Die Frage an Lausanne-Trainer Fabio Celestini – unmittelbar nach Abpfiff noch auf dem Spielfeld gestellt –, ob er sich die Pokalpartie einfacher vorgestellt hatte, liess die Miene des früheren Nationalspielers noch ernster erscheinen. «Nein. Wir alle wussten, dass Pajde über Akteure verfügt, die technisch versiert sind. Und Cupspiele gegen vermeintlich Kleine auf dem Lande sind immer heikel. Es sei denn, der Oberklassige lege gleich in der Startviertelstunde zwei oder drei Treffer vor», so Celestini. Aber dies taten die Waadtländer nicht.

Der Gast führte zwar nach 21 Minuten mit 4:0 – aber nur bezüglich Eckballverhältnis. Wohl hatte der ausgezeichnet arbitrierende Adrien Jaccottet ein frühes Tor von Valeri Bojinov annullieren müssen, ansonsten zeigte sich jedoch, dass der Gastgeber gegen den auf dem Papier übermächtigen Gegner auf Augenhöhe mitspielen würde. Die Fricktaler liessen sich von Lausanne nie erdrücken, mussten nie zu unkontrollierten Befreiungsschlägen greifen und versuchten bei Ballbesitz, konstruktiv und mit Ballkombination auf Angriff umzuschalten. Was auch immer wieder gelang.

Selbst nach dem Gegentor, das der exzentrische Bulgare Bojinov mit einem herrlichen Seiten-Scherenschlag erzielte, fielen die Fricktaler nicht auseinander. Und als Dorde Ivalja (33), der am Vorabend die Spiellizenz erhalten hatte, mit einem herrlichen Volleyschuss aus 22 Metern ausglich, wusste Lausanne, dass es ein ungemütlicher Abend werden würde.
Ivalja bestritt übrigens im Jahre 2007 für Serbien die U21-Europameisterschaft und spielte lange Jahre, als Profi, bei Rapid Bukarest – auch auf europäischen Parkett. Und nach dem Ausgleich hatte der interregionale Zweitligist seine beste Phase. Vor allem die Vorstösse über die rechte Aussenbahn, die von Yann Bellemare (22) beherrscht wurde, wirbelte die fragile Defensive der Romands gehörig durcheinander. Bellemare, ein Franzose, hat die Fussballschule des FC Mulhouse durchlaufen und dürfte in der Meisterschaft seinen Antipoden noch viel Kopfweh bereiten.

Es brauchte einen berechtigten Elfmeter – der herauseilende Mehdi Dahmani touchierte Benjamin Kololli (einer der wenigen Aktivposten der Lausanner), der den Strafstoss gleich selber sicher verwandelte -, um wieder in Führung zu gehen. Doch auch in den letzten 30 Spielminuten hielten die Möhlener dagegen und Lausanne benötigte ein «Tor aus dem Nichts» von Einwechselspieler Joël Geissmann, der einen Prellball aus 18 Metern mittels trockenem Schuss ins Eck setzte, damit der Favorit definitiv die Spielstätte als Sieger verlassen konnte.

Der Stolz des NK Pajde

«Wir waren ein würdiger Cuprivale für die Profis. Ich bin stolz auf meine Mannschaft, die sich zu keinem Zeitpunkt versteckt und immer mitgespielt hat», so Dejan Rakitic, der Co-Trainer des NK Pajde. Und sein Vater Luca, der Klubpräsident, erklärte der Kroate mit berechtigtem Stolz.

Im Fussball sollte man mit Prognosen vorsichtig sein. Aber Lausanne dürfte in dieser Verfassung in der Super League viel Mühe bekunden, die letzten Plätze zu verlassen. Und Pajde, das seine letztjährige Equipe fast rundum erneuert hat, dürfte mit Sicherheit zu den spielstärksten Teams der Gruppe 5 in der 2. Liga inter gehören. In Aargauer Reihen hat es Akteure – wie Mittelstürmer Ivan Prskalo (22), der bei Dinamo Zagreb und Hajduk Split ausgebildet wurde –,die auch höheren Ligen sehr gut anstehen würden. Lausanne hat dies am Samstagabend erfahren.