Plötzlich ist Kemal Ademi weg. In den Katakomben des Joggeli ist er nirgends mehr zu sehen. Denn statt wie alle anderen Spieler in der Kabine zu sein, ist Ademi auch nach dem Abpfiff noch auf dem Rasen. «Ich war bei meiner Familie und meinen Freunden. Die sind extra gekommen, deshalb wollte ich mir Zeit nehmen», sagt er, als er Minuten später doch noch im Bauch des Stadions auftaucht.

Es ist das erste Mal für ihn, dass er das als Spieler des FC Basel tut. Genau wegen dieser Premiere sind seine Liebsten auch gekommen. Sie wollten sehen, wie der Stürmer erstmals in Rotblau im Joggeli spielt. Der Stolz Ademis ist riesig, der Rahmen beim Testspiel gegen den VfB Stuttgart mit 9867 Zuschauern würdig. Und doch ist er nicht zufrieden. «Ich verliere nicht gerne. Dass wir verloren haben, ist scheisse», gibt er zu Protokoll. 2:3 unterliegt der FC Basel in seinem fünften und letzten Testspiel dem Bundesliga-Absteiger. Und auch wenn Ademi seine erste Niederlage im FCB-Dress missfällt, sollte sie keine Vorbereitung trüben, die über ganz weite Strecken positiv stimmen darf.

Neue Systeme, wechselnde Starelfs

Während im letzten Sommer unter Raphael Wicky die vier letzten Testspiele vor Saisonstart verloren gingen (unter anderem das desaströse 0:5 gegen Feyenoord), steht der FCB in diesem Sommer unter Marcel Koller mit vier Siegen aus fünf Spielen da. Eine starke Bilanz, die aufgrund der vielen Tore – 19 in fünf Spielen – aber auch der neuen Flexibilität zu gefallen weiss. Zum einen wurde am Tegernsee intensiv ein 4-1-4-1-System einstudiert.

In den Tests gegen Lausanne, Nürnberg und zuletzt Stuttgart (nach dem Blockwechsel in Minute 76.) wurde ausserdem das klassische 4-4-2 getestet. Herauszulesen, mit welchem Gerüst der FCB am Freitag gegen Sion spielen wird, ist gerade aufgrund der vielen Experimente schwer. Genauso wie es auch nach dem letzten Test gegen Stuttgart noch immer schwer ist, im Ansatz eine Stammelf bei den Baslern zu erkennen. Zu viel hat Koller ausprobiert. «Wir warten noch ab und schauen, wer fit ist oder wer allenfalls ein Wehwehchen hat», liess sich Koller auch nach dem Spiel nicht in die Karten blicken.

Kalulus Zukunft und Xhakas Wechsel

Und doch lässt ein Satz des Basler Cheftrainers tief blicken: «Alle, die am Freitag dabei sein könnten, hatten heute einen Einsatz.» Damit bestätigt Koller, dass Aldo Kalulu in Basel nach nur einer Saison keine Zukunft mehr hat. Der kleine Franzose ist das Gegenteil eines typischen Koller-Spielers. Der FCB-Trainer bevorzugt grosse, robuste und kopfballstarke Spieler. Attribute, die Kalulu nicht zuzuschreiben sind. Wie Sportchef Ruedi Zbinden sagt, ist man auf der Suche nach einer Lösung für Kalulu. Präsentiert werden dürfte diese nächste Woche, bevor die Saison los geht.

Die fünf Testspiele lassen aber auch noch andere Schlüsse zu. So plant Koller Eder Balanta auf der Sechs ein und nicht mehr in der Innenverteidigung. Die Physis und Wucht Balantas sind das, was Koller sich im defensiven Mittelfeld wünscht. Ebenfalls eine neue Position dürfte Taulant Xhaka gefunden haben. Der Vizecaptain absolvierte alle Tests als Rechtsverteidiger.

Schon in der Vorsaison war er das Back-up für Silvan Widmer. Jetzt aber scheint es vielmehr ein Konkurrenzkampf zu werden. Xhaka überzeugte in den Tests mehr als der Stamm-Rechtsverteidiger der letzten Saison. Und: Xhaka ist als Vize-Captain, als Ur-Basler und aufgrund seinem Temperament quasi gesetzt. Weil mit Balanta aber bereits ein kämpferisches Element auf der Sechs eingeplant ist, muss Xhaka ausweichen.

Dass die neuen Ansätze funktionieren, haben die Testspiele bewiesen. Wie gut der FCB aber effektiv ist, zeigt sich ab Freitag. Und dann gleich «Schlag auf Schlag. Sion, PSV, St. Gallen, das kommt alles gleich nacheinander. Darauf müssen wir vorbereitet sein», sagt Koller. «Wir werden voll angreifen und vorne mitspielen. Wir haben eine gute Mannschaft», gibt sich Ademi kämpferisch. Wie wichtig ein guter Start in die Liga und die Qualifikation für Europa ist, hat der missratene Start in die letzte Saison unter Wicky ja eindrücklich gezeigt.