auf. Sein Engagement bei Red Bull spielt dabei keine Rolle, denn Beruf und Privates trennt der Baselbieter strikt. Vieles läuft über Freundschaftspreise unter Bekannten. «Geld verdienen lässt sich mit meinem Sport nicht. Letztlich ist es eine brotlose Kunst.»

Ein Exot in der Fliegerei

Dass die Air-Race-Fliegerei kaum Geld in die Kassen spült, liegt vor allem daran, dass die breite Öffentlichkeit kaum Kenntnis von dieser Sportart hat. «Ich fliege nicht diese Form, die man vielleicht aus dem TV kennt», sagt Wyprächtiger.

Dabei verweist er auf die Rennen mit einem Einzelstart, die meist spektakulär in Städten wie Rio de Janeiro, Porto oder San Diego inszeniert werden. Wyprächtiger selbst setzt Adrenalin und Geschwindigkeit vor Show und Spektakel.

Damit ist er nicht nur in der Schweiz, sondern in ganz Europa ein Exot. Einzig aus Spanien kennt er noch einen Piloten aus der Formel-1-Klasse, der gegen ihn die gut fünf Kilometer über acht Runden fliegt. Ansonsten werden vor allem Amerikaner im Teilnehmerfeld aufgeführt.

Risikoreiche Sportart

Wenig erstaunlich, denn ausser in Reno findet gibt es weltweit keine anderen Flugzeugrennen – auch wegen des erhöhten Unfallrisikos. «Solche Wettbewerbe sind versicherungstechnisch und auf Behördenebene enorm schwierig realisierbar. Deswegen wird sich künftig voraussichtlich wenig verändern.»

Für Wyprächtiger spielen diese Umstände keine Rolle. Sitzt er im Flugzeug, wird alles zur Nebensache. Und einmal pro Jahr im Rampenlicht stehen, reicht ihm vollkommen aus.

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