Leichtathletik
Vom Lautsprecher zum Anführer und Vorbild

Marquis Richards ist die Schweizer Stabhochsprung-Hoffnung – sein langjähriger Trainer Dieter Völlmin, der den Arlesheimer seit 2001 begleitet, erinnert sich an den Weg des Arlesheimers.

Fabian Sangines
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Marquis Richards während eines Einsatzes an den Staffelmeisterschaften vor zehn Jahren.

Marquis Richards während eines Einsatzes an den Staffelmeisterschaften vor zehn Jahren.

ZVG

Der kommende Donnerstag ist der bisher grösste Tag in Marquis Richards Karriere. Der beste Schweizer Stabhochspringer nimmt an der Heim-EM die Finalqualifikation ins Visier. Dass Richards offen über dieses ambitionierte Ziel spricht, zeigt sein neu errungenes Selbstvertrauen. Ein Selbstvertrauen, dass das i-Tüpfelchen einer behutsam aufgebauten Entwicklung darstellt.

Seit 2001 begleitet Dieter Völlmin den EM-Teilnehmer im Stabhochsprung. Völlmin erinnert sich an einen aufgestellten, damals 10-Jährigen, Richards: «Er war ein richtiger Lautsprecher und bei allen sehr beliebt.» Doch auch sportlich gab er schon früh Vollgas. «Marquis hat schon früh sehr viel investiert. Ihm war als Kind schon klar, dass er mehr machen muss als die Anderen, wenn er Erfolg haben will», sagt Richards’ langjähriger Wegbegleiter. Er ergänzt: «Durch diesen Ehrgeiz hatte Marquis oft auch den Hang zur Übermotivation. Da mussten wir ihn manchmal etwas bremsen.» Richards musste lernen, dass ihn eine «langsame und konsequente Entwicklung weiter bringt, als schnell top zu sein».

Der Entscheid für den Stabhochsprung

Als 17-Jähriger entschied sich Richards 2008 für eine Laufbahn mit dem Stab. «Stabhochsprung hat ihn immer am meisten fasziniert. Die Herausforderung, eine Stange in derartigen Höhen zu überwinden spornte Marquis immer an», erinnert sich Völlmin. Trotzdem war es wichtig, alle Disziplinen auszuprobieren. «Dadurch ist es nicht nur einfacher für jeden Athlet seine Lieblingsdisziplin zu finden, es gibt den Athleten auch eine gesunde Basis.» Zu diesem Zeitpunkt kam Anatoly Gordienko ins Spiel. Der russische Stabhochsprung-Meister von 1963 brachte völlig neue Trainingsmethoden ins Baselbiet. «Zu Beginn wurde Gordienko hierzulande für seine Methoden belächelt. Doch diese Art von Training und Planung – wie sie die Russen schon zu Stalin-Zeiten anwendeten – sind überwältigend», zeigt sich Völlmin beeindruckt. Die Zahlen des gemeinsam ausgearbeiteten Fünfjahresplanes «stimmen exakt überein», bestätigt Völlmin. Deshalb war Völlmin von der EM-Qualifikation Richards’ derart überzeugt, dass er sein Ticket bereits vor fünf Wochen gekauft hat.

Überragende mentale Fortschritte

«Es ist unglaublich, was für eine Entwicklung Marquis im mentalen Bereich gemacht hat. Er hat mittlerweile so eine unbekümmerte Art vor dem Springen, das hilft ihm enorm», so Völlmin. Ausserdem sei Marquis zur Führungspersönlichkeit gereift. «Durch seine authentische Art hat sich Marquis zum Leader entwickelt. Er ist ein Vorbild für die Jungen geworden.»

Der IT-Angestellte der UBS, der fast jeden Tag auf dem Trainingsplatz steht, ist stolz auf die Entwicklung von Richards. «Klar ist der Trainerjob manchmal anstrengend. Doch dank Jungs wie Marquis bereue ich meine Arbeit keine Sekunde.»