Die Tage werden kürzer, die kalte Jahreszeit naht. Winterpause bedeutet bei den Amateurfussballern lange Laufeinheiten – und damit verbunden meist Motivationsprobleme. Nicht so bei David Llaneza. Als er Aussenverteidiger des FC Aesch war, hat er sich jeweils aufs Joggen gefreut. Sehr zur Verwunderung seiner Teamkollegen. «Bist du sicher, dass du bei der richtigen Sportart bist?», wurde er gefragt.

Erster Ironman vor einem Jahr

Nicht wegen dieser Frage, aber wegen seiner Vorliebe für Ausdauereinheiten hängte Llaneza seine Fussballschuhe an den Nagel und begann 2009 bei den Wildcats Basel mit Triathlon, in erster Linie um sein Schwimmkönnen zu verbessern. Da man gut Schwimmen nicht von einem Tag auf den anderen lernt, startete der gebürtige Spanier vorerst bei Duathlon-Rennen. Später kamen Mitteldistanz-Triathlon-Rennen und vor etwas mehr als einem Jahr der erste Ironman hinzu.

Bei der Challenge Roth, bei der wie bei jedem Ironman nach 3,8 Kilometer Schwimmen und 180 Kilometer auf dem Rennrad noch ein Marathon folgt, erreichte der Aescher bei seiner Premiere mit 9:35 Stunden eine beachtliche Zeit. «In diesem Moment wurde aus dem Traum Ironman Hawaii ein Ziel», sagt Llaneza, der aus den Ranglisten der Vorjahre wusste, dass er sich für eine Qualifikation noch ungefähr 20 Minuten steigern musste.

Nun ist die Qualifikation aber nicht ganz so simpel. Es gibt nicht einfach eine Limite, sondern eine bestimmte Anzahl Startplätze. Llaneza entschied sich, sein Glück beim Ironman Frankfurt zu versuchen, der gleichzeitig als Europameisterschaft galt und bei dem in seiner Altersklasse 14 Plätze vergeben wurden.

Acht Monate Vorbereitungszeit

Der 35-Jährige hatte sich acht Monate auf den Tag X vorbereitet. Sein Arbeitgeber Sympany, der gleichzeitig sein Sponsor ist, hat ihn dabei bestmöglich unter die Arme gegriffen. Trotzdem resultierte einer der grössten Tiefschläge für den Aescher. Er finishte mit einer guten Zeit als 17. Weil nicht alle Athleten den Aufwand von Hawaii auf sich nehmen wollen, gab es noch Hoffnung. Tatsächlich gab es Verzichte, aber nur zwei. Llaneza verpasst um einen Rang oder besser gesagt um 25 Sekunden die Qualifikation. Keine halbe Sekunde im Vergleich zu über neun Stunden Anstrengung? Diesen Abstand hätte man überall herausholen können.

Noch Tage danach kämpfte der 35-Jährige mit seiner Enttäuschung, versuchte die negative Energie mit einer Pässefahrt von der Seele zu strampeln. Einen Hoffnungsschimmer gab es noch. Weil in diesem Jahr der Ironman in Regensburg gestrichen wurde, gab es die Möglichkeit, sich über den Half-Ironman in Wiesbaden zu qualifizieren. Llaneza hätte diesen in seiner ursprünglichen Planung als Hawaii-Vorbereitung vorgesehen gehabt, nun wurde Wiesbaden zum Lauf der letzten Hoffnung. Drei Startplätze standen zur Verfügung.

WM-Startplatz ergattert

Llanzea rechnete sich nicht grosse Chancen aus. Wiesbaden war die EM für die halbe Distanz, das Starterfeld entsprechend stark. Aber vielleicht wollen nur wenige der Halbdistanz-Athleten nach Hawaii zur Ironman-Weltmeisterschaft? Der Aescher holte fünf Wochen nach Frankfurt nochmals alles aus sich heraus. Das Rennen verlief nicht ohne Probleme, aber Llaneza war mit seiner Leistung zufrieden und auch der 14. Platz enttäuschte ihn nicht.

An die Siegerehrung wollte er erst gar nicht gehen, eine Freundin überredete ihn dazu. Dann das Unglaubliche. Aus den ersten zehn der Altersklasse wollte nur einer nach Hawaii. Nummer elf war nicht anwesend. Auch der Zwölfte verzichtete. Dreizehn griff zu, aber das spielte keine Rolle mehr. Llaneza hatte seinen Startplatz. «Dieser Moment war unglaublich. Alles Pech von Frankfurt wandelte sich in Wiesbaden in Glück um.»

Vorfreude ist gross

Llaneza ist nun seit einer Woche in Hawaii, um sich an die Zeitzone und die klimatischen Bedingungen zu gewöhnen. Seine Vorfreude ist riesig, die Stimmung vor Ort berauschend. «Sich auf Hawaii mit den besten der Welt zu messen, ist schlicht fantastisch.» Der harten Bedingungen wegen hat sich Llaneza eine Zeit unter zehn Stunden zum Ziel gesetzt. Am meisten Sorgen bereitet ihm das Schwimmen. «Bei der WM sind Neoprenanzüge wegen der warmen Wassertemperatur untersagt. Und bislang bin ich nur in Seen geschwommen und nicht im Meer», sagt der Ex-Fussballer. Meer, Strand, Hawaii – seine ehemaligen Aescher Teamkollegen im grauen Schweizer Herbst würden wohl in diesem Moment nicht ungerne mit dem Triathleten tauschen.

Verfolgen Sie den Athleten auf seiner Website: www.david-llaneza.ch