Vom Quartierverein über die heimische Profiliga zum FC Basel, dem besten Team der Schweiz. So sähe wohl der perfekte Werdegang eines australischen Fussball-Talents aus. Der Basler Dominik Ritter ging genau den umgekehrten Weg. Feierte er noch zu Beginn seiner Karriere mit dem FCB Erfolge, führte ihn sein Weg über die Challenge League nach Australien und schliesslich zurück in den Schweizer Amateurfussball – der heute 27-Jährige hat eine kurze, aber intensive Karriere hinter sich.

Der Reihe nach: Nachdem sich das Abwehrtalent beim FCB nicht durchsetzen kann, soll 2010 ein Transfer nach Winterthur zum Durchbruch verhelfen. Dort macht Ritter seine Sache gut, kommt trotz eines Kreuzbandrisses zu 39 Einsätzen in zweieinhalb Saisons. So gut, dass ihn im Sommer 2012 ein Agent kontaktiert, der einen Verteidiger für ein Engagement bei den Newcastle United Jets, nicht zu verwechseln mit dem Premier-League-Klub Newcastle United, sucht.

Ritter packt die Gelegenheit beim Schopf und heuert in der 16 625 Kilometer entfernten, nördlich von Sydney gelegenen Hafenstadt an. «Alles ging relativ schnell. Eine Woche nach dem ersten Kontakt sass ich bereits im Flugzeug. Es war für beide Seiten ein Schritt ins Ungewisse. Natürlich habe ich mich über den Klub informiert. Letztlich wollte ich das Abenteuer aber einfach auf mich zukommen lassen», erzählt er.

Der Fussball im Aufschwung

Von der Schweiz in die Fussballprovinz Australien, in der es mit der A-League nur eine als Feierabend-Liga verpönte Profiklasse gibt. Das scheint nicht nur ein Tapetenwechsel zu sein, sondern ein fussballerischer Kulturschock. Doch wer genauer hinsieht, merkt, dass sich Fussball in «Down Under» zur Trendsportart entwickelt.

Vorbei sind die Zeiten, in denen Fussballer auf den Trainingsplätzen der Rugby-Teams bestenfalls geduldet waren. Heute teilen sie sich Stadien und Medienaufmerksamkeit als ebenbürtige Grössen. Während jeweils eines halben Jahrs spielt man in Australien Fussball, in der anderen Jahreshälfte laufen die Rugby- und Australian-Football-Meisterschaften. So funktioniert die Kooperation der Vereine nahtlos und die Sportarten können existieren, ohne sich zu behindern. Im Gegenteil: Sie profitieren voneinander. So erzählt Ritter begeistert von der Arbeit der australischen Konditionstrainer, die stark vom Rugby beeinflusst ist.

2009: Dominik Ritter (l.) spielte bereits unter Thorsten Fink in der 1. Mannschaft des FC Basel.

2009: Dominik Ritter (l.) spielte bereits unter Thorsten Fink in der 1. Mannschaft des FC Basel.

Den neuen Stellenwert des Fussballs in Australien sieht auch Ritter: «Vom spielerischen Niveau war ich positiv überrascht, es war keineswegs tiefer als in Winterthur. Das Interesse von Medien und Zuschauern war beeindruckend. Da kann die Super League fast einpacken im Vergleich.»

Auch die Infrastruktur der Newcastle «Jets» adelt Dominik Ritter, indem er sie als «sicher ebenbürtig mit Basel» bezeichnet. Trotzdem unterscheidet sich die 2004 lancierte A-League markant vom europäischen Fussball. Die grosse Entfernung zwischen den Spielorten, der Playoff-Modus und das Fehlen einer zweiten Profiliga hemmen die Entwicklung einer Fussballkultur.

Ein Entscheid der Vernunft

Fördern will sie der Verband mit einer Regulierung, die nur fünf Ausländer pro Team zulässt. Dies verlieh Ritter einen besonderen Status: «In Australien will jeder Spieler nach Europa. Wer dann von dort kommt, ist eben der Europäer – egal, ob Schweizer oder Engländer. Der europäische Fussball wird nun mal deutlich höher gewertet. Man nimmt dich daher anders wahr als einen Einheimischen und erwartet mehr von dir.»

Mit dieser Rolle kommt Ritter gut zurecht, wird auf der linken Abwehrseite zur Stammkraft. Dennoch verlässt er die «Jets» nach nur einem Jahr wieder. Für ihn war es eine Entscheidung aus Vernunft: «Ich habe mich in Newcastle wohlgefühlt und konnte mir vorstellen, zu bleiben. Doch hatte mich auch in dieser Saison eine Verletzung zurückgeworfen. Ich musste abwägen: Entweder verfolge ich meine Karriere weiter und gehe das Risiko ein, dass wieder etwas passiert. Die andere Option war, ein Wirtschaftsstudium zu beginnen und längerfristig zu denken. Ich habe mich für Letzteres entschieden, obwohl mir vom Verein ein verbessertes Angebot vorlag.»

So beendet Ritter seine Profikarriere trotz weiteren Angeboten aus den USA, Wales und England, kehrt heim und wechselt zu den Basler Old Boys in die 1. Liga Promotion, wohin ihm sein jüngster Bruder Tobias folgt. «Mehr kam für mich schon vom Aufwand her nicht infrage», erzählt er. «Nochmals in die Challenge League wollte ich nicht. Ich habe mir gesagt: Entweder studieren oder professionell Fussball spielen. Nicht beides.»

Bei OB wird er aber nicht glücklich, diverse Unstimmigkeiten mit Trainer und Vereinsführung führen schliesslich zum Bruch zwischen Klub und den Ritter-Brüdern. So erfolgt der nächste Schritt zurück. Ein Freund lotst Dominik Ritter zum SC Binningen in die 2. Liga interregional. Wenig später stossen Tobias und der dritte Bruder, Fabian, dazu.

Das Trio ist komplett, Dominik Ritters Odyssee zu Ende. Die Freude am Fussball hat er wieder gefunden, auch dank seinen Brüdern, die ebenfalls FCB-Junioren waren. «Wir haben alle irgendwann mit einem anderen Bruder zusammengespielt, aber nie alle drei im selben Team. Dass es mal so kommen würde, war schon absehbar. Egal, wer welche Karriere macht, spätestens mit dreissig findet man sich. Jetzt ist es schon früher so gekommen, aber das ist gut so. Wir geniessen es.»