Hätte man vor einem halben Jahr am Rande eines Parcours jemanden gefragt, wer Hans-Dieter Dreher sei, dann hätte man mit grösster Wahrscheinlichkeit ein Kopfschütteln erhalten und die Worte gehört: «Den Namen kenne ich nicht.» Nur Insidern des Reitsports war «Hansi», wie er in eben diesen Kreisen genannt wird, ein Begriff.

Eigentlich erstaunlich, denn gerade zum Raum Basel hat der 39-Jährige eine enge Beziehung. Dreher lebt nur zehn Kilometer von der Schweizer Grenze im südbadischen Eimeldingen entfernt. Er hält sich von Berufes wegen oft in der Stadt auf, nimmt seit Jahren an lokalen Turnieren teil und fühlt sich auch ein wenig als Basler.

Vom «Local Hero» zur internationalen Grösse

Der Aufstieg vom «Local Hero» zur internationalen Grösse verlief kometenhaft und im Eiltempo. Mit dem Sieg am CSI in Mailand im April begann seine Erfolgsserie. Eine Sternstunde erlebte Dreher danach im Pferdesport-Mekka in Aachen. Drei Siege, zwei davon in der Youngster-Tour, und zwei zweite Plätze in internationalen Prüfungen verhalfen ihm zum Durchbruch. Nebenbei trug ihm das die etwas abgedroschene Bezeichnung «Der Hansi hat den Dreh raus» ein.

Inzwischen gehört Dreher, der für das Gestüt Grenzland des Basler Unternehmers Hans Brändlin als Pferdeausbildner arbeitet, zum erweiterten Olympia-Kader der Deutschen, dem die klingenden Namen Ludger Beerbaum, Marcus Ehning oder Meredith Michaels-Beerbaum angehören. «Es ist ein Traum, was in den letzten Monaten alles passierte», beschreibt Dreher seinen Gefühlszustand. «Ob es am Ende zur Teilnahme in London reichen wird, ist auch ein wenig vom Glück und von der Gesundheit abhängig.»

Magnus Romeo als Top-Pferd

So zufällig, wie es von aussen erscheinen mag, kommen die Ergebnisse für Hans-Dieter Dreher selber nicht. Er verfügt mit Magnus Romeo, Constantin B und Embassy II endlich über erstklassige Pferde. «Das war in der Vergangenheit oft das Problem, das Pferde mit grossem Potenzial aus wirtschaftlichen Gründen verkauft werden mussten.» Diese Gefahr besteht nach heutigem Stand nicht. Dreher dürfte mit seinen Aushängeschildern zumindest mittelfristig planen können.

In Basel knüpfte der Vater von zwei Kindern nahtlos an die Resultate aus dem Jahr 2011 an. Dreher gewann das Eröffnungsspringen am Donnerstag und doppelte am Samstag mit dem Sieg im Jagdspringen nach. Lautstarke Unterstützung erhielt er dabei von seinen beiden Söhnen Ben (3) und Jonas (8) sowie von seiner Ehefrau Marion, die ihren Mann, wo es nur geht, unterstützt.

Am Grand Prix gestern Nachmittag schaffte es Dreher in den zweiten Umgang. Nach einem Flüchtigkeitsfehler klassierte er sich schliesslich im 16.Rang, was höchstens einem kleinen Schönheitsfehler in der Erfolgsgeschichte von Hans-Dieter Dreher entspricht.